Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Metzger Heinrich Grim zum Tönnies-Skandal und den Auswirkungen von Corona

Metzgermeister Heinrich Grim (rechts) begutachtet die deutschen Angusrinder bei Bauer Jürgen Buß (Mitte) vom Offweilerhof.
Metzgermeister Heinrich Grim (rechts) begutachtet die deutschen Angusrinder bei Bauer Jürgen Buß (Mitte) vom Offweilerhof.

Der Coronavirus-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies hat eine bundesweite Debatte um den Fleischkonsum ausgelöst. Wie der Zweibrücker Metzgermeister Heinrich Grim auf den Skandal blickt und welche Auswirkungen die Pandemie auf seinen Betrieb hat, schildert er im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Der Metzgermeister zieht eine klare Trennlinie zwischen der Fleischindustrie und dem Fleischerhandwerk. „Für die einen ist das Tier nur eine Nummer, für die anderen ist es eine kleine Gruppe, die er kennt.“ Grim bezieht die Tiere von umliegenden Bauernhöfen – vom Eichenhof bei Mittelbach, vom Heilbachhof bei Mörsbach, vom Offweilerhof bei Contwig, von Peter Gerhardt aus Mittelbrunn und Fred Teuscher aus Riedelberg. Bis auf wenige ausländische Spezialitäten stellt er sein Fleisch und seine Wurst selbst her. Geschlachtet werden die Tiere im Zweibrücker Schlachthof, montags die Schweine und donnerstags die Rinder. Kein Tier sei mehr als 25 Kilometer zum Schlachthof unterwegs, da die Landwirte, mit denen die Metzgerei zusammenarbeitet, die Tiere selbst dort hin bringen.

Kaufverhalten hat sich verändert

Die Arbeitsbedingungen bei Tönnies an sich seien für ihn keine Überraschung gewesen, „wovon ich jedoch nichts wusste, waren die Unterkünfte für die Arbeiter, die ich sehr erschreckend finde“, so der Metzgermeister. Die Arbeitsbedingungen dort haben dazu geführt, dass viele Kunden ihn auf die Regionalität der Produkte angesprochen haben, sagt der Metzgermeister. „Ein Umdenken in der Bevölkerung war da.“ Grims Einschätzung nach hat der Skandal das Kundenverhalten nachhaltig verändert. Doch nicht nur der Vorfall bei Tönnies. Während der Corona-Krise hätten viele Leute „versucht, große Menschenansammlungen zu vermeiden und sind bewusst nicht in den Discounter gegangen“, sagt Grim. Auch führte der Corona-Lockdown im März dazu, dass schlicht mehr Zeit zum Kochen vorhanden war. „Der klassische Sonntagsbraten war wieder in.“

Noch sechs Mitarbeiter in Kurzarbeit

Für Grims Betrieb ist die Corona-Krise längst nicht gemeistert. Das an die Metzgerei angeschlossene Bistro am Busbahnhof ist zwar wieder geöffnet. Die Gastronomie im Badeparadies, die Grim 2013 übernommen hat, ist aber weiter geschlossen und auch der Partyservice läuft nur langsam an. Insbesondere große Feiern fallen weiterhin aus – Grims bislang größte Lieferung war für 35 Leute. Noch immer seien sechs der rund 35 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

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