Zweibrücken
Kritik: Stadtwerke unterstützen einseitig Gas-Lobby
„Ausgerechnet Stadtwerke finanzieren die Arbeit des einflussreichen Lobbyverbandes ,Zukunft Gas’.“ Das schreibt das Recherchenetzwerk und kritisiert, dass um die 70 Stadtwerke dadurch „Kampagnen und Werbe-Events der Gas-Industrie unterstützen“. Denn „Zukunft Gas“ gehöre „zu den einflussreichsten Lobbyverbänden der fossilen Industrie“. Der Vorwurf: Dadurch würden ausgerechnet die örtlichen Energieversorger eine Energiewende verhindern oder zumindest ausbremsen.
Gaskonzerne und Stadtwerke in einem Verband
Der Verband „Zukunft Gas“ wird nach eigenen Angaben „von führenden Unternehmen der Gas-Wirtschaft“ getragen. Dazu gehören neben den großen Öl- und Gaskonzernen wie Shell, Gasag, Uniper oder Wintershall zahlreiche Stadtwerke und regionale Energieversorger bundesweit. Die im öffentlichen Auftrag agierenden Unternehmen machen nach Recherchen der gemeinnützigen Rechercheplattform Correctiv mehr als die Hälfte der Verbandsmitglieder aus. Neben den Stadtwerken Zweibrücken sind in der Pfalz auch die kommunalen Werke in Frankenthal, Germersheim, Pirmasens und Worms Mitglied bei „Zukunft Gas“.
An dieser Mitgliedschaft entzündet sich Kritik. Die Stadtwerke müssten im öffentlichen Interesse handeln und seien der nachhaltigen Energieversorgung verpflichtet. Mit der Mitgliedschaft bei Zukunft Gas würden einseitig Gaskonzerne unterstützt. „Die Gasindustrie vermarktet sich mithilfe von PR-Lobbyverbänden wie Zukunft Gas als angeblich wichtigen Teil der Energiewende. Doch das Verbrennen des fossilen Gases ist nicht klimafreundlich“, sagt Nina Katzemich von Lobbycontrol, einer selbst ernannten Initiative für Demokratie und Transparenz.
„Zukunft Gas“ statt „Zukunft Erdgas“
Zukunft Gas will sich als Verband den wachsenden Herausforderungen für die Gaswirtschaft stellen, die die „Komplexität politischer Rahmenbedingungen“ mit sich brächten. „Gleichzeitig bietet die Energiewende große Chancen für das Produkt Erdgas sowie für grünes Gas als klimaschonende und bezahlbare Energieträger“, heißt es von Zukunft Gas. Bis Ende 2020 hieß der Verband noch „Zukunft Erdgas“. Mit dem Namenswechsel sollte eine Imagekorrektur vorgenommen werden: weg vom fossilen Energieträger Erdgas hin zu regenerativen Energien wie Biogas oder Wasserstoff.
„Die Erzählung der vermeintlich sauberen und klimafreundlichen Brückentechnologie ist irreführend“, sagt dagegen Katzemich. Das einzige Ziel des Gasverbands sei, „die Lebensdauer ihres fossilen Brennstoffs und der dazugehörigen Infrastruktur noch bis weit in die Zukunft zu verlängern“.
Teure Infrastruktur
Die Sorge um die Infrastruktur sei auch wesentlicher Antrieb vieler Stadtwerke für die Mitgliedschaft bei Zukunft Gas, sagt Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Naturschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe gegenüber Correctiv. „Viele Stadtwerke haben in der Vergangenheit auf Gas gesetzt und ihr Kapital in die Verteilnetze investiert. Die werden jetzt einen Teufel tun, da auszusteigen. Denn die Netze sind ordentlich was wert.“ Sie hofften darauf, dass „Zukunft Gas“ eines seiner selbst gesteckten Ziele erreiche, nämlich, dass irgendwann mal regenerative Gase wie Wasserstoff durch die Gasleitungen fließe. Ob dies aber tatsächlich mal Realität wird, werde vielfach bezweifelt. „Zukunft Gas“ setzt derweil auch auf die Produktion von Wasserstoff, der mit Erdgas erzeugt wird.
Ein weiteres Zeichen für die enge Verbindung zum Gas seien auch fehlende andere Mitgliedschaften. Auch auf Anfrage machten die Stadtwerke Zweibrücken keine Angaben zu weiteren Verbänden, in denen die Stadtwerke Mitglied sind. Ein Verband, der sich explizit um regenerative Energien kümmert, dürfte aber nicht dazu gehören. Bundesweit sind nur die Stadtwerke Rosenheim und Wuppertal beispielsweise Mitglieder des Bundesverbands der Erneuerbaren Energien.
Keine Angaben zu Beitragshöhe
Auf die Fragen der RHEINPFALZ gehen die Stadtwerke nicht direkt ein. In einer Antwort, die zuvor schon ein anderer Energieversorger wortgleich verwendet hat, weisen sie die Kritik zurück: Die Mitgliedschaft im Verband „Zukunft Gas“ nutze dem Austausch mit anderen Akteuren der Branche „innerhalb eines Netzwerks aus Energiewirtschaft, Marktpartnern und Politik, um gemeinsame Interessen zu fördern“. Und weiter: „Wir bringen als Gemeinschaft die Transformation des Energiesystems hin zur Klimaneutralität beispielsweise mit grünen Gasen wie Biogas oder Wasserstoff voran.“
Die Frage, wie viel Mitgliedsbeitrag sie zahlen, ließen die Stadtwerke Zweibrücken auf Anfrage der RHEINPFALZ mit dem Hinweis auf Geschäftsgeheimnisse unbeantwortet. Nach Correctiv-Recherchen zahlen andere Stadtwerke für die Mitgliedschaft Beiträge im niedrigen vierstelligen Euro-Bereich – wobei auch hier nur sehr wenige Energieversorger überhaupt Auskunft gaben. Correctiv, das auch in Zweibrücken angefragt hatte, erwähnt die Zweibrücker Stadtwerke sogar namentlich und hat offenbar die gleiche Antwort bekommen wie die RHEINPFALZ: „Sowohl die Stadtwerke Haßfurt als auch Zweibrücken begründen in langen Absätzen, warum sie keine Auskunft geben – im exakt gleichen Wortlaut. Ohnehin seien Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse betroffen, ihre eigenen und auch die von Zukunft Gas. “