Zweibrücken König Karl und der Handball oder: Sport und Geschichte
Wir schreiben das Jahr 1978. Die VT Zweibrücken macht zum Übernachten einen Zwischenstopp im schwedischen Solna: Das ist der Beginn einer grenzübergreifenden, nun 40 Jahre währenden, Freundschaft zwischen der VT und dem dortigen Handballverein Väntorp. Neben dem sportlichen Interesse gibt es auch eine gemeinsame Historie. Seit Dienstag sind die Skandinavier wieder zu Gast in der Rosenstadt.
„Mit Sport hat das Ganze nicht mehr viel zu tun. Mittlerweile geht es mehr um den kameradschaftlichen Charakter“, sagt Horst Grub, seit Beginn Mitorganisator des Austauschs. 14 Schweden – acht Handballer mit ihren Partnerinnen – sind angereist. Grillen, Spiel und Unterhaltung in der Ski- und Wanderhütte Kirrberg und eine Fahrt nach Speyer stehen auf dem Programm, bevor es am Sonntag wieder nach Hause geht. Die Korrespondenz mit Väntorp Solna, die schon in zweiter Generation gepflegt wird, hat vor zehn Jahren auch eine Jugendbewegung hervorgebracht. Grubs Sohn Martin organisiert seitdem jährlich eine Fahrt für Jugendliche. „Nur dieses Jahr hat das aus verschiedenen Gründen leider nicht geklappt“, bedauert Grub Senior.
Besuch in Solna
Solna ist eine Gemeinde in Stockholms län (län bedeutet Provinz) und grenzt direkt an die schwedische Hauptstadt. Die Stadt hat mit 80 000 Einwohnern mehr als doppelt so viele wie Zweibrücken. Im Jahre 1978 suchten die VTZler in der Gegend eine Zwischenstation für die Nacht. Der damalige Trainer Harald Müller kannte Solna noch von einem Spiel in Neunkirchen. Die Handballer entschieden, dort zu übernachten. So begab es sich, dass die Zwischenstation letztlich zum regelmäßigen Reiseziel wurde. Die ersten Fahrten habe Bürgermeister Christian Gaufs 2007 verstorbener Onkel, Heinrich Gauf, organisiert, erzählt Grub. Viele langjährige Freundschaften seien mittlerweile durch die Vereinspartnerschaft entstanden. Schon unzählige Male war man zu Besuch in Solna. Auch Christian von Gyldenfeldt, ehemaliger Besitzer der Gaststätte „Gleis 3“, ist lange Jahre mitgefahren, wie sich Grub erinnert. Vieles habe man gemeinsam mit den Schweden unternommen und erlebt. Aber auch mit der gemeinsamen Geschichte setzten sich die Zweibrücker Handballer bei ihren Fahrten auseinander: So besuchte die Gruppe einst das Grab von Gabriel Turesson Oxenstierna. Dieser wurde 1697 vom schwedischen König Karl XI., der gleichzeitig auch Herzog von Pfalz-Zweibrücken war, als Statthalter von Zweibrücken eingesetzt. Nach seinem Tod zehn Jahre später setzte man den Leichnam in Solna bei.
Auf Spurensuche
Auch die skandinavischen Gäste begaben sich bei ihren Besuchen in der Rosenstadt auf Spurensuche. So sieht man im Wappen der Karlskirche − dem Wappen des schwedischen Königs Karl XII. − in der Mitte den Löwen der Kurpfalz. Karl XII., dessen Großvater Karl X. Gustav dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher entstammte, hatte 1707 den Bau der lutherischen Karlskirche beschlossen. Der schwedische Architekt Johannes Erikson Sundahl, dessen Baupläne für das Gotteshaus Karl XII. noch abgelehnt hatte, errichtete 1720 schließlich das herzögliche Zweibrücker Schloss „Man sieht also: nicht nur der Sport verbindet uns, sondern auch eine gemeinsame Geschichte“, stellt Grub fest. „Das ist doch eine schöne Grundlage für viele weitere Reisen und Freundschaften.“