Zweibrücken Mela bringt die Chansons zum Swingen
Das Beste verpasst haben am Sonntag einige der über 70 Besucher des „Dimanche de la Chanson“ in der ehemaligen Homburger Disco Musikpark. Denn nach den Auftritten von Yannisha und dem Marcel-Adam-Quartett gingen jene Besucher. Und das, obwohl Marcel Adam mehrmals auf die letzte Band des Abends, Moi Et Les Autres (kurz: Mela), hingewiesen hatte.
So standen die fünf Mela-Musiker vor gelichteten Reihen, als sie gegen 21.30 Uhr die Bühne betraten. Dumm gelaufen für die, die früher gegangen sind. Denn sie erlebten nicht den ansteckenden Swing, den Mela verbreitete, und auch nicht das Ebenbild der deutschen Vorstellung einer Französin, verkörpert von Sängerin Juliette Brousset. Gutaussehend, stimmgewaltig, mal sanft wie eine Katze, mal emotional wie ein tanzender Zigeuner, erfüllte ihre glockenklare Stimme den Raum. „Moi Et Les Autres gilt als die beste Swing-Chanson-Band Deutschlands“, hatte der Veranstalter, die Homburger Kultur GmbH, geworben und nicht zuviel versprochen. Allerdings beschränkt sich die Kapelle nicht auf den Swing im Chanson. Dixieland, Jazz, Tango, Rock, Musik vom Balkan und Klezmer finden Eingang in die Lieder des Quintetts. Ihm gehören neben der charismatischen Sängerin, die das Publikum verzauberte, der aus Homburg stammende Gitarrist und Komponist David Heintz, Eric Dann (Akkordeon, Melodika), Simon-Tobias Ostheim (Schlagzeug) und Andreas Manns (Kontrabass) an. Die Lieder von Mela erzählen Geschichten. Mal poetisch, mal ironisch, mal melancholisch, mal voller Wut. Es geht um Liebe, Kinder und trinkende Seemänner; um die Beziehung zwischen Vater und Tochter, die Zukunft. Der Abend stand für die Band aus Weinheim unter dem Motto „Départ“ (Abreise). Neues entdecken, alte Wege verlassen, ist musikalisches als auch Lebensziel laut Juliette Brousset. Seit zehn Jahren gibt es „Moi Et Les Autres“ bereits, 50 Konzerte haben sie 2017 gespielt. Die Zuhörer mussten in Homburg auf Plastikstühlen und Barhockern sitzen und hatte zum großen Teil hellgraue Campingtische vor sich. Das Mobiliar war eines solchen Abends unwürdig. Ein paar Blümchen auf den Tischen hätten ja schon geholfen, aber so kann man den Veranstaltern keine besonderen Bemühungen unterstellen, was das schmuck- und stillose Ambiente angeht. Die Licht- und Tontechnik allerdings war vom Feinsten, wie auch Marcel Adam bemerkte. Der Lothringer Barde, der mit dem Gitarristen Christian Conrad und Christian di Fantauzzi, dem Meister am Knopfakkordeons, als Trio La Fine Équipe auftrat, spielte seine bekannten und tiefgründigen, manchmal traurigen, immer aber nachdenklich machenden Balladen. Mal auf Französisch, mal auf Deutsch, mal beides zusammen. Mit über 30 Jahren Bühnenerfahrung ist Adam einer der bekanntesten Chansonniers, Liedermacher, Autoren, Komponisten und Interpreten aus unserer Region. Bekannt wurde er als „de Schompierre“ auf SR 3, wo er als Schnapsbrenner und Alltagsphilosoph mit Lothringer Schnauze brillierte. Unterstützt wurde das Trio von Marcel Adams Sohn Yann Loup an der Gitarre und mit Gesang. Mit seiner Partnerin Anisha Erbacher eröffnete Yann Loup Adam als Duo Yannisha den Chanson-Abend mit Jazz, Pop-Balladen, Swing und Rock. Herausstechend war dabei Anisha Erbachers Stimme mit beträchtlichem Tonumfang.