Zweibrücken / Saarbrücken
James Boyle: Der Song, der Jennifer aus der Sucht half
War es für den Sänger schwer, über die Schwierigkeiten seiner Schwester ein Lied zu schreiben? „Manchmal springen mir ganze Strophen in den Kopf. Also quasi fix und fertig. Das war auch so ein Lied“, antwortet der Saarbrücker Boyle, der einst als amerikanischer Soldat nach Ramstein kam und erst in Zweibrücken und dann Saarbrücken eine neue Heimat fand.
Die musikalische Komposition, hier komplett von Gitarrist Michael Reufsteck, gibt es schon lange. „Eine erste Version der Strophe hatten wir vor zwei Jahren bei einem Jam im Proberaum gemacht. Daran anlehnend hatte ich den Text geschrieben und habe dann etwas an der Melodie geändert. Nur der Refrain hat noch gefehlt. Ich war mir selber nicht sicher, ob der Song ein bisschen zu kitschig ist. Weil der ist jetzt eine Stadion-Ballade.“
Der Song klingt eher hart
Wobei der Song eher hart klingt und somit dem Klang der Konzerte von Honey Creek erstaunlich nahekommt; was vor allem am kräftigen und zupackenden Schlagzeugspiel Joan Massings liegt. Für den Klang des Schlagzeugs ist übrigens Johannes Donner verantwortlich, der Sohn des Honey-Creek-Ex-Drummers Martin Donner. „Der produziert auch unsere nächste Single mit“, berichtet James Boyle.
Blues-Puristen dürften mit „Pretty Little Sister“ in der Tat wenig anfangen können. Aber Honey Creek beschreitet ja schon länger Wege, die die Band auch in andere musikalische Richtungen führen. Am deutlichsten hörbar tat sie das zuletzt mit ihrem „Honey Creek Groove“; aus der CD „Rattlesnake And The Junkyard Dog“. Das ist ein fetziges Stück Funk. Mit einer Gitarre, wie man sie von den besten Songs der Red Hot Chili Peppers kennt.
Eine Stadion-Ballade für die Schwester
James Boyle singt nun also diesmal eine Stadion-Ballade, in der es um seine Schwester Jennifer geht. Jennifer ist eine Frau, die in ihrem Leben lange Stärke gezeigt hat, auch für ihre Brüder. Nach außen strahlt sie, obwohl es in ihrer Seele anders aussieht. James singt in „Broken Little Sister“ auch über einen Engel, der über sie wacht. Der Engel ist James Boyles Bruder Kevin. Kevin ist vor etwas mehr als zwei Jahren einem Krebsleiden erlegen. „Gerade als Corona losgegangen ist. Als ich von seiner Beerdigung zurückgeflogen bin, haben sie am Flughafen angefangen mit Temperaturmessungen.“
Um den Hintergrund zu „Broken Little Sister“ nicht verheimlichen zu müssen, „wollte ich Jennifers Erlaubnis. Ich wollte erzählen zu dürfen, um was es in dem Lied geht. Dass es nicht einfach nur gefloskelt ist.“ Nachdem Boyle ihr den Song dann noch vorgespielt hatte, ist sie freiwillig in eine Suchtklinik gegangen und seit vier Monaten trocken.
Folgt ein Song über den verstorbenen Bruder
Wie persönlich sind Boyles Texte in der Regel? „Wie Broken Little Sister schreibe ich ganz viele meiner Lieder. Ich erzähle es nur nicht immer. Wenn man sich ,All That I Want’ anhört, das habe ich für meine Frau geschrieben. Zu unserem Jahrestag.“ Diese zurückhaltende Ballade ist, wie der „Honey Creek Groove“, ebenfalls auf „Rattlesnake and the Junkyard Dog“ zu hören.
„Broken Little Sister“ könnte noch ein Lied über James Bruder Kevin folgen. „Ich habe ja schon vor zwei Jahren einen superlangsamen Gospel geschrieben. Ich muss ihn nur tatsächlich irgendwann aufnehmen.“