Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Kleinsteinhausener Abwehrspieler wird zum Lebensretter

Hat einen genetischen Zwilling in Kanada: Kleinsteinhausens Abwehrspieler Marc Dulisch.
Hat einen genetischen Zwilling in Kanada: Kleinsteinhausens Abwehrspieler Marc Dulisch.

Zweitliga-Profi Marcel Franke vom Karlsruher SC hat auf ein Fußballspiel verzichtet, um mit einer Stammzellenspende ein Leben zu retten. Marc Dulisch vom FC Kleinsteinhausen hat dies im August getan und erzählt von diesem Einschnitt, der das Leben verändert.

Marc Dulisch ist ein unaufgeregter, ruhiger Mann, der mit beiden Beinen fest im Leben steht. Er ist verheiratet, hat zwei Hunde, hat in Walshausen ein Haus gebaut. Er geht einem Beruf nach und spielt seit 28 Jahren Fußball. Seit Sommer 2014 verstärkt er die Abwehrreihe des FC Kleinsteinhausen, obwohl er in Contwig groß geworden ist und lange Jahre bei der Palatia kickte. Nach Kleinsteinhausen hat ihn sein Trainer Andreas Schwab gelotst, der selbst beim FCK anheuerte. Schwab ist mittlerweile weitergezogen, Dulisch blieb – wegen der Kameradschaft.

Dulisch wirkt sehr reflektiert und trägt ein großes Herz in sich. Als einer seiner Mitspieler im Mannschaftskreis erzählte, dass sein Neugeborener Sohn eine seltene Blutkrankheit habe, da hat das den selbst kinderlosen Dulisch ergriffen. Seitdem geht er regelmäßig zur Blutspende. Als im Sommer die Frau eines weiteren Sportkameraden angab, ihre Mutter bräuchte dringend einen passenden Stammzellenspender, war Dulisch sofort bereit, sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen – wie der komplette Verein damals.

Keine Sekunde gezögert

„Das macht man halt so. Es tut nicht weh und es geht um ein Menschenleben, da hält man zusammen und das schweißt auch zusammen“, nennt er den eigentlich lapidaren und selbstverständlichen Beweggrund für die Typisierung. Darum habe der Hobbykicker auch keine Sekunde gezögert und sofort zugesagt, den nächsten Schritt zu machen, als im Frühjahr der Anruf aus der DKMS-Zentrale kam, er würde als Stammzellenspender in Frage kommen – nicht für die Schwiegermutter des Mannschaftskameraden, sondern für „Patient X“.

Der 34-jährige Dulisch musste nur wenige bis keine Unannehmlichkeiten auf sich nehmen, um zum Lebensretter zu werden und somit jemandem die Chance auf ein zweites Leben zu geben. Zuerst musste eine aktuelle Blutprobe gemacht werden, um hundertprozentig sicher zu sein. Nach der genauen Blutanalyse stand fest, Dulischs Werte passen auf einen anonymen Empfänger.

Der Verantwortung bewusst

Die DKMS schlug ihm Termine vor, sowie eine Auswahl an möglichen Kliniken, die für die Durchführung in Betracht kommen. In seinem Fall waren es Stuttgart oder Frankfurt. Warum die nahe gelegene Uniklinik in Homburg nicht infrage kam, hat Dulisch erst einmal nicht genauer interessiert. „Ich habe mich nach der DKMS gerichtet, wie es für den Erkrankten am besten ist.“ Sein Arbeitgeber stand genauso wie der Verein und seine Familie die ganze Zeit voll hinter ihm. Letztlich fiel die Entscheidung auf Frankfurt. Kosten sind für den Abwehrspieler des kleinen FCK nicht entstanden. „Die Reisegebühren, der Klinikaufenthalt und zwei Tage Hotelzimmer werden von der Organisation komplett übernommen, sogar der Lohnausfall wird ausgeglichen, alles verläuft unproblematisch.“

Genauso wie die Spritzen-Kur, der er sich eine Woche lang bis zum Tag X in Frankfurt hat selbst unterziehen müssen. „Wir hatten mehr Spritzen im Kühlschrank gelagert als normales Essen“, gibt er mit einem Augenzwinkern Auskunft. Täglich zwei Bauchspritzen am Morgen und am Abend, um das Stammzellenhormon anzuregen. Eine Woche vor und zwei Wochen nach dem Abgabetag gilt Sportverbot, da Organe wie Milz und Leber anschwellen. „Ich habe mich zusätzlich die letzten 14 Tage isoliert, Feste und Menschenansammlungen vermieden, überall eine Maske getragen, denn ich wusste ja, da wird gerade ein Mensch für den Zellenaustausch vorbereitet und der setzt auf mich. Diese Hoffnung wollte ich ihm nicht durch eine eigene Erkrankung nehmen. Dieser Verantwortung ihm gegenüber war ich mir bewusst“, teilt er mit.

