Fußball
Mini-EM: 240 Grundschüler kämpfen im Zweibrücker Westpfalzstadion um EM-Pokal
Christina Rauch, die städtische Beigeordnete Zweibrückens, freut sich riesig auf die Mini-Europameisterschaft am Dienstag (ab 9.30 Uhr, Westpfalzstadion), wie sie bei der Auslosung im April betonte, als den 24 Grundschulen die einzelnen Nationen zugeteilt wurden. Es ist Rauchs erstes Mini-Fußballturnier von Grundschülern in ihrer jetzigen Funktion. Denn die letzten beiden vorangegangenen Großereignisse fielen zwar nicht sprichwörtlich ins Wasser, aber anderen Umständen zum Opfer.
Im Jahr 2020, auf dem Hoch der Corona-Krise, war an eine Mini-EM mit Schülern nicht zu denken, auch ein Jahr später noch nicht, als die echte Europameisterschaft europaweit nachgeholt wurde. Im Winter 2022 war dann eine Weltmeisterschaft mit 32 an der Endrunde teilnehmenden Nationalteams als Hallenturnier aus organisatorischen Gründen nicht durchführbar. Und bei der letzten davor gespielten Mini-EM im Jahr 2016 war Rauch noch nicht in Amt und Würden.
„Sommermärchen 2.0“?
Hätte man dagegen noch vor einem Jahr deutsche Fußballfans gefragt, wäre die Vorfreude auf die Heim-EM sicher noch verhalten ausgefallen. Zu schwach präsentierte die deutsche Nationalmannschaft unter Hansi Flick, dem Vorgänger des aktuellen Bundestrainers Julian Nagelsmann, zu diesem Zeitpunkt. Längst war da der Zauber des „Sommermärchens“ 2006 verflogen – in jeglicher Hinsicht, auch mit den später folgenden Korruptionsvorwürfen. Und auch der Glanz des deutschen WM-Titels in Brasilien verblasste immer mehr, nachdem die Nationalelf 2018 in Russland und 2022 in Katar gleich zweimal bereits in der Vorrunde ausgeschieden war.
Inzwischen haben sich die Deutschen unter Coach Nagelsmann wieder berappelt und spielerisch stabilisiert. Es könnte also was werden mit einem „Sommermärchen 2.0“ in den vier Wochen vom 14. Juni bis zum Finaltag am 14. Juli, wenn sich in deutschen Stadien Englands Harry Kane, Frankreichs Kylian Mbappé, Titelverteidiger Italien und auch die Deutschen um den Titel streiten.
Den echten „Nagelsmännern“ was vorspielen
Die Mini-Europameisterschaft der Grundschulen am Dienstag, 11. Juni, die die RHEINPFALZ zusammen mit der Stadt Zweibrücken ausrichtet, ist das achte große Turnier dieser Art. Erstmals wurde 2006 die Heim-Weltmeisterschaft von den Grundschülern vorweggespielt. Die Idee dazu kam vom damaligen Bürgermeister Rolf Franzen und dem Vorsitzenden der Fußball-Übungsleiter-Gemeinschaft Westpfalz, dem inzwischen verstorbenen Hans Alt. Zu Beginn war in einer Kooperation auch die Stadt Homburg rotierend mit im Boot, so dass die EM 2008 und die WM 2010 sogar im großen Homburger Waldstadion über die Bühne gingen. Nach und nach ist diese Zusammenarbeit aber eingeschlafen, so dass zuletzt immer das Zweibrücker Schul- und Sportamt alleine die Regie hatte bei den fußballerischen Großereignissen der Kleinen. Homburger Grundschulen sind allerdings auch bei dieser Mini-EM mit von der Partie.
Egal ob im Waldstadion, auf dem Ixheimer Kunstrasen oder im Westpfalzstadion: Bei allen Turnieren war immer mächtig viel los. Meist rund 240 Grundschüler kickten jeweils mit. Tränen gab es bei Verlierern von Neunmeterschießen, unbändigen Jubel bei den Siegern – und auch mal eine Ladung Eis als Belohnung und Abkühlung.
Spaß auch im Klassenzimmer
Letzteres verschafften sich die Nachwuchskicker im Jahr 2014 auch mit einer kleinen Erfrischungsdusche, als sie sich vor den WM-Viertelfinals bei großer Hitze kurzerhand unter die fälschlicherweise angesprungenen Rasensprenger stellten. Und im selben Jahr schafften es die Schüler der Homburger Sonnenfeld-Grundschule II sogar mal, den WM-Titel der Großen mit Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, dem Rieschweilerer Erik Durm und Miro Klose tatsächlich vorwegzunehmen.
