Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Messerstecherei in der Maxstraße: Polizist droht mit Taser

Hier auf der Maxstraße hat sich die Schlägerei am 13. Juni 2021 ereignet.
Hier auf der Maxstraße hat sich die Schlägerei am 13. Juni 2021 ereignet.

Wegen versuchten Totschlags steht ein 22-Jähriger vor Gericht. Bei einer Schlägerei soll er einen Gegner mit einem Messer schwer verletzt haben. Jetzt spricht die Polizei.

Im Prozess um die Keilerei in der Nacht zum 13. Juni 2021 vor „Veronikas Kneipe“ in der Zweibrücker Maxstraße sagten am Dienstag fünf Polizisten aus, die damals im Einsatz waren. Ein weiterer Beamter wird an der Verhandlung wohl nicht teilnehmen können, weil er schwer erkrankt und bis auf Weiteres nicht vernehmungsfähig ist.

In einem Krawall unter zwei Personengruppen soll der damals 19-jährige Angeklagte einen fünf Jahre Älteren mit einem Einhandmesser lebensgefährlich verletzt haben. Vor einer Jugendkammer am Landgericht berichteten die Polizisten am Dienstag, dass sie rasch vor Ort waren: Bereits vor Beginn der Keilerei war die Polizei gerufen worden, weil Nachtschwärmer über Verstöße gegen die Corona-Vorschriften in „Veronikas Kneipe“ berichtet hatten.

Angeklagter war kurz bewusstlos

„Wir stellten unsere zwei Streifenwagen um die Ecke in der Lammstraße ab“, sagte einer der Beamten aus. „Dann sahen wir auch schon den Streit. Etwa zehn Personen standen in der Maxstraße vor dem Dampfzigarettenshop. Ihnen gegenüber waren fünf bis acht Besucher von ,Veronikas Kneipe’.“ Binnen Sekunden seien die beiden Gruppen aufeinander losgegangen. Die Aussagen der Polizisten lassen sich so zusammenfassen, dass der spätere Angeklagte mit einer Platzwunde am Auge am Boden lag. Ein Messer sei vor den Eingang des Dampfshops geflogen, und das Tatopfer sei weggerannt und von der Polizei gestoppt worden. Einer der Beamten habe das Opfer zunächst für den Messerstecher gehalten und mit einem Elektroschocker (Taser) bedroht. Erst dann sei klar geworden, dass der Mann aus einer Bauchwunde heftig blutete. Sein junger Kontrahent sei sekundenlang weggetreten gewesen. „Als er wieder bei Bewusstsein war, fing er an zu heulen und sagte, dass er eben wohl jemanden erstochen habe. Er müsse ins Gefängnis, und seine Familie werde ihn verstoßen“, erinnerte sich ein Kommissar der Polizeiinspektion Zweibrücken. Die beiden Streithähne kamen ins Krankenhaus. Eine Blutprobe des Angeklagten im Nardini-Klinikum soll 0.83 Promille ergeben haben. Der Polizeikommissar fügte hinzu, dass der Angeklagte angegeben habe, sein Gegner habe als Erster zugeschlagen. Außerdem habe der junge Mann behauptet, ihm habe jemand inmitten der Prügelei einen Gegenstand in die Hand gedrückt, mit dem er auf den Älteren eingeschlagen habe. „Erst später soll er dann gemerkt haben, dass dieser Gegenstand ein Messer war. Er habe es weggeworfen“, gab der Beamte die Angaben wieder. Dann sei der am Boden liegende Angeklagte noch von Angehörigen der gegnerischen Gruppe körperlich bedroht worden. Die Polizisten berichten, dass sie den Mann gegen die Kontrahenten hätten abschirmen müssen.

Zeuge wird von der Polizei zwangsvorgeführt

Ihre Aussagen haben am Dienstag zwei junge Männer nachgeholt, die die Prügelei beobachtet hatten und vorige Woche dem Prozess trotz Vorladung als Zeugen ferngeblieben waren. Der eine, ein 21-Jähriger, wurde am Morgen von der Polizei zwangsweise vorgeführt. Der zweite, 24 Jahre alt, kam diesmal aus freien Stücken in den Gerichtssaal. Beide erzählten dem Richter, sie hätten neulich ihre Gerichtstermine verbummelt.

Der 24-Jährige erklärte, das Messeropfer habe im Streit „sehr stark“ zugeschlagen. Der jüngere Zeuge sagte, der Angeklagte habe nach der Tat „geschockt“ reagiert und kaum glauben wollen, was soeben passiert war.

Der Prozess am Landgericht wird am 6. Dezember, 9 Uhr, fortgesetzt.

x