Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Katzen erholen sich von Reißnagel-Attacke

Hat sich erholt von den Strapazen: Kater Kion mit Nina Rossius (links) und Natalie Rossius.
Hat sich erholt von den Strapazen: Kater Kion mit Nina Rossius (links) und Natalie Rossius.

Vorige Woche haben zwei Katzen Reißnägel verschluckt. Weitere Vorfälle dieser Art sind bislang nicht bekannt. Offenbar steckten die Reißzwecken in Fressködern. Wie es den Katzen jetzt geht.

Gott sei Dank“, berichtet Nadine Bender, die Vorsitzende des Zweibrücker Tierschutzvereins, dass ihr bis dato keine weiteren derartigen Vorkommnisse zu Ohren gekommen sind. Gleichwohl erhält der Verein seine Warnung an die Haustierbesitzer im betroffenen Wohnquartier zwischen 22er- und Oselbachstraße aufrecht, ihre Lieblinge vorerst lieber nicht ins Freie zu lassen. Denn der Täter ist immer noch unbekannt, der lebensgefährliche Köder hinterlassen hat. „Da ist es für uns natürlich schwierig zu sagen, wann die Gefahr vorüber sein könnte, da man nicht weiß, wer und wo etwas ausgelegt hat“, sagt Nadine Bender.

Zum Glück scheinen die beiden Kater die böse Attacke auf ihre Gesundheit ganz gut verkraftet zu haben. „Dem ersten Kater namens Jacky geht es wieder gut“, schildert Nadine Bender: „Er hat alle fünf Reißzwecken nach einem Einlauf auf natürliche Art wieder ausgeschieden.“ Sein Art- und Leidensgenosse Kion hatte seine zwei verschluckten Reißbrettstifte am Montagabend noch intus. Doch sie sind bereits weit in den Enddarm gewandert, wo sie voraussichtlich bis Dienstag mit dem Kot den Körper verlassen werden.

Kater liegt regungslos am Boden

Wie der Zweibrücker Walther Stepp berichtet, hatte seine Ehefrau den rotgetigerten Kater Jacky vergangenen Mittwoch im Garten in der Oselbachstraße vorgefunden; regungslos am Boden liegend. „Sofort machten wir eine Erstversorgung, indem wir Jacky in eine Decke einhüllten, warm hielten und sukzessive weitere Erste Hilfe leisteten.“ Auf tierärztliches Anraten halfen die Eheleute dem Kater fürs Erste mit einer Wärmflasche aus und verständigten die Tierrettung Contwig. Diese sei binnen 20 Minuten zur Stelle gewesen. Was folgte, war eine Versorgung bei der Tierärztin Barbara Wirth, ehe deren Hornbacher Kollege Arnold Bonitz eine Röntgenaufnahme von Jackys Bauch anfertigte, die die fünf Reißzwecken zeigte. Walther Stepp ergänzt, dass er der Tierrettung Contwig aus freien Stücken einen Obolus überwiesen habe – zum Dank für deren prompten Einsatz. Schließlich sei der Verein finanziell „nicht auf Rosen gebettet“, so Stepp.

„Gott sei Dank“: Diesen Stoßseufzer der Erleichterung schickt inzwischen auch Nina Rossius zum Himmel. Sie ist das Frauchen des zweiten Katers, der von dem unbekannten Tierhasser gequält wurde. Vorigen Donnerstag fanden Tierfreunde den graugetigerten Kion in der Straße Am Rothenberg reglos vor und brachten ihn in die Tierklinik Zweibrücken, später in die nach Elversberg. Und auch Kion fand sich auf dem Tisch des Hornbacher Veterinärs Arnold Bonitz wieder, wo eine Röntgenaufnahme zwei Reißnägel im Körper des kranken Katers sichtbar machte.

„Am Samstag haben wir Kion in Elversberg abgeholt“, erzählt Nina Rossius, die ihren Kater am Montagmorgen ein weiteres Mal zur Untersuchung zum Tierarzt brachte. Die beiden Reißzwecken, so hofft die Zweibrückerin, sollten bald ausgeschieden sein. „Zum Glück war eine Operation nicht nötig“, ist Nina Rossius erleichtert. „Mir war gesagt worden, dass eine OP für Kions Kreislauf sehr gefährlich gewesen wäre.“ Rossius sagt, dass ihr Kater nicht nur die spitzen Metallgegenstände, sondern auch noch Gift aufgenommen habe.

Auf dem Weg der Besserung

Beim Besuch am Montagmorgen in der Waldmohrer Tierarztpraxis Hofer/Pfersdorf habe es Entwarnung gegeben: Kion scheint wieder spürbar auf dem Weg der Besserung zu sein.

„Die Sache mit den Reißnägeln hätten wir zunächst überhaupt nicht bemerkt“, erzählt Nina Rossius. Sorgen habe sie sich gemacht, als Kion in der Nacht auf Freitag nicht nach Hause zurückkehrte. „Am Freitag hat mir dann eine Nachbarin den Facebook-Eintrag vom Tierheim geschickt, in dem es um die vergiftete Katze geht. Die Nachbarin hat dazu geschrieben, das ist doch hoffentlich nicht euer Kater!“

Große Hilfs- und Spendenbereitschaft

Doch, er war’s. Mit Blick auf die hohen Behandlungskosten, die mit einem Mal auf sie zukamen, rief Nina Rossius noch am Freitag eine Online-Spendenkampagne über das Internetportal Go-Fund-me ins Leben. Wäre am Ende doch noch eine riskante Operation nötig geworden, so hätte allein dieser Eingriff nach Auskunft der Tierhalterin bis zu 900 Euro gekostet, zu denen noch etwa 500 Euro für Kions Unterbringung hinzukämen.

„Die riesengroße Hilfsbereitschaft, mit der auf meine Initiative reagiert wurde, hat mich überwältigt“, berichtet die Zweibrückerin, dass auf diese Weise bis Sonntag rund 1000 Euro zusammengekommen seien. Und die gehen auch ohne OP mehr als drauf: Für Kions Notfall-Einsatz wurde diese Summe nach Rossius’ Worten bereits in den beiden Tierkliniken in Zweibrücken und Elversberg fällig. Von den übrigen aufgelaufenen Tierarztkosten ganz zu schweigen.

Ihre drei Lieblinge – neben Kion hat Nina Rossius noch zwei weitere Katzen – will die Zweibrückerin bis auf Weiteres sicher bei sich im Haus behalten. „Schließlich kann keiner sagen, ob in der Gegend nicht doch noch irgendwo Gift rumliegt.“

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