Zweibrücken Lagerfeuerstimmung in der Festhalle
„Stachelschwein“, „Wenn du gehst“ oder „Din Babbe isch vom Dach gesprung“: Am Freitagabend ließ Marcel Adam in der zu drei Vierteln gefüllten Festhalle die Puppen tanzen. Der Sänger überzeugte mit einer großen Bandbreite und Comedy-Einlagen. Aber auch eine Ermahnung vom Künstler gab’s.
Mit solchen Songs bietet der 67-Jährige Unterhaltung in allen Genres der Musik: Von Rock- und Mundartsongs, über Balladen bis zu Comedy – das Repertoire Adams scheint unerschöpflich. „Scheener gudda Daa“, begrüßt er sein Publikum im großen Saal der Festhalle. Ursprünglich war nur der Wintergarten vorgesehen, aber wegen des großen Andrangs findet der Comedy-Liederabend im Hauptsaal der Festhalle statt. „Sinner alle glücklich?“ Der Mundart-Sänger ist es jedenfalls. Mit guter Laune führt Adam durch sein Programm, erzählt vor jedem Song etwas zu Entstehungsgeschichte oder Hintergrund. „’s Onna – das war meine Oma, zu der ich aber ein Verhältnis wie zu einer Mutter hatte“, erzählt er im Plauderton etwas zu dem Song „’s Onna uff de Bank“, während er an seinem Radler nippt. „Ist aber ohne Alkohol“, sagt er und lacht. „Also für Leute, die nicht besoffen werden, aber trotzdem aufs Klo wollen!“ Die Stimmung beim Publikum ist ausgelassen. Und das zurecht – bei Texten wie „Da geh’ ma zu der 10-Uhr-Mess, und scheen pünktlich mittags wird wie immer gess“ muss man einfach mitlachen. Der lebensfrohe Sänger, der mit seinem Sohn und dessen Frau einige Alben gemeinsam aufgenommen hat, steht bereits seit den 1980er Jahren auf der Bühne. Mit seinem Debütalbum „Gonz Elähn“ machte er sich schnell einen Namen. Aber auch traurige Töne und Saiten schlägt Adam an, der jedes Lied mit seiner Gitarre begleitet. Das Cover „Wenn du gehst“ (Udo Lindenberg) regt zum Nachdenken an und stimmt die Zuhörer melancholisch – sozusagen die Abwechslung von der Comedy. Und genau dieses große Repertoire zeichnet den Künstler aus, der auf Deutsch und Französisch singt. Seine eigenen Songs zeichnen sich durch starkes Lachmuskel-Training aus. Etwa, als er bei „Sellemols“ sein Publikum mit einbindet und sie dies im Refrain gemeinsam zum Besten geben sollen – mit eher verhaltenem Erfolg. „Das ist jetzt aber die letzte Probe!“, sagt Adam lachend, als fast keiner das kleine Wörtchen mitsingt. Man könnte den Abend ohne weiteres als Kabarett mit musikalischer Begleitung bezeichnen: Immer wieder gibt er Witziges zum Besten, das er erlebt hat. Musikalisch unterhält er das Publikum ebenfalls: Seine immer wieder eingestreuten Gitarrensoli könnte man schon fast als virtuos bezeichnen. Mit seiner kräftigen Stimme bringt er die witzigen, melancholischen und rockigen Texte gut rüber, und auch zwischen den Songs nimmt er kein Blatt vor den Mund. „Ich würde das persönlich nicht machen: von Anfang bis Ende ein Konzert mitfilmen“, rügt er, halb im Spaß, halb ernst, einige Zuschauer, die genau das tun. „Das bringt den Sänger immer ein bisschen aus dem Konzept – man versucht, alles richtig zu machen, und haut gerade deswegen dann öfters daneben.“ Nach dieser kleinen Ermahnung geht’s weiter mit dem außergewöhnlichen Programm. Fesselnd, witzig, traurig und rockig waren die Songs, und so herrschte passend zu den sommerlichen Temperaturen Lagerfeueratmosphäre in der Festhalle.