Handball Lust auf Handball bei Zweibrücker Oberliga-Damen ungebrochen

SV 64-Trainer Rüdiger Lydorf (Mitte) erklärt seinem Team in der Auszeit, was er auf dem Spielfeld sehen will.
SV 64-Trainer Rüdiger Lydorf (Mitte) erklärt seinem Team in der Auszeit, was er auf dem Spielfeld sehen will.

Saisonbilanz: Die Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken schlossen die abgebrochene Runde auf Platz drei ab. Trainer Rüdiger Lydorf, der den Einbau des vereinseigenen Nachwuchses weiter vorantreibt, war zufrieden damit. Wir verraten Ihnen, warum der SV 64 doch nicht kurzfristig in Liga drei landete und wer leistungsmäßig explodierte.

Aktuell laufen sie wieder. In zwei Trainingsgruppen, unter Corona-Regeln. Mal am Montag, mal am Mittwoch. Von sportlicher Normalität sind die Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken in Zeiten der Corona-Pandemie zwar noch weit entfernt. „Aber die Mädels sind richtig motiviert“, freut sich Trainer Rüdiger Lydorf, dass sein Team ungebrochene Lust auf Handball hat.

Genauer gesagt, Lust auf die Grundlagen fürs Handballspielen: Laufen, Kraft- und Athletiktraining. Denn richtig Handballspielen ist momentan ja noch nicht möglich, auch wenn Training in der Halle mit Zweikämpfen und bis zu zehn Personen inzwischen wieder erlaubt ist. Aber Lydorf und sein Team machen ohnehin noch Pause bis Mitte Juli. Bis dahin erledigen die Spielerinnen kleinere „Hausaufgaben“, dann startet die Vorbereitung auf die neue Spielzeit.

Absage des Pokalfinales schmerzt noch

Am 7. März endete für die Zweibrückerinnen die Runde. Mit etwas, was sie in der abgelaufenen, abgebrochenen Saison nicht oft hinnehmen mussten: einer Niederlage bei der SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam. Erklärbar, denn die SV-Damen waren verletzungsbedingt stark ersatzgeschwächt angetreten. „Und es hätte für die nächsten Spiele personell nicht besser ausgesehen“, erinnert sich Lydorf. So gesehen „kam uns der Saisonabbruch gar nicht ungelegen“, meint er mit Galgenhumor.

Aber klar, seine Truppe und er hätten die Runde gerne zu Ende gespielt. Vor allem die Absage des Saar-Pokal-Finales schmerzte. „Natürlich weiß niemand, ob wir gewonnen hätten. Aber die Chancen standen sehr gut“, bedauert Lydorf die allerdings für alle verständliche Absage.

Für SV-Neuzugang Lucy Dzyaloszinski kam der Abbruch dagegen zum richtigen Zeitpunkt: Sie hatte sich im Februar eine schwere Handverletzung zugezogen. Operation unumgänglich, lautete die Diagnose. „Sie ist mittlerweile operiert und auf dem Weg der Besserung“, freut sich Lydorf.

Nächste Runde mit den Pfälzer Klubs in einer Staffel

Zur Genesung hat sie nun etwas mehr Zeit. Denn nach aktuellen Planungen startet die RPS-Oberliga-Saison Anfang Oktober – in verkürzter Form mit zwei Gruppen. In einer Staffel messen sich die Teams aus Rheinhessen und dem Rheinland. In der saarländisch-pfälzischen Neuner-Gruppe ist der SV 64 einsortiert. Gegner sind hier die HSG TVA/ATSV Saarbrücken, der HSV Püttlingen, die VTV Mundenheim, die TSG Friesenheim, die TG Waldsee, der TV Wörth, der TSV Kandel und die SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam. „Macht gerade mal acht Heimspiele“, bedauert Lydorf. Sofern nicht die Play-offs erreicht werden, die Aufstiegsspiele zur Dritten Liga bedeuten. „Vorausgesetzt, es kann zu diesem Zeitpunkt überhaupt mit dem Spielen begonnen und die Saison zu Ende gespielt werden“, sieht Lydorf allerdings immer noch mehr Fragezeichen als Antworten in Sachen Spielbetrieb.

