Zweibrücken Johanniter-Ritterorden versammelt sich in Zweibrücken

Höhepunkt des Johanniter-Rittertages 2023 war ein Gottesdienst in der Zweibrücker Alexanderskirche.
Höhepunkt des Johanniter-Rittertages 2023 war ein Gottesdienst in der Zweibrücker Alexanderskirche.

Die Genossenschaft Rheinland-Pfalz/Saar des Johanniterordens hat ihren 39. Rittertag begangen. Dass das Ereignis in Zweibrücken stattfand, hat seinen Grund.

„Papa, das sind doch gar keine echten Ritter! Das sind doch nur Leute“, fand die sechsjährige Julie, als sie am Sonntagvormittag das Defilee des Johanniter-Ritterordens vor der Alexanderskirche erblickte. Nun ja: Mit Ritterrüstungen waren die Herren zwar nicht bewehrt. Gleichwohl gaben die rund 70 südwestdeutschen Ordensmitglieder in ihren schwarzen Gewändern mit Johanniterkreuz ein eindrucksvolles Bild ab.

Moderne Rittersleut’ in wehenden Gewändern.
Moderne Rittersleut’ in wehenden Gewändern.

Höhepunkt des Rittertages war am Sonntag ein öffentlicher Festgottesdienst mit Einzug der Ritterschaft in Ordenskleidung in der Alexanderskirche. Während des Feier wurden einige neue Ritterbrüder in den Orden aufgenommen. Die Predigt hielt der Johanniterritter und Genossenschaftsdekan Pfarrer Thomas Berke aus Mülheim/Mosel.

Engagement in Homburg wird ausgeweitet

Der Ritterbruder Harald Leyser aus Steinefrenz im Westerwald hat die Tagung in Zweibrücken organisiert. Dass diesmal die Rosenstadt Schauplatz des Rittertages wahr, ist auf das Jubiläum „500 Jahre Reformationsbeginn“ im damaligen Herzogtum Pfalz-Veldenz-Zweibrücken zurückzuführen: 1523 hatte Pfalzgraf Ludwig II. in Zweibrücken den Luther-Schüler Johann Schwebel zum Hofprediger berufen. Dessen Predigten führten 1533 zu einer ersten evangelischen Kirchenordnung, die die Grundlage für die protestantische Neuordnung in den Pfarreien des Herzogtums legte. 1557 fand die Reformation im Zweibrücker Land ihre Vollendung, als Herzog Wolfgang die lutherische Kirchenordnung verbindlich einführte und die Pfalz-Zweibrückische Landeskirche gegründet wurde.

Feierlicher Auszug der Ordensbrüder.
Feierlicher Auszug der Ordensbrüder.

Bereits am Samstag hatten sich die Ordensmitglieder unter der Leitung ihres Regierenden Kommendators Wittigo von Rabenau im Kloster Hornbach zur Ritterversammlung zusammengefunden. Pfarrer Bernhard Bonkhoff hielt dort einen Vortrag über die Anfänge der Reformation in Pfalz-Veldenz-Zweibrücken. „In Hornbach“, so Harald Leyser, „haben am Samstag auch die im Johanniterorden organisierten Untergliederungen und Hilfsgemeinschaften ihre Jahresbilanzen gezogen.“ Eine großes Thema waren dabei Rettungs- und Hilfsaktionen, die man für die Katastrophenopfer im Ahrtal und für kriegsgepeinigte Ukrainer organisiert hat.

Gruppenbild vor dem Gotteshaus.
Gruppenbild vor dem Gotteshaus.

„In der veränderten Welt von heute“, erklärt Leyser, „versucht der Orden seinem historischen Auftrag gerecht zu werden. Er unterhält Einrichtungen der Kranken- und Seniorenpflege sowie mehrere Ordenswerke. Deren wohl bekanntestes ist die Johanniter-Unfallhilfe mit derzeit 1,2 Millionen aktiven und fördernden Mitgliedern.“ Im Bereich Rheinland-Pfalz/Saar unterhalten die Johanniter unter anderem Altenpflegeeinrichtungen bei Sinzig, ein Kinder- und Jugendpsychiatriezentrum sowie die Johanniter-Kindertagesgruppe in Neuwied sowie Tageskliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Homburg und Koblenz. Leyser: „Wir haben bereits beschlossen, dass wir unser Engagement in Homburg ausweiten wollen – zum Schutz von Kindern in Not.“

Verbriefter Bestandteil der Evangelischen Kirche

Der älteste geistliche Ritterorden wurde im 11. Jahrhundert von Kreuzrittern in Jerusalem gegründet. Später spalteten sich die protestantischen Johanniter vom katholischen Zweig des Ordens ab, der heute unter dem Namen Malteser bekannt ist. Ein Dokument des EKD-Rates von 1947 erklärte den Johanniterorden zum offiziellen Bestandteil der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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