Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Kriegswaffen haben auf einem Weihnachtsmarkt nichts zu suchen

Die Bundeswehr wollte den Stand, wo sie Erbsensuppe verkauft, „militärisch einrahmen“.
Die Bundeswehr wollte den Stand, wo sie Erbsensuppe verkauft, »militärisch einrahmen«.

Die „bewaffneten Weihnachtsmänner“ waren keine gute Idee. Es ist aber richtig, dass sich die Bundeswehr in Zweibrücken zeigt. Ihr Kommandeur hat vorbildlich reagiert.

Was für ein Aufreger: Vor einer Woche meldeten sich besorgte Anrufer bei der Polizei und meldeten „bewaffnete Weihnachtsmänner“ auf dem Zweibrücker Weihnachtsmarkt. Wie sich herausstellte, waren es zwei Fallschirmjäger mit persönlicher Ausrüstung samt Waffen. Um den Stand, wo die Bundeswehr Erbsensuppe verkauft, „militärisch einzurahmen“, wie Oberstleutnant Martin Holle, Oktober Kommandeur des Fallschirmjägerregiments, danach mitteilte. Um die Zweibrücker auf die Aufgabe der Soldaten aufmerksam zu machen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

„Friede auf Erden“, singen die Engel im Lukasevangelium

Das muss man sich mal vorstellen: Die Bundeswehr schickt bewaffnete Soldaten auf einen Weihnachtsmarkt – wenn auch größtenteils ohne Munition und nicht schussbereit. Dass die Bundeswehr unsere Freiheit verteidigt; dass sie dafür gut ausgerüstet sein muss; dass sie um guten und motivierten Nachwuchs werben muss; dass sie sich den Bürgern präsentieren sollte und es sogar richtig und wichtig ist, dass sie die Öffentlichkeit sucht – all das steht außer Frage. Aber dann doch bitte wie im Sommer beim wahnsinnig gut besuchten Tag der offenen Tür in der Kaserne. Von mir aus auch auf Veranstaltungen wie dem Rheinland-Pfalz-Tag. Aber doch nicht auf einem Weihnachtsmarkt. „Friede auf Erden“, singen die Engel im Lukasevangelium. Selbst ein Oberst a. D., der sich hinter die Soldaten stellt, schrieb mir diese Woche: „Ob es zweckmäßig, beziehungsweise geschickt ist/war, Soldaten in ,Weihnachtsmannunform’ mit Waffen auf einen Weihnachtsmarkt zu schicken, lasse ich mal dahingestellt.“

Gut möglich, dass das Ganze zwar keine besonders gute Idee war, aber trotzdem erlaubt, weil die Soldaten im Dienst waren. Ob überhaupt ein Vergehen vorliegt, prüfen nun Polizei und Bundeswehr. Nicht rechtens ist aber das, was einige Leser schlussfolgerten: dass es doch toll ist, wenn bewaffnete Soldaten den Weihnachtsmarkt absichern. Das verschaffe schließlich ein Gefühl der Sicherheit, und in Frankreich sei das auch so. Das mag in Frankreich so sein, aber in Deutschland gelten andere Gesetze. Die Bundeswehr ist hier nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das ist Aufgabe der Polizei. Mit dem gleichen Argument – Sicherheit – könnte man auch fordern, dass die Jäger an ihrem Stand ihre Jagdwaffen mitbringen – was erst recht nicht gestattet ist.

Die Soldaten gehören nun mal zu Zweibrücken

Vorbildlich war die Reaktion des neuen Kommandeurs: Auf unsere Nachfrage begründete er die Aktion ausführlich, ohne Ausflüchte und ohne etwas zu beschönigen, stellte sich aber gleichzeitig vor seine Soldaten und stand zu der Absicht, die dahinter steckte. Er kündigte zudem an, dass er am Samstagnachmittag selbst vor Ort sein wird, um mit den Zweibrückern zu sprechen. Das ist nicht selbstverständlich.

Zu guter Letzt: Dass die Bundeswehr überhaupt beim Weihnachtsmarkt mitmacht, ist eine gute Sache. Zweibrücken hat eine lange Geschichte als Garnisonsstadt. Die Franzosen, die Kanadier, vor allem die US-Amerikaner – sie haben die Stadt geprägt. Und obwohl die Bundeswehr seit dem Ende des Kalten Krieges ihre Truppenstärke und die Anzahl ihrer Standorte drastisch reduziert hat, blieb die Niederauerbach-Kaserne bestehen. Man mag zur Bundeswehr stehen, wie man will: Die Soldaten gehören nun mal zu Zweibrücken. Es ist gut, dass sie wieder mehr am Leben in der Stadt teilnehmen und sich nicht hinter den dicken Kasernenmauern verstecken.

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