Zweibrücken „Konversion, was is dann das?

„Ware do ned emol Amis dringeween? Un schbäder aa mol Soldate vum Bund?“ Die Frage galt einem früheren Militärgelände, Wohnblock und Tanklager an der Zufahrtsstraße zum Niederauerbacher Naturfreundehaus. Ein Schandfleck, der uns jedes Mal, wenn der bequemere Heimweg von der Mülldeponie benutzt wird, stets an die vor einem Vierteljahrhundert begonnene Konversion erinnert. Liegenschaften, die gerade von den Militärs freigemacht und zurückgegeben worden waren, sollten einer zivilen Nutzung zugeführt werden. „Jedzd misse ma gugge, dass ma wass Guudes draus mache“, hatte der damalige Oberbürgermeister Werner von Blon die Lage beurteilt. Natürlich hatte er zunächst beklagt, dass durch den Abzug der Amerikaner zivile Arbeitsplätze in der Region verloren gingen, Kaufkraft natürlich auch. Erst wenn der letzte Amerikaner Europa verlassen habe, werde auf dem Kreuzberg das Licht ausgehen, hatte Jugendfreund Jochen Herbst, „der dord geschaffd hadd“, einmal gesagt. Nein, es wurde alles ganz anders. „Wass werd dann aussem Fluchpladz un aussem Kreizberch?“, hieß es immer häufiger. Im Arbeitsamt an der Kaiserstraße gaben sich die Fernsehteams ein Stelldichein, und der damalige Chef Gerhard Kambach schaffte es, optimistisch in die Zweibrücker Zukunft zu blicken. Nicht alle Pläne, die damals auf den Tischen lagen, wurden umgesetzt. Manche davon verschwanden auch wieder. Wer heute nun auf dem Kreuzberg flaniert, die modernen Bauten sieht und die vielen jungen Menschen, der muss doch eigentlich begeistert sein, was dort aus kleinsten Anfängen entstanden ist: eine moderne Hochschule, die für Zweibrücken wirbt. Es wissen nur noch wenige, dass der damalige Rektor, Kurt Neumeier, bis in die Nacht mithalf, damit am nächsten Tag die Festfeier zur Gründung stattfinden konnte − in der späteren Reinhard-Selten-Aula, die nach einem Besuch des Wirtschafts-Nobelpreisträgers nach ihm benannt wurde. In dieser Aula wurde auch ein weiteres Konversionsprojekt heftig diskutiert: der Bau eines neuen Factory Outlets auf dem früheren Tanklager-Gelände vor dem nun freien Flughafen. Auf dem Kreuzberg ist inzwischen auch ein schmuckes Wohngebiet entstanden, und eine ganze Reihe moderner Unternehmen ist dort angesiedelt. Manchmal wünscht man sich, dass es für die Hochschule dort oben mehr öffentliches Interesse in der Stadt gäbe. Für das Outlet wird inzwischen auf Postkarten mit „Deutschlands größte Shopping-Mall“ geworben. Bis mit der Weißen Kaserne an der Oselbach- und 22er Straße für uns geworben werden kann, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Während auf dem Gelände gegenüber, der ehemaligen Roten Kaserne, der moderne Betrieb des UBZ weiter wächst, erinnert man sich daran, dass nach dem Krieg die großen Säle der Kaserne mit Teppichen abgeteilt waren, um dort Flüchtlinge in den Bauten unterzubringen. Später, nach dem Abzug der Franzosen, gab es bereits eine erste Konversion. Vielleicht wird es möglich sein, das Gelände der Weißen Kaserne kleinteilig zu nutzen und von großen Plänen etwas Abstand zu nehmen. Die alte Reithalle, in der es eine interessante Kunstausstellung des Bildhauers Gérard Koch gab, wird immer wieder angesprochen. Zumal sie in einem reizvollen Ensemble alter Militärbauten steht. In einer Soldatenstadt wie Zweibrücken bietet die Konversion noch heute neue Möglichkeiten.