Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Axt und Schreien auf Bekannten losgegangen – Freispruch

In der Alten Ixheimer Straße, vorm ehemaligen Gasthaus „Kronprinz“ war der Angeklagte mit einer Axt und mit martialischen Schrei
In der Alten Ixheimer Straße, vorm ehemaligen Gasthaus »Kronprinz« war der Angeklagte mit einer Axt und mit martialischen Schreien auf einen anderen Mann losgegangen.

Eine überraschende Wendung nahm vergangene Woche ein Prozess vorm Amtsgericht. Ein Zweibrücker war laut schreiend und mit einer Axt auf einen Bekannten losgegangen.

Weil er im Juli vergangenen Jahres in der Alten Ixheimer Straße mit einer Axt und mit martialischen Schreien auf einen anderen Mann losgegangen sein soll, war ein 49-jähriger Zweibrücker vorm Amtsgericht angeklagt. Nach den Aussagen des Angeklagten und des vermeintlichen Opfers nahm der Prozess vergangene Woche allerdings eine überraschende Wende.

Staatsanwältin Jasmin Braun warf dem Angeklagten vor, am 20. Juli 2023 gegen 17 Uhr mit einer Waffe oder einem Werkzeug eine andere Person in der Alten Ixheimer Straße urplötzlich angegriffen zu haben. Vermutlich mit einer Axt habe er gegen den Geschädigten geschlagen und dabei in Kauf genommen, ihn zu verletzen.

Der Angeklagte, der viele Jahre als Maurer gearbeitet hatte, gab an, vor langer Zeit einmal vor Gericht gestanden zu haben, weil er in einem Auto gesessen habe, in dem „Gras“ gefunden wurde. „Ich bin jetzt selbst schockiert, wie das rüberkam“, kommentierte er die Anklageschrift. Dabei habe er mit einem guten Bekannten nur Faxen gemacht – „Quatsch wie schon früher bei der Arbeit auf Baustellen“ –, wovon man auch mal Videos gedreht habe. Aus Spaß sei er mit lautem Geschrei auf den Bekannten zugegangen. „Das hat keine drei Minuten gedauert, dann haben wir uns in Höhe des ,Kronprinz’ verabschiedet und sind weitergegangen.“ Auch die Freundin des vermeintlichen Opfers sei dabei gewesen und habe zugeschaut. „Das war dumm von mir, ich habe noch nie Gewalt angewendet“, zeigte er ob der Außenwirkung Reue.

„So spaßig sah das nicht aus, denn zwei Passanten hatten die Polizei verständigt“, entgegnete Richterin Alena Dincher. Der wachhabende Polizist, den damals gegen 17 Uhr zwei Augenzeugen anriefen, beschrieb den Vorfall so: „Die Zeugen schilderten, dass ein Mann mit einer Axt versuche, einen anderen Mann anzugreifen.“ Er habe dann schnellstmöglich eine Funkstreife in die Alte Ixheimer Straße geschickt. „Bei einem der beiden Anrufer waren im Hintergrund noch Schreie zu hören.“ Als die Polizei nach vier, fünf Minuten eintraf, sei niemand mehr vor Ort angetroffen worden. Zeugen hätten ausgesagt, dass der Angreifer mit einem Auto weggefahren sei und der Angegriffene Richtung Bergstraße weggegangen sei. Den Halter des Fahrzeugs habe man schnell ausfindig gemacht. Er sei aber nicht zu Hause angetroffen worden. Der Angeklagte habe sich dann aber gegen 18 Uhr bei der Polizei gemeldet, gesagt, dass es nur ein Spaß gewesen sei und die Blödelei eingeräumt.

Das vermeintliche Opfer, ein 37-Jähriger aus Einöd, der mit dem Angeklagten bekannt ist, sagte aus, dass er und der Angeklagte früher schon öfter solche Sachen gemacht hätten, allerdings nicht in der Öffentlichkeit. Dabei sei es darum gegangen, die Schnelligkeit zu testen. „Das sieht dann wie Kämpferei aus.“ Bei dem Vorfall im Juli habe der Angeklagte mit einem 50 bis 60 Zentimeter langen Plastikbeil ein paarmal vor ihm rumgefuchtelt, „komm, zeig’s mir, wie schnell du bist“ gerufen, und er habe ausweichen müssen. „Meine Freundin hat zugekuckt und dabei gelächelt.“ Zwei Tage später habe ihn der Angeklagte angerufen und erzählt, dass die Polizei bei ihm war. „Ich habe von der Polizei nichts gehört und gedacht, dass es geklärt wäre“, sagte er vor Gericht aus.

Was für die Beobachter sehr gefährlich aussah, entpuppte sich im Nachhinein als Flachs unter langjährigen Bekannten. „Das kam mir hier nicht gelogen vor, und es gibt keinen Geschädigten“, meinte die Staatsanwältin und verzichtete darauf, auch noch die Freundin des vermeintlich Angegriffenen in den Zeugenstand zu holen. Dann hätte der Prozess von Neuem verhandelt werden müssen, denn Richterin Dincher wechselt zum 1. Juni ans Landgericht in Frankenthal. So endete ihr letzter Prozess in Zweibrücken mit einem Freispruch. Und der Angeklagte – „es erschreckt mich selbst zu hören, wie das nach außen gewirkt hat“ – war in seinem Schlusswort „froh, dass es so geendet hat“.

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