Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Kranbauer Tadano ist vorerst gerettet

Die Gläubigerversammlung in der Zweibrücker Festhalle hat begonnen.
Die Gläubigerversammlung in der Zweibrücker Festhalle hat begonnen.

Indem sie auf viele Millionen Euro verzichten, ermöglichen die Gläubiger dem Kranbauer Tadano Demag und dem Schwesterunternehmen Tadano Faun eine neue Zukunft. Die Sanierung und Zusammenarbeit der Unternehmen soll jetzt richtig anlaufen.

Die Gläubiger haben den Sanierungsplänen für Tadano Demag und Tadano Faun (Lauf an der Pegnitz) am Donnerstag zugestimmt. Das teilte Tadano Demag am Abend mit. Damit kann der Betrieb bei Zweibrückens größtem Arbeitgeber weitergehen. Die Zustimmung der Gläubiger sei im Fall Tadano Demag mit 99 Prozent fast einstimmig ausgefallen, so das Unternehmen. Beide Maschinenbauer wollen nun voll in die Sanierung einsteigen.

„Mit der Zustimmung der Gläubiger haben wir nun ein klares Mandat und die Aufgabe, die zum Teil bereits eingeleiteten operativen Restrukturierungsmaßnahmen und die Neuausrichtung der Unternehmen weiter konsequent umzusetzen“, teilte Jens Ennen mit, der Geschäftsführer von Tadano Demag und Tadano Faun. Das Schutzschirmverfahren, in das beide Unternehmen im Oktober eingetreten waren, ist mit der Zustimmung abgeschlossen und werde noch im ersten Quartal verlassen.

Amerikaner Grund für Notlage?

Im Umfeld der Versammlung nannten informierte Quellen unglückliche Entscheidungen der früheren Führung von Terex als Grund für die wirtschaftliche Schieflage. Bevor das Unternehmen im Mai 2019 von Tadano (Japan) gekauft wurde, gehörte es zur amerikanischen Terex Corporation. Zu deren folgenschweren Entscheidungen hätten sich die in der Corona-Pandemie gesunkenen Ölpreise addiert. Diese hätten wiederum teure Techniken zur Ölgewinnung wie das Fracking unrentabel gemacht, woraufhin weniger Kräne gebraucht worden seien.

Tadano schätzt den aufgelaufenen Verlust in 2020 auf 57 Millionen Euro, bis 2023 wird mit weiteren 45 Millionen Euro Verlust gerechnet. Mit den Sanierungsplänen will Tadano die Unternehmen in Zweibrücken und Lauf wieder auf Vordermann bringen. Ein wesentlicher Faktor seien die Personalkosten gewesen, war aus dem Umfeld der Versammlung zu hören. Diese hat Tadano verringert, indem das Unternehmen in Zweibrücken im Januar 400 von rund 1600 Mitarbeitern kündigte – darunter auch Menschen, die über 30 Jahre zum Unternehmen gehörten. Einen solchen radikalen Schnitt gab es selbst bei den viel kritisierten Amerikanern von Terex nie. Im Werk in Lauf wurden 114 Mitarbeiter entlassen.

Rund 1200 Gläubiger

Wie die RHEINPFALZ aus zuverlässiger Quelle erfuhr, hatten etwa 1200 Gläubiger Forderungen bei den Unternehmen offen. Tadano Demag schätzte die Forderungen wie berichtet auf etwa 128 Millionen Euro. Demgegenüber stehen rund 13,7 Millionen Euro, die Demag den Gläubigern anbieten könne. Nach Informationen der RHEINPFALZ ließen sich die meisten Gläubiger am Donnerstag durch Bevollmächtigte in Gruppen vertreten, vereinzelt seien auch Gläubiger persönlich erschienen. Auf die gruppenweise Vertretung hatte das Amtsgericht, das das Verfahren durchführte, im Vorfeld mit Blick auf die Corona-Maßnahmen hingewirkt. Den Vorsitz führte Insolvenzrichter Christian Orth.

Zum Hygienekonzept gehörten am Donnerstag auch eigene Tische, Masken und Trennwände für die Teilnehmer, die sich über den gesamten Saal, das Foyer und andere Plätze verteilten. Für die Dauer der Versammlung galt die Festhalle als Gerichtsgebäude. Rechtspfleger, Wachtmeister und Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Amtsgerichtes registrierten die Gläubiger und die Höhe ihrer Forderungen. Beides war wichtig für die Abstimmung. Denn für eine Zustimmung mussten zwei Bedingungen erfüllt werden: Zum einen musste eine Mehrheit der Gläubiger zustimmen – bei rund 1200 also mindestens 601. Gleichzeitig musste diese Mehrheit auch eine Mehrheit der Forderungen repräsentieren – also mehr als rund 64 Millionen Euro.

Künftig wollen beide Unternehmen eng zusammenarbeiten. Den Unterbau für die Mobilkrane soll Faun herstellen, Oberbau mit Ausleger, Endmontage und Auslieferung erfolgen in und von Zweibrücken aus. Auf doppelte Strukturen und doppelte Modelle wollen die Kranbauer künftig ebenfalls verzichten.

x