Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslauterer Marco Steil ist Familienmensch, Lehrer und Kicker aus Leidenschaft

Als Lehrer am Schreibtisch: Ex-Fußball-Profi Marco Steil unterrichtet an der Integrierten Gesamtschule Contwig Sport und Biologi
Als Lehrer am Schreibtisch: Ex-Fußball-Profi Marco Steil unterrichtet an der Integrierten Gesamtschule Contwig Sport und Biologie.

Sportsfreunde: Eigentlich sollte dieses Jahr Schluss sein. Nach zuletzt intensiven Jahren als Kapitän und Abwehrchef des FK Pirmasens beendete Marco Steil im März seine Fußballkarriere. Fortan wollte er sich ganz Familie und seinem Job als Lehrer an der Integrierten Gesamtschule Contwig widmen. Doch nach einiger Zeit der Ballabstinenz wurde ihm klar, dass das mit ihm und dem Fußball noch nicht zu Ende ist.

Auf die Frage, warum er sich ein halbes Jahr nach seinem Abschied vom Fußball zu einem Comeback beim Verbandsligisten SV Morlautern entschloss, hat Marco Steil eine überzeugende Antwort parat: „Es hat mir einfach etwas gefehlt.“ Dabei hatte er sich doch Anfang des Jahres noch ein Leben ganz ohne Fußball vorstellen können.

Die Weichen für den Übergang vom Sport zum Lehrerberuf hatte der 33-Jährige schon während seiner zweiten Zeit (2014 bis 2020) beim FK Pirmasens gestellt. Da schloss er an der Universität Kaiserslautern sein Lehramtsstudium erfolgreich ab und fand nach einem Referendariat am Heinrich-Heine-Gymnasium eine feste Anstellung an der IGS in Contwig. Als Vollzeitlehrkraft unterrichtet er seit einem Jahr dort Sport und Biologie. Zwei Fächer, die ihm sehr am Herzen liegen. So führt er zurzeit in Biologie eine Klasse zum Abitur.

Eine für ihn als Pädagogen an sich schon anspruchsvolle und fordernde Aufgabe, die durch die herrschende Pandemie nicht leichter geworden ist. „Das Virus muss man sehr ernst nehmen“, sagt Steil und lobt Schule und Schüler für deren diszipliniertes Verhalten in dieser Krisenzeit, in der das Tragen von Masken und das Befolgen der Hygieneregeln einfach Pflicht sei.

Jetzt Vater zweier Söhne

Neben seinem ausgefüllten Berufsleben ist Marco Steil auch Familienmensch. „Meine Frau und ich wollten immer Kinder“, sagt der ehemalige Fußball-Profi (FSV Mainz 05 II, Holstein Kiel, FC Vaduz in Liechtenstein unter dem 1990er-Weltmeister und Trainer Pierre Littbarski, Wormatia Worms), der mittlerweile stolzer Vater zweier Söhne ist. Erst vor drei Monaten kam Anton auf die Welt und machte das Glück der jungen Familie perfekt. Bereits drei Jahre ist Paul-Emil alt, mit dem Vater Marco natürlich auch schon ab und zu kickt. „Es wäre schön, wenn die beiden Freude am Fußball fänden“, sagt der Papa, betont aber auch, dass er sie nie dazu drängen würde. Aber dass die Fußballtradition im Hause Steil fortgeführt wird, scheint doch sehr wahrscheinlich. Eiferte doch auch Marco seinem Vater Ernst nach, einem Fußballer, der ihn trainierte und dem er viel verdankt. „Er war mein größter Kritiker und Förderer“, beschreibt er das innige Vater-Sohn-Verhältnis.

Fest verankert in Familie und Beruf schien der Abschied vom Fußballerleben für Marco Steil problemlos über die Bühne zu gehen. Was vielen Sportlern nach dem Karriereende nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten gelingt, nämlich wieder Fuß im „normalen Leben“ zu fassen, das traf auf ihn nicht zu. Zum Rücktritt hatte er sich nicht etwa entschlossen, weil er sich den Aufgaben in der Regionalliga nicht mehr gewachsen fühlte. Davon konnte keine Rede sein. Als Innenverteidiger gehörte er zu den markantesten Spielern der Pirmasenser Regionalliga-Mannschaft, und das nicht nur wegen seiner imposanten Körpergröße von fast zwei Metern.

Dann kommt Daniel Graf

Natürlich wurde der Abschied Steils vom FKP, mit dem er 2006 als 18-Jähriger schon den DFB-Pokal-Sensationssieg gegen Werder Bremen schaffte, in der südwestdeutschen Fußballszene registriert und diskutiert. Auch für den Trainer des SV Morlautern, Daniel Graf, war das ein Thema, und da er fand, dass es doch zu früh für Steil sei, dem Fußball endgültig Adieu zu sagen, suchte er das Gespräch mit ihm. Graf sah in dem erfahrenen Verteidiger einen „Wunschspieler“ und Gewinn für seine Mannschaft.

Und die Dinge entwickelten sich gut. „Wir beide ticken ähnlich“, beschreibt Steil das Verhältnis zu Ex-Profi Graf. Und „da es passte“, entschied er sich, zukünftig das Trikot des SVM zu tragen. Bevor er aber seine Zusage gab, sprach Marco Steil mit seiner Ehefrau Johanna, die in den vergangenen Jahren stets Verständnis für seine Fußballleidenschaft gezeigt hatte und die auch diesmal hinter ihm stand.

Der Wunschverein und der Wunschspieler

So kam es, dass nicht nur der SV Morlautern einen Wunschspieler in seinen Reihen hat, sondern auch Steil einen Wunschverein gefunden hat. Der mit seiner Familie in Kaiserslautern lebende Fußballer kennt nicht nur die Morlauterer Mannschaft, sondern auch einige seiner zukünftigen Mannschaftskameraden persönlich. Mit Ricky Pinheiro zum Beispiel spielte er zusammen beim FK Pirmasens. Bei der Saison-Premiere der Morlauterer im vergangenen Sommer beim TuS Hohenecken war Steil unter den Zuschauern und sah einen begeisternden Derbysieg des SVM.

In diesem ambitionierten Team zu spielen, das den Aufstieg in die Oberliga anpeilt, ist für den Routinier eine neue sportliche Herausforderung, die er gerne annimmt. Er habe immer hohe Ansprüche an sich selbst gestellt, die er nun auch in Morlautern erfüllen wolle, betont Steil.

Erstes Training noch offen

Nun freut er sich auf das erste Training mit seiner neuen Mannschaft. Wann das sein wird, weiß er aber nicht. Leben wir doch noch immer in einer unsicheren, vom Coronavirus bestimmten Zeit.

Im September war Marco Steil noch mit seinem Sohn Paul-Emil als Zuschauer auf der Husterhöhe beim FKP-Sieg gegen Großaspach.
Im September war Marco Steil noch mit seinem Sohn Paul-Emil als Zuschauer auf der Husterhöhe beim FKP-Sieg gegen Großaspach.
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