Kolumne: Wochenendmeinung RHEINPFALZ Plus Artikel Menschen mit Umgangsformen – es gibt sie noch

Freundlicher Handschlag zur Vorstellung.
Freundlicher Handschlag zur Vorstellung.

Jedes Jahr im Herbst legt die Stadtverwaltung dem Stadtrats-Sportausschuss eine Liste mit Zweibrücker Vereinen zur Genehmigung vor; darin sind Beträge zwischen 1000 und gut 5000 Euro aufgeführt, mit denen die Stadt die Sportler bei deren Mietkosten unterstützt. Üblicherweise wird diese Liste in der Sitzung nur ganz kurz erwähnt; der Ausschuss stimmt wortlos zu. Binnen Minuten. Dass das Verfahren diese Woche ein bisschen länger als sonst dauerte, hat seinen Grund.

Erstmals seit der Kommunalwahl hat der Zweibrücker Sportausschuss wieder getagt – in neuer personeller Besetzung. Schon vor Beginn, noch während die Gremiumsmitglieder ihre Plätze im Saal einnahmen, fiel ein gediegen gekleideter älterer Herr auf, der freundlich lächelnd durch die Sitzreihen schritt, allen höflich die Hand gab und sich mit Namen Stefan Sachtleben als neues Ausschussmitglied vorstellte. Der Stolz über seine kommunalpolitische Aufgabe war dem promovierten Mediziner anzusehen. In den „richtigen“ Stadtrat hat es Stefan Sachtleben als Kandidat der Grünen zwar nicht geschafft. Dass er für die Partei aber nun im Sportausschuss in Verantwortung tritt, nimmt der Politik-Neuling sichtlich ernst.

Gar keine „dumme“ Frage

Dass er ein solcher ist, verkündete Dr. Stefan Sachtleben im Ausschuss selbst. Und bat um Nachsicht, sollte er womöglich gleich eine „dumme“ Frage stellen: Denn als das eingangs geschilderte Vereinsmietkosten-Thema aufgerufen wurde, erkundigte er sich, wie es denn kommt, dass etwa der Squash-Club nur gut 1000 Euro Zuschuss erhalten soll, während dem Eishockeyverein satte 5500 Euro zuerkannt werden. Die Beigeordnete Christina Rauch schuf Klarheit: Bei den Geldzuwendungen aus der Stadtkasse handelt es sich um Zuschüsse zu den Mietkosten. Diese wiederum sind für die Eishockeyer, die auf die Eishalle mit ihrer aufwendigen und teuren Technik angewiesen sind, eben viel höher als für die Squasher in deren Halle. Fragesteller Sachtleben bedankte sich, wusste nun Bescheid und konnte guten Gewissens der Zuschussliste zustimmen. Wetten, er war nicht der Einzige, der diese Auskunft hilfreich fand? Er war aber der Einzige, der sich zu fragen getraut hat. Interessiert und genauso ausgesucht höflich, wie er sich zuvor persönlich in den Ausschuss eingeführt hatte.

Stefan Sachtleben hat ein schönes Beispiel für gute Manieren im gegenseitigen Umgang gegeben. In der Kommunalpolitik und sonstwo.

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