Zweibrücken
Konzert mit Aussicht auf Apfelkuchen
Am zauberhaften Spätsommersonntagnachmittag haben es sich die Besucher in kleinen Gruppen unter Beachtung der Abstandsregeln auf dem Rasen vor der Bühne im Zweibrücker Rosengarten gemütlich gemacht, viele dösten auch auf Liegestühlen in der Sonne. Und lauschen einem Trio aus dem Saarland.
Vom Leben und von der Liebe und natürlich auch von Beziehungskisten handeln ihre Songs. Meist sind sie etwas nachdenklich und versonnen. In Oleta Adams Song „Get here“ singt Joe Smoke mit seiner weichen, klaren Stimme von Trennung und Sehnsucht, begleitet von ruhigen, leise perlenden Gitarrenakkorden. Dann blüht seine Stimme auf, immer wieder appelliert er: „You Can Reach Me“ mit allen Möglichkeiten – Auto, Zug, Flugzeug – aus der Wüste heraus, wenn nur der Wille dazu da ist. Die eindringliche, emotionale Interpretation ging den Zuhörern so unter die Haut, dass sie mit spontanem Applaus in den letzten Refrain einfielen.
„Und jetzt gibt es ein Rätsel: Wer den nächsten Song kennt, der gewinnt etwas. Ruft die Lösung rein“, fordert Michael Marx zum Mitmachen auf. Prompt erkannte eine Besucher den Hit „In My Room“ von den Beach Boys von 1964. „Du hast etwas gewonnen, ein Mittagessen bei Hubert“, sagt Marx schmunzelnd zur Siegerin. „Der kocht richtig gut, vielleicht kriegst du als Nachtisch sogar einen wunderbaren Apfelkuchen!“
Unbegleitet, im Stil einer Boy Group, stimmen die drei Musiker den Temptations-Hit „The Way You Do the Things You Do“, einen Soul-Titel von 1964. Dieser rhythmische Sprechgesang zeichnet sich durch seine perfekte Einstimmigkeit ebenso aus wie durch die nahezu beiläufige Eindringlichkeit. Immer wieder fielen die Zuhörer mit spontanem Klatschen in diesen packenden Vortrag ein.
Abschied und Sterben waren die Themen von Sam Smiths Song „Lay Me Down“ von 2012. Melancholisch träumt eine Gitarrenweise vor sich hin. Fast entrückt und doch beschwörend klingt die helle Stimme von Joe Smoke. Nach und nach fallen seinebeiden Kollegen in den Song ein. Ihren Wunsch „I want to feel my spirit liftet up one day“ kommentierten die Besucher mit spontanem Applaus.
Auch mit aktuellen Themen beschäftigten sich die drei Musiker, die ihr Trio SMS nennen: nach den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen und in Anlehnung an das Vorgängertrio MRT (Marx, Rootschilt, Tillerman) , bei dem Marx und Schreiner sangen. „In diesem Song geht es um Radikalismus“, erzählt Marx, der das Lied geschrieben hat. „Das ist scheiße, egal ob es sich um Radikalismus von rechts oder von links handelt, weil Radikalismus immer etwas mit Gewalt zu tun hat. Den von rechts hat man früher sofort erkannt, an den Springerstiefeln. Heute erkennt man die nicht mehr, die sitzen sogar im Parlament mit ihren feinen Anzügen.“
Sein ruhiger Sprechgesang wir lebendiger: „To fight against democracy – that's all they know“ bringt er das Bestreben Rechtsradikaler auf den Punkt und appelliert an alle, solchen Entwicklungen nicht durch Zusehen und Schweigen zu dulden und Unschuldige zu verteidigen. Er betonte, dass wir später Rechenschaft für unser Verhalten jetzt ablegen müssten: „Did we fall or did we stand?“
Mit fesselnden Zugaben – Graham Nashs „Simple Man“ und „Find the Cost of Freedom“ von Stephen Stills – verabschiedeten sich die Musiker.