Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Matchball und Sieg gegen den Krebs

Hier fühlt sich Anke Knoll wohl: in der Kabine, mit dem Tennisschläger in der Hand. Bereit, Sport zu treiben und sich dem Kampf
Hier fühlt sich Anke Knoll wohl: in der Kabine, mit dem Tennisschläger in der Hand. Bereit, Sport zu treiben und sich dem Kampf zu stellen. Foto: VIEW

Sportsfreunde: Krebs hat Anke Knoll, eine der besten Tennisspielerinnen im Südwesten, den Boden unter den Füßen weggezogen. Sport hat die Contwigerin zurück ins Leben gebracht. Sie hat den Krebs besiegt, leidet aber noch immer unter den Folgen.

Anke Knoll, 53-jährige Tennisspielerin des TC-Rot-Weiß Kaiserslautern aus Contwig, ist seit Jahren in der Rheinland-Pfalz-Auswahl ihrer Altersklasse, und sie ist die Stütze ihrer Lauterer Damenmannschaft 50, die gut in der Südwest-Liga unterwegs ist. Ganz nebenbei, und für sie selbstverständlich, half sie in der Vergangenheit auch in der TC RW Damen-Oberliga-Mannschaft aus. „Da stand ich dann schon mal mit einer 16-Jährigen auf dem Platz“, blickt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ amüsiert zurück.

Solch vergnügte Momente, das Lachen, die Lebensfreude, das alles wurde ihr im August 2018 schlagartig genommen: Diagnose Brustkrebs! „Warum ich?“, diese Frage treibt sie um, wirft sie in ein tiefes, dunkles Loch. Die Tennisspielerin heult Tag und Nacht und gibt sich dann selbst eine Antwort: „Ich bin nicht schuld!“ Wie sollte sie auch?! Anke Knoll, Mutter dreier Söhne, eine Grundschullehrerin, die just zum Zeitpunkt der Diagnose eine neue erste Klasse übernommen hat, raucht und trinkt nicht, hat kein Übergewicht. Es gibt keine erbliche Vorbelastung, und sie treibt Sport.

„Ich war topfit“

„Ich war damals topfit“, erzählt sie davon, dass sie sich, außer für Tennis, noch für Radfahrten über locker 50 bis 60 Kilometer und das Laufen über die Distanz von zehn Kilometer begeistert. „Das passt so gut zusammen“, ordnet sie ihre sportlichen Ambitionen ein. Nach einem anstrengenden Tennisturnier nimmt sie das Rad. „Da kann ich dann sitzen und mich bewegen.“ Dann kommen die Laufschuhe in Aktion und bringen ihr die stehende Bewegung. Ihr Sportlerherz lacht bei dieser Schilderung.

Nein, am Krebs war sie nicht schuld. Das sagen ihr Familie, Freunde, die Tennismannschaft und halten ihr ihre Ausdauer, die Zähigkeit, den Kampfgeist vor Augen. Das wirkt. Anke Knoll nimmt den Kampf auf, der kein leichter wird. Die Tage vor der ersten Chemotherapie füllt sie aus mit noch mehr Sport.

„Ich habe mein Pensum verdoppelt, wollte nur noch müde werden, um schlafen zu können!“ Außerdem fährt sie noch einmal mit der Rheinland-Pfalz-Tennisauswahl zum Turnier nach Hannover. Dann kommt die Chemo. Alle drei Wochen. Das haut sie regelmäßig von den Füßen. „Ich lag auf dem Sofa, unfähig, was zu tun.“ Und doch kreisen die Gedanken um den Sport. „Mein Ziel war es, innerhalb der drei Wochen zwischen zwei Chemos wieder die zehn Kilometer laufen zu können.“ Sie wollte Herr der Lage sein und das Spiel nicht der Krankheit überlassen. Dass es mühsam war und mit Joggen meist nicht viel zu tun hatte, verschweigt sie dabei nicht. Aber sie knackte immer das selbst gesetzte Ziel.

Im Februar 2019 folgte die Operation. Mittlerweile rückte die Tennisrunde immer näher. Sie wäre so gerne dabei gewesen, Teil der Mannschaft, einfach wieder auf dem Platz. Nur, sie war weit davon entfernt, fit zu sein.

Zurück in der Tenniswelt

„Die Mannschaft hat mich unterstützt, mir gesagt, ich kann jederzeit aussteigen, wenn ich beginne.“ Sie ist eingestiegen, war wieder Teil ihrer so geliebten Tenniswelt. „Es war so befreiend, so beglückend, wieder da zu sein.“ Ihre Augen leuchten auch jetzt noch, Monate später.

Was machte es da schon, dass sie nicht das Spiel zeigen konnte, das ihr eigen war. Drei ihrer Einsätze kann sie dennoch gewinnen und damit der Mannschaft auf Tabellenplatz drei verhelfen. „Wenn die Nummer eins nicht spielt, müssen alle anderen eins hochrutschen und haben es dann schwerer“, verdeutlicht Knoll, die Nummer eins, wie sehr ihr Tennis und die Mannschaft am Herzen liegen. Dass sie in der Zeit, in der die Tennisrunde lief, immer wieder zur Bestrahlung musste und ihr Schlagarm schmerzlichen Bewegungen durch offene Hautstellen ausgesetzt war, erwähnt sie nebenbei.

An Weihnachten in Reha

Sie hat dem Krebs jeden noch so gemeinen Matchball abgenommen und ihn erst einmal besiegt. Tennis, Laufen und das Radfahren waren ihre Verbündeten in diesem Kampf. Noch vor Weihnachten geht es für sie erst einmal in Reha. „Vielleicht finden die dort einen Weg gegen die Folgen der ganzen Medikamente“, erzählt sie von plötzlichen Problemen in der Achillessehne und einer aufkommenden Arthrose in der Schlaghand. Danach sehnt sie sich auf Wiedereingliederung in den Schuldienst.

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