Blieskastel RHEINPFALZ Plus Artikel „Missa Votiva“ bei Euroclassic: Fast opernhafte Qualitäten

Das Collegium Vocale Blieskastel und ein Kammerorchester mit Mitgliedern des Saarländischen Staatstheaters unter Leitung von Chr
Das Collegium Vocale Blieskastel und ein Kammerorchester mit Mitgliedern des Saarländischen Staatstheaters unter Leitung von Christian von Blohn beim Konzert in der Schlosskirche.

Die „Missa Votiva“ von Jan Dismas Zelenka in Blieskastel bot einen weiteren Höhepunkt des Festivals Euroclassic: Die Schlosskirche war voll besetzt.

Mit einem selten gespielten Werk, der „Missa Votiva“ des tschechischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka begeisterten das Collegium Vocale Blieskastel, Mitglieder des Saarländischen Staatsorchesters sowie die Solisten Eunbi Lee, Alexandra Paulmichl, Christian Rathgeber und Martin Berner unter Leitung von Christian von Blohn die Besucher.

Bereits die ersten Klänge in e-Moll ließen aufhorchen, überraschten sie doch durch ihre kunstvolle Mehrstimmigkeit und harmonische Komplexität. Nicht zu Unrecht galt Jan Dismas Zelenka, der seit 1710 als Kontrabassist, Komponist und Leiter der Hofkirchenmusik in Dresden tätig war, in seiner Heimat als der „böhmische Bach“; die Stelle als Leiter der Hofkapelle ging allerdings an den Opernkomponisten Johann Adolf Hasse. Wohl aus Verdruss darüber erkrankte Zelenka schwer; als Dank für seine Genesung schrieb er 1739 die „Missa Votiva“, eines seiner bedeutendsten Werke. Nach seinem Tod wurde Zelenka schnell vergessen, erst im 20. Jahrhundert wurde sein Schaffen wiederentdeckt.

Mühelose Höhen

Das „Gratias“ gestaltete Eunbi Lee mit ihrem hell timbrierten, klaren lyrischen Sopran und müheloser Höhe nach dem feierlich-gemessenen Einsatz des Chores in erregten, schnellen Tempi; die dräuende Spannung wurde von Orchester und Chor aufgegriffen.

Der sonore Bassbariton von Martin Berner fand nach anfänglichen „Jesus“-Rufen erst nach und nach zu den stürmisch-aufgewühlten Chor- und Orchestersätzen zu einem beschwichtigenden Tonfall, der in beschwörende Gratias-Rufe mündete. Auch Tenor Christian Rathgeber und Altistin Alexandra Paulmichl setzten neue Impulse, die das Collegium Vocale Blieskastel in einer schönen Klangmischung aufgriff.

Packende Dramaturgie

Überhaupt brachten die Musiker unter der differenzierten Leitung Christian von Blohns die packende Dramaturgie und den Ausdrucksreichtum von Zelenkas „Missa Votiva“ bestens zur Geltung. Die Interpretation des Collegium Vocale Blieskastel hob diese fast schon opernhaften Qualitäten des Werks, die in ihrer Expressivität den aufkommenden empfindsamen Stil und die Opernreform Christoph Willibald Glucks ahnen ließen, sehr stilbewusst und ausdrucksstark hervor. Verhaltene „Peccata mundi“- und „Miserere“-Rufe unterstrichen fallende Streicher mit Seufzermotivik, darüber blühte Eunbi Lees schlanker Sopran erst zart und dann immer voller auf und entfaltete sich in melodiösen Kantilenen über dezent-bewegten Streichern.

Nach machtvollen einstimmigen Miserere-Rufen fächerte sich der Chor zu einem jubilierenden Thema auf, das düster-dräuende Orchesterakkorde voll schmerzlicher Eindringlichkeit immer mehr in Frage stellten. Diese Stimmung griff Martin Berner in seiner Bassarie auf, deren Koloraturen nie reine Ornamentik waren, sondern den klagenden Charakter des Themas umso deutlicher hervortreten ließen.

Wogendes Klanggeflecht

In einem breitgefächerten Klangbild mit schönen Farben gestaltete das Collegium Vocale Blieskastel „Cum sancto spiritu“ als wogendes Klanggeflecht voll pulsierender Erregung. In einem subtilen Entwicklungsprozess formte Christian von Blohn mit dräuenden hohen Sopranen und dunkel tremolierenden Streichern einen großen Spannungsbogen aus, der sich immer weiter steigerte, um dann in ein machtvolles „Amen“ einzumünden.

Das dramatische Gespür von Zelenka zeigte sich in dem ganz gegensätzlichen „Et incarnatus est“, von Altistin Alexandra Paulmichl als trauervolle Erzählung in dunklen Farben interpretiert und von langsamen, tiefen Streichern begleitet, das einen markanten Kontrast dazu bildete.

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