Personenschutz im Flieger

Es ist der 8. August 2022 und eigentlich Kerwe-Montag in Kleinsteinhausen, das Sonntagsspiel seiner Mannschaft hat der Industriemechaniker verpasst. Aber das macht ihm nichts aus. In der Klinik werden Fragebögen ausgefüllt, alle Organe durchleuchtet, letzte Blutwerte geprüft und ein EKG gemacht. Dann geht es auch schon los. In 90 Prozent der Fälle wird die Spende übrigens nicht mehr operativ über das Knochenmark entnommen, sondern ambulant über die Armvene, ähnlich wie bei der Blutspende.

„Im Prinzip wird das Blut auf der einen Seite abgezapft, die Stammzellen entzogen und auf der anderen Seite bekommst du es wieder zugeführt, bis ein bestimmter Wert erreicht ist, bei mir hat es drei Stunden gedauert“, erklärt der gebürtige Contwiger. Nach einem weiteren Tag im Hotel und einer Nachbesprechung ging es wieder heim. Bei dem Gespräch hat sich aufgeklärt, warum ich in Frankfurt gespendet habe. „Der Patient lebt in Kanada und die Spende wurde mit Personenschutz direkt per Flieger zu ihm gebracht“, hat Dulisch in Erfahrung gebracht. Sein Empfänger ist zwischen 30 und 40 Jahren alt und männlich. „Das macht dann noch mal was mit dir, wenn du siehst, dass diese Person genau in deinem Alter ist und wie gut es dir geht und wie schlecht es einem Gleichaltrigen gehen kann.“ Mindestens zwei Jahre bleiben alle genaueren Daten unter Verschluss, dann kann der Empfänger sich outen und den Kontakt zu seinem Spender suchen. Andersrum nicht. „Ich hoffe er meldet sich, ich habe meine Daten schon an ihn freigegeben und würde gerne erfahren wie es ihm geht, welche Gemeinsamkeiten wir haben, wir sind ja jetzt immerhin Blutsbrüder“, sagt er. Begleitet von einem Lachen. Offiziell sind sie laut DKMS sogar genetische Zwillinge.

Kellerduell abgesagt

Mittlerweile steht Dulisch schon längst wieder auf dem Platz in der B-Klasse. Leider hat es für den Tabellenletzten noch nicht zu einem Sieg gereicht. Und das geplante Freitagabendspiel gegen den Vorletzten, SV Palatia Contwig II, musste auch noch ausfallen.

Weiter spielen

Landesliga West: VB Zweibrücken - SC Weselberg (in Rimschweiler), SG Rieschweiler - SC Hauenstein (beide Sonntag, 15 Uhr), TSC Zweibrücken - SG Eintracht Bad Kreuznach (So, 15.15)

Bezirksliga Westpfalz: SG Oberarnbach/Ob.-Ki./Bann - SG Knopp/Wiesbach (Sa, 16.15), SV Battweiler - SV Alsenborn (So, 15)

A-Klasse PS/ZW:SV Lemberg - TV/SC Hauenstein II (Sa, 15.30), SC Busenberg - FC Fischbach (Sa, 17), SG Rieschweiler II - SC Stambach (So, 12.45), TuS Maßweiler - SV Palatia Contwig, SG Heltersberg/Geiselberg - Hilster SV, SV Obersimten - FK Clausen, SV Hochstellerhof - SVN Zweibrücken, SV Martinshöhe - FK Petersberg (alle So, 15), SV Lemberg - SV Obersimten (Mi, 19)

A-Klasse KUS/KL: SG Bechhofen/Lambsborn - SG Breitanbach/Dunzweiler (So, 15, Bechhofen)

B-Klasse PS/ZW West: SG Thaleischweiler-Fröschen - SV Ixheim (Fr, 19.30), TSC Zweibrücken II - SG Petersberg/Fehrbach II (So, 12.45), SG TuS Rimschweiler/VB Zweibrücken II - SG Weselberg/Linden II (in Rimschweiler), TV Althornbach - SV Bottenbach, SSV Höheinöd - FC Höheischweiler, SG Harsberg/Schauerberg - SV Gersbach, SV Großsteinhausen - SV Hermersberg II (alle So, 15), SG Thaleischweiler-Fröschen - SSV Höheinöd (Mi, 19)

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