Zweibrücken „Jedzd soll des Drama nochmo velängerd werre“

„In kenner Sitzung, in kenner Midgliedervesammlung vun de domolische Werbegemeinschaft isses vegess wor: Immer war ma sich eenisch, dasses ned guud fa de Handel war, wie de Landkreis Zweebrigge uffgeleesd wor is!“ Max-Ludwig Frank schimpfte stets gegen die Verwaltungsreform im Jahr 1972, Jakob Roth, der frühere Vorsitzende sowieso, bei seinem Stellvertreter Kurt Breiner hörte man deutliche Worte gegen diese politische Entscheidung. Auch Hermann Wagner protestierte dagegen, und Walter Meyer tat das lautstark wie immer. „Die Leid werre wegbleiwe“, warnte man früh. Man hörte das, wenn Geschäftsführer Herzberger zum IHK-Treffen eingeladen hatte und wenn sich die Handwerker trafen, machte auch Fritz Hilgert deutlich, dass er diese Mainzer Entscheidung nicht für klug hielt. Das Landratsamt in der Landauer Straße (seit damals Sitz der Verbandsgemeinde) war Anlaufstelle „fa die vum Land, die wo doher misse uffs Biero“. Nicht alles an einer Reform ist nur schlecht. Während die einen „unserm eichene“ Landrat Richard Kling nachtrauerten und meinten, die Selbstständigkeit wäre auf Dauer besser, legte sich der erste Verbandsbürgermeister Karl Glahn „aus Auerbach“ mit seinem vertrauten Elan ins Zeug und sorgte für neue Ideen in den Dörfern rund um Zweibrücken. Nicht alle aber konnten ihre Behördenangelegenheiten bei der Verbandsgemeinde klären. Manches machte eine Fahrt nach Pirmasens notwendig. Und wer nicht mehr nach Zweibrücken aufs Amt musste, kaufte auch nichts mehr in den heimischen Geschäften ein, die das zuvor beklagt hatten. Wer nicht mehr „beim Grünfelder uff de Kreisschbarkass“ Geld holte, gab es auch nicht „gejeniwwer bei Sinne“ wieder aus. Keine karierten Hemden mehr von Fritz Besenbruch, keine „Schaffanzüge“ vom Wagner und all die anderen Dinge, die es damals noch bei inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften zu kaufen gab. Es kamen auch weniger Kunden mit der Bahn nach Zweibrücken – viele fuhren von Contwig oder Dellfeld in die andere Richtung „zu de Schlabbeflicker“. Die „Herzogsnarren“ hatten durch die Verwaltungsreform verloren. Auch wenn es für Zweibrücken neue Stadteile gab und einige andere Zusammenlegungen. Es brachte keinem etwas zu betonen: „Hammers ned gesaad?“ Es war nicht die große Entscheidung allein, es folgten weitere Entscheidungen mit neuem Sitz in Pirmasens, die weh taten: Das galt für IHK und Kreishandwerkerschaft, für die Gewerkschaft, das galt für die AOK und eine Vielzahl behördlicher Einrichtungen. „Die gewwe ned eher Ruh, bisse alles in Bermesens hann!“ wurde geklagt. Manchmal sah es auch so aus. „Siehners“, hieß es dann mit viel Enttäuschung. Ganz klar, dass man aus dieser Erfahrung heraus nun die Ohren spitzt, wenn es um die neuen Mainzer Pläne geht, den Städten Pirmasens und Zweibrücken ihre Kreisfreiheit zu nehmen. Natürlich steht das Sparen im Vordergrund der Überlegungen. Dass hier aber auch Zweifel angebracht sind, ist verständlich: „Glaab nur ned, dass dessweh wennicher Vewaldunge gebrauchd werre!“ Die Debatten von damals, auch wenn sie fast ein halbes Jahrhundert zurückliegen, sind in guter Erinnerung – leider nicht mehr bei allen. Warten wir es halt wieder ab „im Pirmasenser und Zweibrücker Land“, wie es auf dem Heimatkalender seitdem heißt.