Zweibrücken Lange zu lässig
«ZWEIBRÜCKEN.» Mitte der zweiten Halbzeit hätte am Samstag in der Ignaz-Roth-Halle wohl noch kein Fan des Handball-Oberligisten SV 64 Zweibrücken darauf gewettet, dass die eigene Herren-Mannschaft das Duell gegen den Tabellenfünften SG Saulheim klar mit 28:22 (11:11) für sich entscheiden würde. 20:20 stand es da, kurz zuvor hatte der SV 64 noch mit 14:17 hinten gelegen.
Es wird ein Spiel sein, dass sich über den Willen entscheidet, hatte SV-Trainer Axel Koch schon geahnt, dass spielerisch kein Schönheitspreis zu gewinnen sein wird. Erst Mitte der zweiten Hälfte übertrug sich der Siegeswille des Trainers auf sein Team, das bis dahin sehr lässig agiert hatte. „Wir haben das Spiel so angefangen, als wäre es ein Gegner, den man locker mit 20 Gegentoren aus der Halle werfen kann. Das ist Saulheim bestimmt nicht. Die stehen nicht umsonst auf Platz fünf“, war Koch mit dem Auftreten seines Teams in den ersten 40 Minuten nicht zufrieden. Das hatte mit erheblichen Personalsorgen zu kämpfen. Die Rückraumspieler Till Wöschler und Christopher Huber, die gegen die im Zentrum sehr defensiv stehende SG-Abwehr wichtig gewesen wären, um Druck von hinten zu machen, mussten krank passen. Beim Warmmachen knickte David Oetzel um. Tobias Alt saß nach seinem Treppensturz angeschlagen nur auf der Bank. Sein Kollege auf Rechtsaußen, Philipp Hammann, im Angriff ein Aktivposten, wurde in der 27. Minute, als er von rechts einsprang im Flug vom nachspringenden Saulheimer Christoph Kreisel gefoult, musste bis kurz vor Spielende mit Hüftschmerzen passen. Kreisel sah dafür die Rote Karte. Zu diesem Zeitpunkt saß auch Benny Zellmer nach einem Foul bereits mit Knieproblemen für längere Zeit auf der Bank. Das alles entschuldigte aber nicht die fehlende Einstellung, die unübersehbar war. Die Abwehrspieler verloren reihenweise Eins-gegen-Eins-Duelle, machten nicht die notwendigen Schritte zum Nebenmann. Matthias Konrad und Julius Werber, die zusammen 15 der 22 SG-Treffer markierten, nutzten diese schwache SV-Defensivleistung weidlich aus. Dazu kam, dass nach dem 3:1 durch Hammann auch im Angriff wieder gute Chancen vergeben wurden, der SV 64 in Überzahlsituationen schlecht agierte. Keiner Mannschaft gelang es also, sich abzusetzen. Bis zur 34. Minute. Alt hatte gerade den 14:14-Ausgleich erzielt, als die kopflose SV-Defensive binnen zwei Minuten drei SG-Treffer durch Konrad und Werber zuließ. Eine Zweiminutenstrafe gegen Konrad leitete die Wende ein. Zwar vergab Lukas Majbik den folgenden Strafwurf, aber in dieser Phase erfasste SV-Kapitän Tom Grieser der Siegeswille. Er übernahm Verantwortung, verkürzte auf 16:17 und riss die Nebenleute mit. Grieser traf zum 20:20-Ausgleich, warf den SV mit 21:20 in Führung. Jetzt hatten die Saulheimer, die nur mit kleinem Kader angereist waren, nichts mehr entgegenzusetzen. „Wir hatten nach der Drei-Tore-Führung noch Chancen, uns abzusetzen, haben diese nicht genutzt und leichte Fehler gemacht“, resümierte SG-Trainer Rainer Sommer. So gesehen gehe der SV-Sieg in Ordnung, auch wenn die Höhe nicht dem Spielverlauf entspreche. So spielten sie SV 64 Zweibrücken: Berz, Santarini (ab 54.) - Ihl (2), Majbik (5), Grieser (6/1) - Hammann (3), Zellmer (3/2) - Sema (1) - Schwarzer (1), Nils Wöschler (3), Alt (3), Schaller (1) SG Saulheim: Hedderich, Martin (ab 42.) - Konrad (6), Schmitt (1/1), Walldorf (3) - Werber (9/1), Schlesinger - Schäffer (1) - Beismann (1), Kreisel (1) Spielfilm: 3:1 (4.), 4:7 (15.), 8:8 (22.), 11:11 (Halbzeit), 14:14 (34.), 14:17 (36.), 19:19 (43.), 23:20 (48.), 25:21 (53.), 28:22 (Ende) - Zeitstrafen: 1:3 - Rote Karte: Kreisel (27., grobes Foul) - Siebenmeter: 5/3 - 3/2 - Beste Spieler: ganze Mannschaft - Werber, Konrad - Zuschauer: 250 - Schiedsrichter: Metz/Metz (Offenbach/Queich).