Spaß sollen die kickenden Klassenzimmer haben beim Fußballturnier, aber auch im Vorfeld. Denn hinter den Mini-Turnieren steckt noch eine andere Idee: Die Grundschüler und ihre Lehrer sollen sich vorher im Unterricht möglichst mit dem ihnen zugelosten Land beschäftigen. Wie sieht dessen Flagge aus, wie viele Menschen leben dort, wie ist das Wetter in diesem Land – und vor allem: Wo liegt denn das überhaupt? Zu klärende Fragen, selbst bei einer Europameisterschaft, wo vielleicht nicht die ganz exotischen Länder dabei sind. Aber immerhin ist mit Georgien diesmal ein Neuling dabei, den in der Gruppe F die Grundschüler aus Hornbach beackern konnten.
Was die Grundschüler in jedem Fall genau wissen: wie die Nationalflagge
Orakel fürs „große“ Turnier?
Dienen die Mini-Turniere wirklich als Orakel für die echten EMs und WMs? Mal so und mal so, könnte man sagen. Beim Debüt 2006 durften die Viertklässler der Grundschule Homburg-Hohenburg den Weltpokal in die Höhe stemmen – als Togo! Ausgerechnet im Jahr 2014 hat es mal geklappt: Da holten sich besagte kleine Kicker der Homburger Sonnenfeldschule als Team Deutschland den Titel. Bei der letzten in Zweibrücken ausgetragenen Mini-EM 2016 siegte die für Spanien angetretene Albert-Schweitzer-Grundschule aus Ernstweiler – also immerhin eine Nation von der iberischen Halbinsel – während in echt im Endspiel, trotz des verletzten Cristiano Ronaldo, die Portugiesen gegen Frankreich triumphierten. 2012 siegte als Polen die Grundschule Thaleischweiler-Fröschen.
Am Dienstag, 11. Juni, beginnt die Mini-EM um 8.45 Uhr, ab 9.30 Uhr rollt der Ball. Kurz nach 14 Uhr steht der kleine Europameister fest – rund vier Wochen später wissen wir, ob die Großen nachziehen konnten. Der Eintritt ins Westpfalzstadion ist frei.
Gruppeneinteilung
Gruppe A: Deutschland (Grundschule Einöd), Schottland (Pestalozzi-GS), Ungarn (GS Sonnenfeld II), Schweiz (GS Contwig III)
Gruppe B: Spanien (Albert-Schweitzer-GS), Kroatien (Breitwiesen-GS I), Italien (GS Bechhofen), Albanien (Luitpold-GS)
Gruppe C: Slowenien (GS Wiesbach II), Dänemark (Hilgard-GS I), Serbien (GS Wiesbach I), England (Hilgard-GS II)
Gruppe D: Polen (Konrad-Adenauer-GS Vinningen), Niederlande (GS Bruchhof), Österreich (GS Sonnenfeld I), Frankreich (GS Rimschweiler)
Gruppe E: Belgien (GS Bottenbach), Slowakei (GS Kirrberg), Rumänien (GS Mittelbach), Ukraine (Thomas-Mann-GS)
Gruppe F: Türkei (GS Contwig I), Georgien (GS Hornbach), Portugal (GS Breitwiesen II), Tschechien (GS Contwig II).
Turniermodus
– 8.45 Uhr Einmarsch der Nationen ins Stadion, Präsentation der Landesflaggen
– Gruppenspiele im Modus „Jeder gegen jeden“, die beiden jeweils Erstplatzierten jeder Gruppe ziehen ins Achtelfinale ein. Bei Punktgleichheit entscheidet ein Neunmeterschießen.
– Jede Mannschaft besteht aus neun Feldspielern und einem Torwart. Sechs Feldspieler und der Torwart stehen auf dem Feld, es kann beliebig ein- und ausgewechselt werden.
– ab 9.30 Uhr Turnier auf vier Kleinspielfeldern im Westpfalzstadion, 12.30 Achtelfinale, 13 Uhr Viertelfinale, 13.15 Halbfinale, 13.35 Spiel um Platz drei, 13.55 Uhr Finale, danach Siegerehrung
– Spielzeit einmal zehn Minuten, ab dem Halbfinale einmal 15 Minuten
– Gespielt wird ohne Abseits und nach Fifa- und DFB-Regeln.
Stichwort: Die Europameisterschaft
In Deutschland streiten ab Freitag, 14. Juni, 24 Fußball-Nationalteams bei der 17. Europameisterschaft um den Titel, erstmals steigt seit dem „Sommermärchen“ im Jahr 2006 wieder ein großes Fußballturnier in Deutschland. Die Gastgeber waren bisher dreimal Europameister: 1972, 1980 und zuletzt 1996, unter anderem mit Stefan Kuntz.
Zum Auftakt spielt das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann am Freitag, 14. Juni, ab 21 Uhr (live im ZDF) in München gegen Schottland. Gespielt wird die Euro in sechs Vorrundengruppen à vier Mannschaften. Titelverteidiger ist Italien, davor hatten Portugal (2016) und Spanien (2012) gewonnen. Deutschland wartet bereits seit Oliver Bierhoffs „Golden Goal“ 1996 unter Trainer Berti Vogts auf den nächsten Erfolg. Das EM-Finale steigt am 14. Juli um 21 Uhr in Berlin.

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports