Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel LAZ-Speerwerferin Christin Hussong peilt ihren siebten DM-Titel an

Speerwerferin Christin Hussong peilt bei der DM in Braunschweig am Wochenende ihren siebten Titel bei den Erwachsenen an. Weiten
Speerwerferin Christin Hussong peilt bei der DM in Braunschweig am Wochenende ihren siebten Titel bei den Erwachsenen an. Weitentechnisch wartet sie auf einen Ausreißer nach oben.

Die eine möchte ihren nächsten Titel holen, eine andere startet einen Blindflug. Und der dritte Sportler des LAZ Zweibrücken? Fährt gar nicht zur DM.

Neben der eigenen Vorbereitung auf die deutschen Meisterschaften am Wochenende in Braunschweig und Olympia geht es im Hause Hussong in Herschberg dieser Tage viel um einen anderen Sport. „Mein Freund ist ja Fußballer. Da läuft schon den ganzen Tag die EM im Fernseher“, sagt Speerwerferin Christin Hussong lachend. Die 30-Jährige strebt am Sonntag im Braunschweiger Eintracht-Stadion nach 2016, 2018, 2019, 2020, 2021 und 2023 ihren siebten Titel bei den Aktiven an. „Ja, ich hätte schon gerne den nächsten DM-Titel“, unterstreicht die Sportlerin des LAZ Zweibrücken ihr Ziel. Anfang Juni hatte sie bei den Europameisterschaften in Rom mit 61,92 Metern Platz vier belegt.

Mit den fast 62 Metern hatte sie das EM-Podium zwar knapp verpasst, wähnt sich nach zwei harten Jahren mit Verletzungen und Krankheit aber wieder auf einem guten Weg zurück. Nach dem Finale in Rom am 12. Juni hatte sie sechs Tage später beim Boysen-Memorial im norwegischen Oslo noch einen weiteren Wettkampf bestritten, mit 61,47 Metern gewonnen und die EM-Dritte Marie-Therese Obst geschlagen. „Der Termin war im Vorfeld so geplant. Ich habe gemerkt, was geht, wenn der Druck weg ist. Das schwirrt einem ja doch im Kopf rum“, sagte Hussong mit Blick auf die geknackte Bestätigungsnorm (61 Meter) des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für die Olympischen Spiele in Paris (26. Juli bis 11. August). Der Sieg im Bislett-Stadion spornt sie „auf jeden Fall“ an: „Die Weite in Oslo hat gezeigt, dass Rom kein Zufallsprodukt war und ich das wieder abrufen kann“, sagt die Europameisterin von 2018, deren Bestweite seit 2021 bei 69,19 Metern liegt.

Hussong am Sonntag schon früh dran

Mit der Hitze im Training der letzten Tage, die ihr früher so gar nicht lag, kommt sie nach eigener Aussage inzwischen ganz gut zurecht. Allerdings: So warm wird es bei ihrem Wettkampf am Sonntag um 10.30 Uhr noch gar nicht sein. Erst recht nicht, wenn sie sechs Stunden früher aufsteht, um ihren immer gleichen Ablauf am Wettkampftag durchzuziehen. „Schade ist eher, dass dann noch nicht so viele Zuschauer da sind. Ich werfe lieber abends“, gibt sie zu. Hussong will in Braunschweig vor allem ihre jüngsten Würfe über 60 Meter bestätigen. Sie wartet noch auf einen Ausreißer auf 63 oder 64 Meter, „vielleicht kommt der in Paris“. Bis dahin stehen für sie und Papa und Trainer Udo noch viele hochqualitative Trainingswürfe und maximal noch ein, zwei Wettkämpfe auf dem Programm.

Wenn Sprinterin Sina Mayer bereits am Samstag ab 12.35 Uhr zum Vorlauf über 100 Meter antritt, geht sie mit einem Sonderteilnahmerecht an den Start. Denn die aus Schönenberg-Kübelberg stammende Läuferin, die inzwischen in Bexbach lebt und in Saarbrücken bei Mihambo-Trainer Uli Knapp trainiert, hatte in dieser Saison bisher noch so gut wie keine Gelegenheit, die DM-Norm von 11,75 Sekunden zu erfüllen. Weil sie aber seit dem sechsten WM-Platz mit der 4x100-Meter-Staffel zum Olympiakader gehört, hat sie ein Startrecht.

Erst Verletzung, dann Infekt

Die 29-Jährige fährt etwas unsicher nach Braunschweig, weiß leistungsmäßig nicht, wo sie gerade steht. Zunächst hatte sie sich früh in der Hallensaison bei einem Wettkampf im spanischen Pamplona verletzt. Sie riss sich beim Auslaufen zwei Bänder im linken Sprunggelenk, musste wochenlang pausieren. In einem „sehr guten“ Trainingslager Mitte April konnte sie dann zum ersten Mal wieder Spikes anziehen, spürte von Tag zu Tag Fortschritte. Der Fuß machte keine Problem, war voll belastbar.

Sie kehrte mit einem guten Gefühl für die Olympia-Saison zurück – und dann setzte sie ein hartnäckiger Infekt außer Gefecht. Mit Mandelentzündung und Fieber fiel sie dreieinhalb Wochen aus. Wichtige Wettkämpfe in Rehlingen und Leverkusen musste sie absagen. „Danach habe ich quasi wieder bei Null angefangen. Alles, was ich mir hart erarbeitet hatte, war weg. Das war auch mental sehr herausfordernd“, gibt sie zu.

Holzdeppe verpasst DM-Norm

Bei den Pfalzmeisterschaften in Eisenberg, gerade eineinhalb Wochen nach ihrem Wiedereinstieg ins Training, machte sie einen ersten Testlauf. Mit 12,13 Sekunden über 100 Meter war sie da nicht zufrieden. „Ich werde in Braunschweig schon richtig nervös sein, es ist der erste richtige Wettkampf der Saison“, sagt Mayer, die unbedingt auf den Olympia-Zug für die Staffel in Paris aufspringen will. Es wird ein Blindflug mit gemischten Gefühlen.

Gerne wäre Stabhochspringer Raphael Holzdeppe in seiner letzten Profisaison noch mal bei den deutschen Freiluft-Meisterschaften angetreten. „Natürlich“, unterstreicht der 34-jährige Olympia-Dritte von 2012 und Weltmeister von 2013. Doch seine in Prag am 3. Juni gesprungenen 5,20 Meter reichten nicht für die DM-Norm (5,30 Meter) und einen Platz unter den besten 14 Springern. Holzdeppe rechnet auch nicht damit, dass noch drei ausfallen und er nachrutscht. „Ich gucke das dann gemütlich zu Hause am Fernseher“, sagt er. Zwei Termine stehen bisher noch in seinem Wettkampfkalender für dieses Jahr: am 15. August das eigene LAZ-Springen und der Karriereabschluss am 11. September beim Dom-Springen in Aachen.

Sina Mayer kann ihren Leistungsstand derzeit nur schwer einschätzen.
Sina Mayer kann ihren Leistungsstand derzeit nur schwer einschätzen.
Raphael Holzdeppe wäre bei der DM in Braunschweig gerne noch mal gesprungen.
Raphael Holzdeppe wäre bei der DM in Braunschweig gerne noch mal gesprungen.
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