Rettungsschwimmen
Junioren-Europameisterschaften in Polen und ein Goldjunge aus Zweibrücken
Am Montagnachmittag ist Leo Ilias Baumann auf seinem Heimweg gerade in Jena, den zweiten Schultag nach den Sommerferien gleich mit der ersten Stunde am Dienstag vor der Brust. „Ich weiß gar nicht genau, welches Fach ich da habe, ich hab’ den Stundenplan noch nicht so genau im Kopf“, gesteht der Zwölftklässler (Leistungsfächer Englisch und Sport) lachend. Kein Wunder: Nach dem ersten Schultag am 18. August an seinem Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasium war er mit dem deutschen Nationalteam der Rettungsschwimmer gleich wieder ins Trainingslager nach Halle/Saale aufgebrochen.
Die schulische Auszeit hat sich gelohnt: Mit neun (!) Medaillen dekoriert kehrt der Schwimmer von den Junioren-Europameisterschaften der Rettungsschwimmer in Polen zurück – sieben im Pool von Stettin und zwei weitere in Misdroy bei den Freiwasserwettkämpfen in der Ostsee. Viermal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze heimste der 17-Jährige im Einzel und in diversen Staffeln fürs deutsche Team ein. Eine zehnte Medaille in Pokalgröße und Silber gab’s zudem für den zweiten Platz des deutschen Junioren-Teams hinter Spanien. „Darüber haben sich die Bundestrainer sehr gefreut“, berichtet er von der Abschlussbesprechung des deutschen Teams vor der JEM-Abschlussfeier im Hotel in Misdroy.
Gold in der kalten Ostsee im „Surf Race“
Am Freitag hatte Baumann nach den 200 Meter Hindernis, der 4x25 Meter-Puppenstaffel und den „200 Meter Super Lifesaver“ (alle im Pool) in der 18 Grad kalten Ostsee beim „Surf Race“ sein viertes JEM-Gold gewonnen. „Es war toll, in einem Ocean-Wettbewerb noch mal zu gewinnen und auch hier meinen Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen“, sagt er dazu. Das Wetter war mies, an den ersten beiden Tagen in Misdroy regnete es heftig. „Ein Teil der Wettkämpfe musste wegen eines Unwetters sogar verschoben werden“, berichtet Baumann. „Das Wasser ging aber“, äußert er sich zur Temperatur, auch wenn ohne Neopren-Anzüge, sondern nur mit neongelben Lifesaver-Leibchen geschwommen werden musste. Beim „Surf Race“ starteten Baumann und seinen Gegner am Strand auf einen rund 400 Meter langen Rundkurs, liefen ins Wasser und umschwammen dann mehrere Bojen. Am schnellsten aus dem Wasser und über die Ziellinie gelaufen war dann der Schwimmer, der für die DLRG-Ortsgruppe Völklingen antritt. Mit der deutschen „Rescue Tube Rescue“-Staffel (Retten mit Gurtretter) gewann Baumann zudem noch mal Bronze.
„Ich wusste, dass es bei der JEM gut laufen wird“, unterstreicht Baumann, dass er sich für die Wettkämpfe im Vorfeld gut in Form fühlte. Im Urlaub auf Korsika sei er zuvor jeden Tag eine halbe Stunde am Strand gelaufen und täglich bis zu zwei Stunden im Meer schwimmen gewesen. Am meisten freute er sich über die Goldmedaille im Pool-Rennen „200 Meter Super Lifesaver“. „Es war mit acht Hundertstel Vorsprung das knappste Rennen, und es ist eben bei uns die Königsdisziplin.“ Und die hat er auch erstmals bei Europameisterschaften gewonnen.
Jetzt beginnt die normale Schwimmsaison richtig
Groß Pause ist für Baumann jetzt allerdings nicht. „Morgen geht’s gleich mit Frühtraining vor der Schule weiter, die Schwimmsaison geht ja jetzt richtig los“, sagt der Athlet der Wassersportfreunde Zweibrücken, der für die SSG Saar Max Ritter startet. In einem Monat will er noch die deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Rettungsschwimmer in Hannover mitnehmen, davor steht in drei Wochen aber schon ein Lehrgang der Beckenschwimmer in Heidelberg auf dem Programm.