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Judo: Grabowski entkommt Corona-Chaos in Tiflis
Das Dilemma begann, als infolge eines internationalen Trainingslagers im Vorfeld des Grand Slam in Tiflis das Coronavirus die Runde machte, auch in der deutschen Mannschaft. „Unser Frauen-Team ist erst zum Wettkampf angereist“, sagte Grabowski im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Und weiter: „Wir hatten zu niemandem Kontakt.“ Sie stellt zwar die Ausrichtung einer derart großen Trainingsmaßnahme („Es wurde ja dann ein Superspreader-Event“) ebenso in Frage wie Turniere in Hochrisikogebieten und Zuschauer in manchen Hallen. Das gelte aber nicht für die auch sie betreffenden Testungen mit 72 beziehungsweise 48 Stunden Vorlaufzeit („Selbstverständlich PCR-Tests“) und einem weiteren bei der Anreise: „Wir werden alle 48 Stunden getestet und waren nach der Einreise auf dem Zimmer.“
Einiges nicht nachvollziehbar
Grabowski machte sich in Georgien keine großen Sorgen, kritisierte aber die Auslegung als Kontaktperson: „Da ging einiges drunter und drüber. Nicht alle Entscheidungen waren nachvollziehbar.“ Deutsche Nationalmannschaft, Trainer sowie Sportdirektor entschieden, wie die Franzosen nicht zu starten.
„Mir geht es nach dem ganzen Chaos in Georgien gut. Ich bin zu Hause“, teilte der Feldwebel der Sportfördergruppe Köln mit.
Schlecht für die Olympia-Qualifikation
Ursprünglich plante der Tross, den am Donnerstag gestarteten Wettkampf in Antalya zu besuchen. „Die Flugzeit beträgt nur zwei Stunden, und es lagen ja nur vier Tage dazwischen“, erklärte Grabowski. Doch da viele andere Judokas von Tiflis aus Ähnliches beabsichtigten, entschlossen sich die Deutschen erneut dazu, nicht zu kämpfen.
Das Risiko wegen der unsicheren Kontaktverfolgung erschien als zu groß. Stattdessen ging es schon vorigen Samstag für Grabowski mit der Linienmaschine über Istanbul zurück nach Düsseldorf nahe ihres Wohnorts Leverkusen. „Für meine Olympia-Qualifikation ist das natürlich alles schlecht“, berichtete sie. „Wahrscheinlich ziehen auf der Liste jetzt drei Leute an mir vorbei. Ich rutsche ans Ende. Jetzt brauche ich noch ein Ergebnis.“ Die ehemalige Abiturientin am Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Sportgymnasium: „Der Druck wächst. Aber ich weiß damit umzugehen.“ Die Europameisterschaft in Portugal lässt Grabowski aus: „Das bringt punktemäßig nicht so viel.“
„Fünf Jahre den Arsch aufgerissen“
Sie arbeitet auf das Turnier in Kasan (Russland) Anfang Mai und die WM in Budapest hin. Fehlen dann immer noch die benötigten Zähler für Japan, besteht eine Chance über die kontinentale Quote für den großen Traum Tokio: „Ich gehe aber davon aus, dass ich mich vorher qualifiziere. Sonst hätte ich mir nicht fünf Jahre den Arsch aufreißen brauchen.“
Wettkampf in Japan ist am 30. und 31. Juli, kommt es im Gegensatz zu den anderen Terminen wie aus der Pistole geschossen. Danach ist Schluss mit einer olympischen Laufbahn. Die in Böhl-Iggelheim aufgewachsene Judoka: „Psychisch und physisch schaffe ich das nicht mehr. Mein Körper wird nicht jünger.“
Bundesliga bleibt im Programm
Im Idealfall steht nach den Spielen Urlaub an. „Danach werde ich international kürzertreten.“ In Absprache mit Bundes- und Heimtrainer sollen es aber schon noch ein, zwei Wettkämpfe folgen. Eine Weltmeisterschaft müsse das nicht sein. Ein Abschied dagegen beim Heim-Grand-Slam in Düsseldorf, das wäre was.
Grabowski: „Mal sehen, wie es mit Corona weitergeht und ob der Judo-Bund noch genug Geld hat.“ Auch die Bundesliga mit dem JSV Speyer bleibt im Programm: „Judo hat lange Zeit mein Leben bestimmt und wird immer ein Teil davon sein.“