Zweibrücken früher
„Middem Fahrrad no Laudere in die Schul gefahr“
„Seerschd bin ich uffs Birro gang, nadierlich hannich ordendlich angeglobbt un dann gesaad: Ich hann moije Berufsschul! Du willschd also dei Geld fa die Bahn, had die Buchhalterin gesaad, had die Kass gehold un mir drei Mark zwanzisch abgezählt hingelehd. Dann bin ich widder abgezischt!“
So, wie es bei Meinhard Mangold, zur Zeit seiner Schriftsetzerlehre beim Unternehmen Hornberger in Waldfischbach war, lief auch bei anderen Lehrlingen der wöchentliche Gang zu Chef oder Sekretärin ab. Manchmal hörte man noch ein hingemurmeltes „Du koschd uns viel Geld!“ Bei Mangold, der jetzt im „Haus Sarepta“ in Contwig wohnt, gab es aber noch eine Besonderheit: „Fass Fahrgeld fa mich ze schbare, bin ich ab und zu middem Fahrrad no Laudere in die Schul gefahr!“ Über drei Mark gutgemacht! Kein Wunder, dass dann der spätere zuverlässige Maschinensetzer bis ins hohe Alter mit seinem Rennrad lange Strecken fuhr und Kilometer sammelte. Zum Lehrbetrieb in Waldfischbach fuhr Meinhard mit der Bahn. Weil er schon früh mit dem ersten Zug um halb sechs fuhr, begleitete sein Vater Heinrich den jungen Lehrling oft auf dem Weg vom Mannlichplatz durch die noch dunkle Stadt.
„E annerie Zeid“, sei es halt gewesen, erinnert er sich. Das galt auch für die Schar derjenigen, die sich „vum Land“ auf den Weg machten, um „in de Schdadt“ zu schaffen. Am Abend ging es wieder zurück nach Hause, wo oft noch „gebauert“ wurde, um die Familie zu ernähren.
So hat sich vor Jahren auch die Tochter „vum Briefdräjer Zimmermann“, der bei den älteren Anwohnern um die Eremitage nicht vergessen ist, daran erinnert, dass Herr Zimmermann bevor er zur Post kam, lange Jahre zu Fuß zur Arbeitsstelle ins Neunkircher Eisenwerk lief. Und andere mit ihm.
„Der wohnd in Loschie“, hieß es bei einem Arbeitskollegen „vum Babbe“: Dieser war aus Bann und wohnte die Woche über bei Georg Lang im Gasthaus „Zum Storchen“ in der Landauer Straße, wo er am Abend zurückgezogen in der Ecke des Wirtszimmers saß. Natürlich grüßte man ihn höflich, wenn man für Vater „e Moos Bier“ zu holen hatte. „Gell, der kommd vun weid her?“, sagte man dann – auch, weil man nicht wusste, dass Bann nach heutigen Autoverhältnissen nur „einen Katzensprung“ weg ist.
Wie stolz waren auch die Onkels aus der Familie, als sie nicht mehr den „Berchmannszuch“, zur Grube König benutzen mussten: Beim Auto-Römer in der Kaiserstraße war ein Motorrad gekauft worden: Eine BMW, die Onkel Karl nicht oft genug vorführen konnte. „Lossense nochmo laafe!“, bekam er bei jedem Besuch von den Buben in der Straße zu hören. Ein Motorrad, das war schon was. Bis ein (gebrauchtes!) Auto gekauft werden konnte, da wurden die Onkels Karl und Kurt noch oft auf dem Motorrad nass, aber irgendwann kam das Auto dann doch.
Zu jener Zeit fuhren vor Arbeitsbeginn in den frühen Morgenstunden ganze Fahrrad-Kolonnen in die großen Betriebe: Bei Dorndorf, bei Lanz und Dingler, auch beim verschwundenen Betrieb Pörringer & Schindler und auch den kleineren Unternehmen, da gab es überall Fahrradständer. Alle waren an ihren Wellblechdächern zu erkennen. Nicht wenige benutzten bald auch die neuen Stadtomnibusse. „Schdimmd dess, dass die Busse noch Anhänger gehadd hann?“ Ja, das stimmt.