Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Kronzeuge packt auf der Anklagebank aus

Um seine Spielsucht zu finanzieren, beteiligte sich der Mann an Drogengeschäften.
Um seine Spielsucht zu finanzieren, beteiligte sich der Mann an Drogengeschäften.

Wie man von Online-Spielsucht ins Drogenmilieu abrutschen kann, zeigt der Prozess gegen einen Kronzeugen am Landgericht Zweibrücken. Für eine mildere Strafe begibt sich der Angeklagte in große Gefahr.

Im Zusammenhang mit den großen Drogenprozessen beim Landgericht Zweibrücken packte am Freitag vor der Großen Strafkammer der Kronzeuge aus. Er soll laut Anklage Mitglied einer Drogenbande sein. Der 38-Jährige war am 24. November 2020 bei einer Großrazzia der Staatsanwaltschaft Zweibrücken und der Polizeidirektion Kaiserslautern im Raum Kaiserslautern, Zweibrücken und dem Saarpfalz-Kreis festgenommen worden – wie elf weitere Männer zwischen 23 und 35 Jahren – wegen bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Handels mit Marihuana, Amphetamin und Kokain.

Bei seiner Festnahme entschied er sich, Freunde, Verbindungsleute und Strippenzieher zu nennen. Der Mann tritt als Kronzeuge auf, belastet sich selbst und weiß, dass er sich in Gefahr begibt. Er ist auf freiem Fuß und befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm. Personenschützer begleiten ihn; so auch im Prozess, wo er seit 5. April als Angeklagter neben seinem Verteidiger Max Kampschulte sitzt.

Schwunghaften Handel verabredet

Neun Männer der Drogenbande, die vorwiegend in Kaiserslautern agierte, waren von der Zweibrücker Kammer zu sieben bis fast zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Kronzeuge sagte, er habe der Bande von 2018 bis zu seiner Festnahme Marihuana und Amphetamin abgenommen und sich mit zwei anderen Männern aus Zweibrücken und dem Saarpfalz-Kreis zum schwunghaften Handel zusammengeschlossen.

Der 38-jährige Westpfälzer, der sich im Saarpfalz-Kreis ansiedelte und als Intensivpfleger in einer Klinik arbeitete, wurde online-pokersüchtig und machte Schulden. „Mir stand das Wasser bis zum Hals“, sagte er am Freitag zu den Richtern. Er habe Kontakt zu einem alten Schulfreund aus seinem Geburtsort bei Kaiserslautern gesucht, von dem er gewusst habe, dass dieser mit Drogen handelt. Man sei sich einig geworden und der 38-Jährige ins Drogengeschäft geraten. Er lernte die Kontaktleute kennen und wurde selbst zum Dealer.

2018 habe er sich mit den beiden Freunden aus Zweibrücken und dem Saarpfalz-Kreis in einer Zweibrücker Szenekneipe getroffen, wo man sich über gemeinsamen Drogenhandel geeinigt habe. „Es lief immer wieder nach dem gleichen Muster. Ich holte ab, gab es dem Zweibrücker, und der gab es weiter. Das Geld lieferte ich in Kaiserslautern ab.“ Das sei die Geburtsstunde einer Bande in Zweibrücken gewesen, die den Raum Saarpfalz mit Drogen belieferte. So, wie es Staatsanwalt Patrick Langendörfer sieht. „Handelt es sich bei dem Zusammenschluss des Trios um eine Drogenbande oder nur einen Selbstläufer?“, fragte sich die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas.

„Kiloweise Gras und Pep“

Der Staatsanwalt legt dem Kronzeugen gewerbsmäßigen unerlaubten Drogenhandel in 37 Fällen zur Last, davon in acht Fällen als Mitglied einer Bande. Der Angeklagte nannte am Freitag den Richtern Drahtzieher und Lieferanten der Kaiserslauterer Drogenbande. In Bunkern in Kaiserslautern hätten kiloweise „Gras und Pep“ zum Abholen bereit gelagert. Er nannte Szenekneipen in Kaiserslautern, in denen die Drogengeschäfte abgewickelt wurden. Marihuana sei für 6000 Euro pro Kilogramm verkauft worden, Amphetamin für 2300 bis 2600 Euro das Kilo und Kokain zu 50 Euro pro Gramm. Laut Staatsanwalt soll der Angeklagte „251.300 Euro Tat-Erträge erlangt“ haben. Seinem Freund aus dem Saarpfalz-Kreis habe er auf dessen Wunsch für eine Rockergruppe drei Kilogramm Marihuana geliefert, die dieser für 18.000 Euro bestellt habe. Dieser Freund handle mit Waffen und Drogen und sei „ein erfolgreicher Geschäftsmann“.

Weil er sein Wissen freiwillig offenbart, dürfte der Angeklagte nach der Kronzeugenregelung mit einer milderen Strafe davonkommen. Nicht ganz so der 24-Jährige neben ihm auf Anlagebank: Der ehemalige Soldat aus Zweibrücken wurde bei der Großrazzia im November 2020 ebenfalls dingfest gemacht. Im Zuge seiner Festnahme hat er sich nach Rücksprache mit seinem Anwalt zum Drogenhandel im Raum Zweibrücken bekannt und ein Geständnis abgelegt.

Der Prozess wird am 2. Mai fortgesetzt.

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