Reifenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Künstler LeBueff: Im Keller werden aus Stimmungen Bilder

Christian Büffel im Keller seines Hauses, wo er sich ein Atelier eingerichtet hat.
Christian Büffel im Keller seines Hauses, wo er sich ein Atelier eingerichtet hat.

„Manchmal muss es einfach raus“, sagt Christian Büffel. Wenn den Reifenberger etwas aufregt, malt er ein Bild. Über Online-Galerien hat er Werke in 13 Länder verkauft, eins nach Taiwan. Drei Dinge lassen Büffel immer wieder zum Pinsel greifen.

Die Werke des 47-Jährigen entstehen im Keller seines Wohnhauses und in einem Gartenhaus auf dem Nachbargrundstück. Die Räume platzen schier aus allen Nähten: Staffeleien, Leinwände, Farben, Pinsel, Lappen, Kleber, Skizzen, fertige Bilder füllen jeden Zentimeter aus. Die Pinsel werden draußen mit Terpentin gereinigt, das spart drinnen Platz, und es stinkt dort nicht so. „Ich brauche was Größeres“, sagt Büffel, der gerne auch XXL-Bilder malen würde und deshalb ein Atelier mit drei bis fünf Meter hoher Decke sucht.

Gelernter Grafikdesigner

Büffel hat keine Kunsthochschule besucht, er ist gelernter Grafikdesigner, hat viel mit Werbung zu tun, was ihm beim Malen als Autodidakt hilft. „Blickführung, Farbigkeit, Flächeneinteilung, da habe ich eine klassische Ausbildung genossen, davon profitiere ich.“ Auch habe er gelernt, was psychologisch betrachtet hinter Kaufabsichten steckt, wie man über ein Werk mit dem Betrachter in Kontakt treten kann. Als Auftragnehmer von Firmen sei ihm auch klar, dass ein guter Internet-Auftritt wichtig ist. Und so habe er eine Homepage mit seinen Kunstwerken eingerichtet.

Kaum im Internet als Maler präsent, habe sich die Pariser Online-Galerie Singulart bei ihm gemeldet, über die er jetzt verkauft, außerdem über die Agora-Gallery in New York sowie weitere Online-Galerien etwa in Spanien oder Großbritannien. Davon leben könne er nicht, sagt Büffel. Die Galerien verlangten hohe Provisionen, bis zu 50 Prozent, weitere Unkosten müssten verrechnet werden. Wenn er ein Bild für 900 Euro verkaufe, blieben ihm am Ende höchstens 300 Euro, rechnet Büffel vor. Durch das Standbein Grafikdesign habe er aber keinen Druck beim Malen.

Aktuelle Ereignisse verarbeitet

Der Druck entsteht eher, wenn aktuelle Ereignisse Büffel den Schlaf rauben. So habe er sich beim Sturm aufs US-Kapitol 2021 so aufgeregt, dass er seiner Fassungslosigkeit direkt in einem Bild Ausdruck verleihen musste. „Congratulations from Berlin, Mr. Trump“ glänzt mit bissigem Sarkasmus. Letzteres ist ein Mittel Büffels, um seiner aufkommenden Wut zu begegnen, wie er sagt. Äußere Auslöser seien eine Sache, die ihn an die Leinwand treiben.

Ein weiterer sei seine innere Gefühlslage. Manchen helfe es, ihre Stimmung, ihre Gedanken, die sie gerade beschäftigen, aufzuschreiben. Er lasse diese dann in seine Bilder fließen, erklärt Büffel. Nach dem Malen fühle er sich besser, freier. Zum Dritten fertige er auch „Wände schmückende Kunst“ an, wie er es nennt. Er nehme Aufträge entgegen, sehe nichts Negatives in dekorativen Werken. „Auch optisch Ansprechendes kann Kunst sein und ist nicht automatisch seicht“, lautet sein Standpunkt.

Auf Feedback angewiesen

Das Spektrum seiner Werke ist breit. Es gibt die düsteren Sachen mit Hieronymus-Bosch-artigen Höllenwesen, die dazu führten, dass der Chefdesigner der Zombie-Serie „The Walking Dead“ sich bei Büffel meldete und ihn zum Weitermachen ermunterte. Über solches Lob sowie auch andere Ermutigungen freue er sich sehr, er brauche diese Rückmeldung auch. „Man macht sich ja sozusagen nackig, wenn man mit seinen Werken an die Öffentlichkeit geht.“ Und sei dann auf Feedback dringend angewiesen.

Rein abstrakte Werke finden sich bei LeBueff, wie er sich nennt, ebenso wie Porträts etwa von Lemmy Kilmister, Iggy Pop oder Jack Nicholson. Mit Porträts hat Büffel auch angefangen: Vor rund 25 Jahren in der Zweibrücker Kneipe „Gasthaus Sutter“ habe er mit Kugelschreiber andere Gäste skizziert, und seine Freunde mussten die dann finden. Ein Spaß, hinter dem aber mehr steckte. „Ich habe seitdem jeden Tag gezeichnet oder gemalt, nach dem Kuli kam der Bleistift, irgendwann folgten die Acryl- und Ölfarben.“ Er könne nicht ohne, es beruhige ihn, sagt Büffel, der auch digitale Kunstwerke am Rechner anfertigt.

Von Helnwein inspiriert

Inspiriert habe ihn vor allem Gottfried Helnwein mit seinen hyperrealistischen Bildern von verwundeten und bandagierten Kindern. „Die Bilder haben mich elektrisiert und sehr berührt“, sagt Büffel. Das wolle er auch mit seinen Bildern: berühren, etwas auslösen beim Betrachter.

Der Eintritt in die Kunstwelt über die Online-Galerien habe ihn erst mal geplättet, bekennt der Reifenberger. „Es ist schon faszinierend, welche Mechanismen da greifen. Und Kunstsammler sind schon ein seltsames Volk.“ Aufregend sei es, wenn eine Galerie ihn auffordere, seine Bilder teurer anzubieten, weil sie auf viel Beachtung stoßen. Singulart habe neulich gefragt, ob er bei der Serie „Der moderne Mann“ mitmachen will. Büffel will – und hat sich schon Gedanken gemacht, wie er sich dem Thema nähern kann.

Wunsch: ein größeres Atelier

„Es läuft jetzt alles zusammen“, bilanziert Büffel, der in seinem Leben schon viele Wege eingeschlagen hat, beruflich, aber auch etwa als Gitarrist in verschiedenen Bands wie Come Up Screaming, die in den 1990er und 2000er Jahren gefeiert wurden. Er fühle sich gut. Jetzt brauche er nur noch ein größeres Atelier.

Kontakt

www.christianbueffel.de

Christian Büffel: „Frau Doktor 2“ (2021), Mixed Media.
Christian Büffel: »Frau Doktor 2« (2021), Mixed Media.
Büffel macht auch witzige Zeichnungen.
Büffel macht auch witzige Zeichnungen.
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