Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Jetzt kann jeder Mieter gucken, ob er zu viel bezahlt

Ein Balkon steigert den Wert der Mietwohnung. Das Foto zeigt Häuser der Gewobau im Europaring in Ernstweiler
Ein Balkon steigert den Wert der Mietwohnung. Das Foto zeigt Häuser der Gewobau im Europaring in Ernstweiler

Wer wissen möchte, ob er zu viel Miete zahlt – oder zu wenig verlangt –, kann das seit ein paar Wochen im Internet herausfinden. Dabei spielt nicht nur die Größe der Wohnung eine Rolle, sondern auch die Ausstattung und die Lage.

Zwischen 4,67 und 4,80 Euro Miete kostet der Quadratmeter in Zweibrücken. Das ist jedoch die Basismiete, nicht die Durchschnittsmiete, wie Martin Möller von der Hamburger Beratungsfirma Analyse & Konzepte Immoconsult Anfang Februar im Stadtrat erläuterte. Die Basismiete orientiert sich alleine an der Wohnungsgröße. Um herauszufinden, ob die verlangte Miete gerechtfertigt ist, muss man aber noch andere Aspekte berücksichtigen: das Baujahr des Hauses, die Lage, die Ausstattung und den Energieverbrauch. Ein Fenster im Bad ist gut, ein Wintergarten besser. Fußbodenheizung und eine Einbauküche sind noch besser. Einfachverglasung und eine fehlende Heizung schlagen dagegen negativ zu Buche. Liegen Geschäfte, Schulen, Haltestellen, Freizeiteinrichtungen, Gaststätten und Arztpraxen näher als 250 Meter, ist das gut. Ist es weiter als 750 Meter, gibt es Abzüge.

Wer all diese Daten und Angaben zur Hand hat, kann unter omsp.analyse-konzepte.de/zweibruecken/ nachschauen, ob seine Miete im üblichen Rahmen liegt. Hierfür hat Immoconsult gut 5000 Zweibrücker zufällig ausgewählt, die zur Miete wohnen oder Wohnungen vermieten. Da es in Zweibrücken knapp 8000 Mietwohnungen gibt, ist das laut Berater Martin Möller eine „sehr, sehr große Stichprobe“. Es waren sogar 6000 Haushalte: Neben 4250 Mietern wurden 876 Vermieter angeschrieben, die 1750 Haushalten entsprechen, da oft ein Vermieter mehrere Wohnungen vermietet.

500 haben geantwortet

Allerdings haben die meisten Angeschriebenen bei der freiwilligen Umfrage gar nicht mitgemacht: Gut 5000 Haushalte haben nicht geantwortet. Vom Rest war die Hälfte nicht verwertbar, so dass noch 497 übrig blieben. Das entspricht aber immer noch 6,3 Prozent, also mehr als jede 20. Mietwohnung in Zweibrücken. Laut Martin Möller ist das ein deutlich höherer Wert, als er in Großstädten erreicht wird: In Berlin komme man auf 1,3 Prozent, in Stuttgart auf 1,9 Prozent, in Frankfurt auf 2,9 Prozent und in Hamburg auf 3,3 Prozent.

Knapp 350 der herangezogenen Wohnungen liegen in der Innenstadt, 67 in Niederauerbach und jeweils 35 bis 40 in Ixheim und Ernstweiler/Bubenhausen. In den Vororten sind es nur jeweils eine bis vier. Mehrfamilienhäuser machen den Großteil der Mietwohnungen aus: 85 Prozent. Drei Viertel wurden zwischen 1949 und 1978 gebaut, nur wenige vor 1919 und nach 2005.

Je größer die Wohnung, desto billiger der Quadratmeter

Anhand der Antworten hat Immoconsult zunächst die Basismiete aufgrund der Wohnfläche errechnet. Die liegt zwischen 4,67 Euro pro Quadratmeter für große Wohnungen bis 150 Quadratmeter und bei 4,80 Euro pro Quadratmeter für kleinere Wohnungen ab 30 Quadratmeter. Im zweiten Schnitt wurde geschaut, wie sich verschiedene Merkmale wie Alter, Lage und Ausstattung auf die Miethöhe auswirken. So gelangt man zu einer ortsüblichen Vergleichsmiete. Zahlt man zehn Prozent mehr oder weniger als diese Vergleichsmiete, liegt das noch in einer annehmbaren Preisspanne.

Dass die Stadt einen Mietspiegel erstellen lässt und dafür 14.000 Euro ausgibt, macht sie aber nicht nur für die Mieter und Vermieter, sondern auch für sich selbst. Den passenden Mietpreis zu kennen, ist zum Beispiel wichtig für das Bauamt und das Sozialamt. Auch die städtische Tochterfirma Gewobau nutzt den Mietspiegel – und beteiligt sich zur Hälfte an den Kosten. Der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft sprach Berater Möller auch ein Lob aus: Mit der Gewobau habe Zweibrücken ein städtisches Unternehmen, das kein Preistreiber sei.

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