Zweibrücken
Jüdischer Friedhof: Maßnahmen lassen auf sich warten
Der 1992 aufgestellte Gedenkstein ist das letzte sichtbare Überbleibsel, das an den früheren jüdischen Friedhof am Ölkorb in Bubenhausen erinnert. Die Grabsteine, die vor mehr als 150 Jahren in Gedenken an die Verstorbenen aufgestellt wurden, sind verschwunden. Ob sie gestohlen, zerstört oder gar im Boden versunken sind, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Ein Grund mehr, auf andere Weise die Erinnerungskultur aufrechtzuhalten.
Anfang Mai trafen sich Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) sowie des städtischen Friedhofsamts und der Unteren Denkmalschutzbehörde vor Ort, um zu beraten, wie es mit dem Areal weitergehen soll. Auf einen Vorschlag konnten sich alle Beteiligten schnell einigen: Der Gedenkstein soll zwar auf dem Gelände bleiben, aber versetzt werden. So soll er aus dem Gestrüpp herausgeholt und an anderer Stelle näher am Weg aufgestellt werden, um leichter zugänglich zu sein – ergänzt mit einem Zaun zum Schutz sowie einer Hinweistafel mit QR-Code.
Keine finanziellen Mittel
Die Geschäftsführerin der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz (JKG), Marina Nikiforova, wandte sich bereits im Juni an die Stadt und Oberbürgermeister (OB) Marold Wosnitza, um das Vorhaben anzuschieben. Der Knackpunkt ist – wie so oft – das liebe Geld. Da der ehemalige Friedhof im Eigentum der JKG ist, müsste sie für die Kosten aufkommen. Da sie sich aber um insgesamt 80 jüdische Friedhöfe in der Pfalz kümmere und zudem aktuell kostenintensiv die Synagoge in Kaiserslautern renoviere, stehen keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Das berichtet Eberhard Dittus, Beauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz für Gedenkstättenarbeit und Beauftragter der JKG für den Erhalt der Jüdischen Friedhöfe in der Pfalz, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Laut Dittus wartet die JKG allerdings vergeblich auf eine Rückmeldung Wosnitzas. „Wir sind in gewisser Weise schon enttäuscht, dass er sich nicht gemeldet hat. Es gibt Leute in Zweibrücken, denen etwas an dem Projekt liegt – auch bei der Verwaltung“, so Dittus.
Dittus ist überzeugt, dass ein nennenswerter Teil der Kosten – die laut Informationen der RHEINPFALZ im mittleren vierstelligen Bereich liegen – über Spenden gesichert werden könne. Das macht er am Zuspruch aus der Bevölkerung fest. Einen offiziellen Spendenaufruf gebe es allerdings noch nicht. Um dafür zu werben und zusätzlich wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten, habe sich Dittus angeboten, in Zweibrücken einen Vortrag über jüdische Bestattungskultur zu halten. „Das wäre noch in diesem Herbst möglich“, betont er. Aber auch auf diesen Vorschlag habe es bisher keine Reaktion aus dem Rathaus gegeben. Zumindest der Historische Verein Zweibrücken habe sich in Person des ersten Vorsitzenden, Michael Schubert, mit einem Termin im August kommenden Jahres bei ihm gemeldet. „Das mache ich gerne, aber bis dahin verstreicht viel wertvolle Zeit. Ich komme auch gerne zweimal nach Zweibrücken“, sagt Eberhard Dittus.
Treffen Anfang Oktober
Rathaussprecher Jens John betont am Donnerstagnachmittag auf Nachfrage der RHEINPFALZ, dass das Vorhaben nicht in Vergessenheit geraten sei. Auch die Stadt stehe dem Vorschlag, den Gedenkstein zu versetzen, positiv gegenüber, ebenso der Idee, das Projekt mittels Spenden zu finanzieren. Anfang Oktober soll es ein Treffen zwischen Eberhard Dittus und der Unteren Denkmalschutzbehörde geben, um das weitere Vorgehen zu besprechen, kündigt John an.