Zweibrücken
Messerstiche in Maxstraße: So beginnt nach drei Jahren der Prozess
Mehr als drei Jahre nach den blutigen Ereignissen in der Maxstraße hat am Freitag am Zweibrücker Landgericht der Prozess gegen einen heute 22-Jährigen begonnen. Der junge Mann soll vor dem damals „Veronikas Kneipe“ genannten Lokal einen fünf Jahre Älteren durch mehrere Messerstiche schwer verletzt haben. Staatsanwalt Felix Huth wirft dem Syrer versuchten Totschlag vor. Bei einer Rangelei in der Maxstraße, die am frühen Morgen des 13. Juni 2021 aus einem Menschengewühl heraus eskalierte, sollen sich die beiden Männer geprügelt haben, ehe der junge Syrer ein Einhandmesser zückte und mehrmals auf den heute 27-Jährigen einstach. Die beiden Kontrahenten hatten sich zuvor nicht gekannt. Weil der Angeklagte damals erst 19 war, wird der Fall am Landgericht vor einer Jugendkammer verhandelt. Dort tritt das Messeropfer als Nebenkläger auf.
Zum Prozessauftakt erklärte der 27-Jährige, er habe seinerzeit sechs Messerstiche erlitten. Nach einer Notoperation am Uniklinikum Homburg habe er mithilfe eines Rollators das Gehen erst wieder neu erlernen müssen. Etwa ein Jahr lang sei er krankgeschrieben gewesen und habe Therapien, Rehamaßnahmen, Physio- und psychologische Behandlungen in Anspruch nehmen müssen. Bis heute leide er unter Schlaflosigkeit sowie ständigen Schmerzen in Brust, Bauch und Beinen. Seinen erlernten Beruf als Dachdecker könne er nicht mehr ausüben; heute hat er einen Job am Montageband in der Industrie.
„Auf der Straße gibt es Stress“
Am Freitagmorgen wurde im Gerichtssaal ein Video aus der Tatnacht vorgeführt, das die Überwachungskamera eines nahen E-Zigarettenladens aufgezeichnet hat. Dort ist zu sehen, wie ein Streit in einer Ansammlung junger Leute sich hochschaukelt, bis es zu gegenseitigen Fausthieben der beiden heutigen Prozessgegner kommt. Der junge Syrer kam zu Fall und soll dann – so schildern es Zeugen – am Boden liegend auf den über ihm befindlichen Zweibrücker eingestochen haben.
Dieser sagte am Freitag aus, dass er mit Freunden in „Veronikas Kneipe“ gewesen sei, als ein Bekannter hereinkam und sagte, auf der Straße gebe es „Stress“. „Ich bin rausgegangen. Da hat mich der Angeklagte böse angeguckt, hat mich als ,Nazischwein’ und ,Hurensohn’ beleidigt.“ Der Zweibrücker sei auf den Syrer „losgegangen“ und habe ihn ins Gesicht geschlagen. „Dann ging alles ganz schnell. Er hat mich in die Brust, in den Bauch und in den Bobbes gestochen.“
Ärger gab’s vorher schon in der Lammstraße
Ein 30-jähriger Zweibrücker sagte vor Richter Michael Schubert aus, dass der Angeklagte kurz vor der Messerstecherei zusammen mit mehreren Gefährten in der nahen Gaststätte „Hobbit“ in der Lammstraße Ärger gemacht habe. „Um die Lage zu beruhigen, habe ich denen ein paar Bier ausgegeben und ihnen geraten, in ,Veronikas Kneipe’ rüberzugehen.“
Ein heute 21-jähriger Zeuge erzählte, er habe schon vor dem Handgemenge die Polizei angerufen, „weil Leute in der Kneipe waren, die keinen Corona-Test hatten“. Daher seien die Beamten bereits unmittelbar nach den Messerstichen am Tatort eingetroffen.
Ereignisse liegen gut drei Jahre zurück
In der Maxstraße will ein heute 26-jähriger Blieskasteler, der am Freitag ebenfalls als Zeuge geladen war, die beiden am Boden rangelnden Gegner voneinander getrennt haben. Dem Verletzten habe er Erste Hilfe geleistet, Wunden abgebunden und einen Krankenwagen gerufen. Der Angeklagte habe derweil „heulend“ am Boden gesessen. Hinzukommende Polizisten hätten dem Messeropfer, das sich den verletzten Bauch hielt, befohlen, sich erst mal flach hinzulegen und seine Hände vorzuzeigen.
Alle Zeugen betonten, sie könnten sich nicht mehr an sämtliche Details erinnern. Schließlich liege jene Juninacht mehr als drei Jahre zurück. So will sich der Blieskasteler heute auch nicht mehr an eine Aussage erinnern, die er seinerzeit gegenüber der Polizei gemacht haben soll: Wie Staatsanwalt Felix Huth aus den Akten vorlas, habe der Zeuge damals folgende Worte des am Boden kauernden, jammernden Angeklagten zu Protokoll gegeben: „Wenn meine Eltern erfahren, dass ich einen abgestochen habe, verstoßen die mich und ich werde abgeschoben.“ Auf diese Aussage vom Juni 2021 angesprochen, erinnerte der Blieskasteler am Freitag nur noch, dass der Syrer damals „verzweifelt“ gewesen sei und „geheult“ habe.
Info
Die Verhandlung am Landgericht Zweibrücken wird am Freitag, 8. November, um 9 Uhr fortgesetzt.