Zweibrücken
Gedenkstein auf altem jüdischem Friedhof soll versetzt werden
Am Dienstag war Ortstermin mit Vertretern der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, des Mainzer Innenministeriums, der unteren Denkmalschutzbehörde und der Friedhofsverwaltung. Der unter Bäumen und Gebüsch versteckte Gedenkstein erinnert daran, dass es in Bubenhausen einst einen jüdischen Friedhof gab. Aufstellen ließ ihn Otto Mörz, Presbyter der protestantischen Gemeinde Ernstweiler-Bubenhausen, vor rund 30 Jahren. Grabsteine, an die sich ältere Mitbürger erinnern, sind keine mehr zu sehen; gleichwohl sollen jüdische Gräber auf ewig bestehen.
Sind die Grabsteine versunken?
„Es könnte sein, dass die Grabsteine einfach versunken sind. Hier geht das Gelände in eine Mulde über, das könnte gut sein. Das haben wir auf anderen Friedhöfen auch schon gesehen. Oder sie sind weggekommen“, vermutet Eberhard Dittus. Er ist Beauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz für Gedenkstättenarbeit und Beauftragter der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz für den Erhalt der Jüdischen Friedhöfe in der Pfalz. Zusammen mit Slava Nechitajlo, Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, bereist er zweimal im Jahr alle rund 80 jüdischen Friedhöfe der Pfalz. Der alte jüdische Friedhof in Bubenhausen war noch nicht dabei.
Dass Dittus den kleinen Friedhof am Ölkorb mit einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern nicht kennt, liegt daran, dass er nicht auf seiner Besuchsliste steht. „Keiner weiß, warum der Friedhof nicht im Raster ist. Er ist immer noch Eigentum der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz. Das ewige Ruherecht bleibt bestehen“, erklärt Dittus. Man könne ein Anerkennungsverfahren anstrengen, um ihn in die Liste aufnehmen zu lassen, so wie dies schon an anderen Orten geschah, doch das koste viel Zeit, gibt Dittus zu bedenken.
Folgekosten im Blick
„In den 50er Jahren wurde damit begonnen, verwaiste jüdische Friedhöfe in einer Liste zu erfassen, Friedhöfe aus der Zeit vor dem Holocaust“, sagt Raimund Schneider, bei der ADD zuständig für die Kriegsgräberstätten und die jüdischen Friedhöfe. Ein offizielles Anerkennungsverfahren für den alten jüdischen Friedhof Bubenhausen einzuleiten, halte er nicht für sinnvoll. Man brauche „eine kleine Lösung“. Dabei habe er auch die Folgekosten im Blick, die eine größere Maßnahme mit sich bringen würde. Dafür fehle Zweibrücken das Geld.
Heiko Wunderberg, beim Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) zuständig für die Friedhöfe, schlug als „einfachste Variante“ vor, einen Zugang zum Gedenkstein vom kleinen Weg her zu schaffen, der vom Klingeltal zum Beckerswäldchen führt. Es genüge, auf wenigen Metern das gröbste Gebüsch zu beseitigen. Bei dieser Lösung hatte Raimund Schneider als Vertreter der ADD Bedenken wegen der Verkehrssicherungspflicht. Der Platz sei dann immer noch von Bäumen umgeben.
Gedenkstein bekommt QR-Code
Schließlich einigte man sich auf folgende Lösung: Der Gedenkstein bleibt auf dem Gelände der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz stehen, wird aber versetzt, aus dem Gebüsch ins Freie geholt, damit er besser öffentlich zugänglich ist. Außerdem wird er mit einem Zaun umgeben und mit einer Info-Tafel mit QR-Code versehen. Die Jüdische Kultusgemeinde wird den Oberbürgermeister anschreiben und um Genehmigung bitten.
Belegt war der erste jüdische Friedhof in Zweibrücken rund 50 Jahre, von 1821 bis 1870. Danach wurden jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger auf einem ihnen zugewiesenen Begräbnisplatz innerhalb des Hauptfriedhofs beerdigt. Dieser besteht bis heute. Da sich bislang kaum Unterlagen zum alten jüdischen Friedhof Bubenhausen finden und auch Belegungspläne fehlen, wird um Informationen und Bildmaterial gebeten.
Info
Wer Fotos vom alten jüdischen Friedhof Bubenhausen oder Informationen/Dokumente über diesen hat, kann sich wenden an Sebastian Klimo, Untere Denkmalschutzbehörde, Telefon 06332 871645 oder per Mail an: sebastian.klimo@zweibruecken.de.