Zweibrücken Jetzt die Hochzeitsreise nachholen

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Zweibrücken. „Sag beim Abschied leise servus“, heißt ein Lied. „Servus“ sagt am Sonntag Uwe Schumann beim Handball-Oberligisten VT Zweibrücken-Saarpfalz nach der Partie gegen den TV Bitburg (18 Uhr, Westpfalzhalle). Leise wird er es nicht tun, sondern wie immer mit dem Mikrofon in der Hand. Nach elf Jahren verabschiedet sich die „Stimme der VTZ“ als Hallensprecher.

„Ich habe immer gesagt, wenn ich 70 Jahre alt werde, ist Schluss“, sagt Schumann. Am 16. Mai feiert er seinen 70. Geburtstag. Dort, wo man zum Abschied servus sagt: in Österreich. „Ich mache meine Hochzeitsreise noch mal“, verrät er. Wien und Salzburg besucht er mit Ehefrau Ilse. Bei der eigentlichen Hochzeitsreise plagte ihn ein Darm-Virus. Deshalb die Wiederholung, verrät Schumann schmunzelnd. Zeit will er sich jetzt nehmen, mal Bundesliga-Handball schauen, mal seinen Freund Velimir Petkovic besuchen, der den Zweitligisten ThSV Eisenach trainiert. Keine Verpflichtung mehr. Der im bayerischen Oberstdorf geborene Schumann, dessen Familie es durch den Krieg bedingt ins Saarland verschlug, spielte Mitte der 60er-Jahre mit dem TuS Neunkirchen als Torwart in der Ersten Bundesliga und in der Regionalliga. Er war Abteilungsleiter beim TuS, Schatzmeister des Handball-Verbandes Saar, war als Schiedsrichter aktiv, arbeitete als Trainer, speziell auch als Torwarttrainer, und war als Vize-Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in den 90er-Jahren für die Themen Finanzen und Marketing zuständig. Der frühere Finanzbeamte hat alle Facetten des Handballsports kennengelernt. „Deshalb kann ich zu allem was sagen“, sagt er lachend und ergänzt: „Mache ich aber nicht“. Im Alter wird man ruhiger. Auch am Mikrofon. Ein geflügelter Satz Schumanns, wenn das Mikrofon aus war: „Soll ich dem Schiedsrichter jetzt noch sagen, was er pfeifen soll?“ Tat er natürlich nie. Den Kontakt zu den Schiedsrichtern, auch mal ein strengerer Blick von den Herren in Schwarz, „das habe ich wirklich immer gern gemocht“, sagt er. Eine Strafe kassierte er nie. Fachsimpeleien, was zu lachen, was zu schimpfen, gab es am Hallensprechertisch immer. Vor allem, als Dieter Schmidt noch mit am Tisch saß, Statistik machte. „Das waren die schönsten Jahre, Dieter ist ja sehr fachkundig“, sagt Schumann. Für einen Hallensprecher sei Kommunikation wichtig. „Man muss wissen, was im Verein läuft, um die richtigen Worte zu finden“, steht für ihn fest. Als Sohn Kai als Spieler zur VTZ wechselte, fand der Neunkircher den Weg nach Zweibrücken. Mit dem Handball weltweit unterwegs – Skandinavien, Frankreich, Portugal, Mexiko, und quasi omnipräsent, wurde auch in Zweibrücken schnell die Frage diskutiert, wie Schumann der VTZ helfen könnte. „Damals war die Position des Hallensprechers verwaist. Ich wurde gefragt, und schwätzen kann ich ja“, erzählt Schumann schmunzelnd, wie er zum Mann am Mikrofon wurde. Mit dem früheren VTZ-Vorsitzenden Horst Grub verbindet ihn seit dieser Zeit eine Freundschaft. Die Musik, passgenaue Einspiel-Titel von maximal einer Minute, stellte ihm immer ein Freund zusammen. Die diversen Vorlieben der Spieler, was die Musik beim Aufwärmen anbelangt, hat er kennengelernt. Johannes Leffer sei in Sachen Musik beispielsweise immer sehr aktiv gewesen, verrät er. Der Musikgeschmack: „Nicht immer meiner“, bekennt er. Auch nicht die Musik „Zirkus Renz“, die er mindestens einmal pro Spiel für Physiotherapeut Michael Franz spielte, wie er augenzwinkernd verrät. Aber es sei eines der Stücke, dass das Zweibrücker Publikum zum Mitklatschen animierte. Er hat für die VTZ-Spieler slowakische Musik gesucht, gefunden und gespielt. „Nur Musik aus Lettland war nicht zu finden“, sagt er. Die ersten Jahre in der Regionalliga, als Sohn Kai spielte, das Aufstiegsjahr in der Oberliga, die Saison in der Dritten Liga, „das hat als Hallensprecher mit am meisten Spaß gemacht“, betont er. Als Spieler sei für ihn die Partie TuS 1860 Neunkirchen gegen die Reinickendorfer Füchse zur Eröffnung der TuS-Halle unvergessen. Bis 18 Uhr hätten die Spieler an der Halle gearbeitet, um 20 Uhr gespielt und gegen den Favoriten gewonnen. Heute im Handball „eher nicht mehr denkbar“, sagt er. Alles habe im Leben seine Zeit. Nun endet seine Zeit am Mikrofon.

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