Wie kurios die Situation ist, zeigte sich nach Abbruch der RPS-Oberliga-Saison, der Drittliga-Runde und den dazugehörigen Wertungen. Denn durch Veränderungen im Drittliga-Bereich mussten Nachrücker gemeldet werden, die bereit gewesen wären, in der Dritten Liga zu spielen. Für den Fall, dass dort viele Mannschaften passen. Der SV 64 erklärte sich bereit, stand damit auf der Nachrückerliste. „Wenn sich sportlich diese Chance eröffnet, will man sie auch nutzen. Auch wenn man weiß, dass es sehr, sehr schwierig wird. Aber man nimmt bei so etwas immer sehr viel Erfahrung mit“, sagt Lydorf. Es gab ein Ranking, der SV rückte schließlich aber doch nicht nach.

Testspiele stehen noch in den Sternen

So laufen jetzt die Planungen für eine erneute Oberliga-Runde. „Und die Vorbereitung darauf ist nicht einfach“, weiß der Trainer. Dabei geht es weniger um das Training in einer in der Regel sechswöchigen Vorbereitungszeit. „Die kann man vom Saisonstart aus zurückrechnend beginnen“, erläutert Lydorf. Schwierig sei es aber, Vorbereitungsspiele zu planen: keine Hallen, kaum Gegner. Mit Meister Wittlich sei ein Testspiel vereinbart. „Aber wenn es läuft wie geplant, startet die Dritte Liga Anfang September. Wann sollen wir denn dann gegen Wittlich spielen?“, fragt sich Lydorf.

Corona sorgt für Verwerfungen in der Hallensportart, die von den Emotionen lebt, die Mannschaften zu Siegen tragen können. Wie die Zweibrückerinnen in der vergangenen Runde, nach einem personellen Umbruch. Zwei Last-Minute-Neuzugänge, neben Dzialoszynski Torfrau Anezka Zuzankova, hatten daran Anteil. Wie überhaupt die Neuzugänge, unter anderem Laura Zägel und die Aufrückerinnen aus dem Jugendbereich, „wirklich gut gepasst haben. In jeder Hinsicht“, findet Lydorf. Ein Geheimnis des Erfolges.

Künftig die doppelte Annalena

Dazu explodierte Annalena Frank leistungsmäßig. Ein Top-Spiel in der Vorbereitung gegen Wittlich und dann zum Saisonstart der Last-Minute-Siegtreffer gegen Titelkandidat Kandel. „Das gab Selbstvertrauen“, weiß Lydorf. Das tankte die Mannschaft, die zu Hause einige Handballfeste feierte, vor oft toller Kulisse. „Die Unterstützung durch die Fans war klasse“, freut sich Lydorf. Die Truppe um Spielmacherin Lucie Krein – Krein und Frank gehörten zu den Top-Five-Torschützinnen der Liga – zahlte es mit Leistung zurück. Levke Worm, die sich nach ihrem Lehramtsstudium möglicherweise in der Winterpause verabschiedet, fand Gefallen an der neuen Position am Kreis.

Das SV-Team will an die erfolgreiche Saison anknüpfen. Ohne Zuzankova, die zum vierfachen Schweizer Meister RK Zug gewechselt ist. Gut für den SV im Übrigen, dass im Verein Annalena Frank alle nur „Lotti“ rufen. Denn künftig spielen zwei Annalenas mit: Aus Merchweiler kommt Torfrau Annalena Zahm, und im Rückraum verstärkt Marie Kiefer (aus Marpingen) die Zweibrückerinnen. Ihre Spezialität sind Tore aus der zweiten Reihe. Zudem kehrt Renata Szabó nach ihrer Schwangerschafts- und Mutterschutzpause ins Team zurück. Und natürlich setzt der SV 64 weiter stark auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen wie Kreisläuferin Sarah Lauer.

Saisonbilanz

Nach 20 Spielen: Platz 3, Punkte: 30:10, Tore: 552:495, Quotient (Punkte pro Spiel mal 100): 150; 15 Siege, fünf Niederlagen – höchste Siege: 31:20 in Budenheim und 32:21 gegen Köllertal, höchste Niederlage: 27:39 in Bassenheim – Beste Torschützinnen: Annalena Frank 129, Lucie Krein 113.