Zweibrücken
Keramik mit eigener Handschrift
„Ich kaufe subjektiv, nicht nach Namen“, sagt Sammlerin Hannelore Seiffert aus dem saarländischen Schiffweiler. Die Städtische Galerie Neunkirchen zeigt nach der erfolgreichen Präsentation 2018 nun im zweiten Teil der Ausstellung „Brennpunkt Keramik“ bis zum 22. November weitere Projekte aus Seifferts umfangreicher Privatsammlung.
Seit 25 Jahren sammelt Hannelore Seiffert zeitgenössische Keramik-Kunst. „Für mich zählt der ästhetische Eindruck. Die Werke müssen originell sein.“ Aber nicht nur die Qualität einer Arbeit ist entscheidend für sie. „Sie soll auch typisch sein für den Künstler, da kommen viele Aspekte zusammen“, beschreibt sie die Kriterien für den Kauf eines Werkes für ihre Sammlung. Ihr Interesse für Keramik ist auch durch den Besuch einer Ausstellung geweckt worden. „Danach habe ich Bücher gelesen, bin in Ateliers gegangen und habe gesehen, was es in der Keramik so alles gibt.“
Seiffert sucht das Besondere
Hannelore Seiffert ist selbst auch Keramikerin. „Ich bin ein Mensch, der gerne selber etwas macht, und Techniken, die ich nicht beherrscht habe, die ich gar nicht kannte, haben mich gefesselt. Ich suche das Besondere, das über alles Hinausgehende. Jeder Künstler, der mich interessiert, hat seine eigene Handschrift.“
Diesen Anspruch dokumentiert die Ausstellung mit 96 Werken aus verschiedenen Ländern in der Städtischen Galerie in Neunkirchen eindrucksvoll. Sofort ins Auge fällt eine Arbeit von Susan Collett. Die kanadische Künstlerin hat in „Lucidum“ eine Technik angewandt, die sie Paperclay nennt. In mehreren Bränden verbindet sie hier Keramik und Papier mit Platin und Perlmutteinlagen zu einem abstrakten Objekt, das an Meerschaum und sich aufbäumende Gischtwellen denken lässt, in faszinierend leuchtenden Blau-, Grün- und Elfenbeintönen, die die Künstlerin mit einer Spritzpistole aufgetragen hat.
Bewusst schlicht dagegen ist eine Büste von Sándor Kecskeméti in Porzellan gehalten, die er vierteilig aus dem Block geschnitten, partiell glasiert und mit Schnitten strukturiert hat. Dabei wirken schwarze Linien wie die Andeutung eines Strichmännchengesichts, das den Betrachter mit einem Zwinkern anlächelt. Die Grenzen zwischen abstrakter und figürlicher Kunst verschwimmen hier ganz ungezwungen.
Meisterhafte figürliche Kunstwerke stellt seine Landsmännin Maria Gezler-Garzuly vor. Auf Geigen zeigt die Künstlerin, die ihre Karriere als Cellistin infolge einer Handverletzung aufgeben musste, den Abdruck eines Briefes oder einer Partitur des ungarischen Komponisten György Kurtág in tiefen Royalblau-Tönen auf weißem Porzellan in einer Siebdrucktechnik mit Glasur.
Vasen, auch leicht verfremdet
Die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion gehen bei einem Wandobjekt von Ewen Henderson fließend ineinander über. Auf der Grundlage eines Tierkopfskeletts aus Afrika hat der Künstler Material aufgetragen und gebrannt und so ein archaisch anmutendes Objekt geschaffen. Seine Brenntechnik verleiht dem Schädel einen verwitterten Anstrich und bildet einen spannenden Kontrast zu anderen Teilen der Ausstellung, die Kulturobjekte präsentieren.
Verschiedenartige Vasen finden sich immer wieder. Teilweise trotz ihrer künstlerischen Gestaltung sogleich als solche erkennbar, teilweise in verfremdeter Objektform. An einen fragmentierten Quader erinnert eine Arbeit von Johannes Nagel mit buntfarbigen Glasuren. Zu dem hellen Weiß als Grundton bilden geometrische Einsprengsel in warmem Rotbraun und intensiv leuchtenden dunklen Blautönen einen spannenden Kontrast.
Eine Vase in Form eines schmalen Ovals mit quadratähnlichen bunten Seitenflächen hat der Engländer Sam Hall gestaltet. Die farbenfrohen Glasuren verbinden flächige abstrakte Farbverläufe mit kleinen Motiven. Eine alabasterähnliche Skulptur in blendendem Weiß der Pfälzer Künstlerin Friederike Zeit rundet das vielseitige Spektrum der Arbeiten ab.
Info
- Ausstellung „Brennpunkt Keramik“, Städtische Galerie Neunkirchen, noch bis 22. November
- geöffnet: Mittwoch, Donnerstag, Freitag 10-18 Uhr, Samstag 10-17 Uhr, Sonntag und Feiertage 14-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
- Hannelore Seiffert bietet während der Ausstellung zwei Führungen am Sonntag, 13. September, ab 15 Uhr und am Donnerstag, 24. September, ab 17 Uhr an. Interessierte müssen sich verbindlich anmelden (Telefon: 06821/202-561, -562, -480, Mail: info@staedtische-galerie-neunkirchen). Es kann nur eine begrenzte Personenanzahl an den Führungen teilnehmen.