Zweibrücken
Jacks Bier Ensemble sorgt mit Theaterstück im Hofenfels-Gymnasium für viel Gelächter
Wo normalerweise der Schulchor brave Lieder singt, gaben sich am Freitagabend bei Jacks Bier Ensemble anzügliche Zoten, Namensverballhornungen tatsächlich existierender Persönlichkeiten und derbe Späße die Klinke in die Hand. In vielen Jahren haben sich die Ensemblemitglieder den Ruf erarbeitet, Theaterstücke mit viel Lokalkolorit und zuweilen mit aktuellem politischen Bezug umzuschreiben und die Personen nicht nur zu erfinden, sondern Persönlichkeiten aus dem Zweibrücker Mikrokosmos eine wenn auch zuweilen unfreiwillige Bühne zu bieten.
Lust im Grandhotel Luftschluss
So nahmen die Laiendarsteller auch am Freitag vor ausverkauftem Saal kein Blatt vor den Mund. Anders als der Titel des Zweiakters vermuten lässt, geht es in dem Stück nur am Rande um das noch immer unbebaute Gelände der ehemaligen Parkbrauerei. Fremdgehen und die Zweibrücker Christdemokraten, welche die Schauspieler und Schauspielerinnen grandios verkörpert haben, stehen im Mittelpunkt. CDU-Chef Christopher Genscher – Genschman genannt und gespielt von Theatergruppen-Namensgeber „Jack“ Ralf Gober – und seine liebesbedürftige Frau Julia Glöckler-Genscher (Martina Stegner-Legner) steigen im Grandhotel Luftschloss ab. Während es der Machtmensch Genscher mithilfe seines CDU-Dieners Pascal Thaler (gespielt von Thomas Schmidt) auf die dralle Rosenkönigin Perla (Sandy Nagel) abgesehen hat, kommt Thaler selbst unter die Räder der amourösen Verwechslungskomödie. Obwohl er noch bei seiner Mama wohnt, muss er Julia Glöckler-Genscher den Rücken schrubben und für ihre Gelüste herhalten. Immer werden sie gestört vom Hotelbesitzer Zaddera (Josef Reich) und dem slapstickerprobten chinesischen Kellner Long Ding, der herrlich blödelnd gespielt wird von Stefan Wirth. Zimmermädchen Rosa (eine der beiden Rollen von Sigrid Sebald), das lispelnd dem realen Vorbild nahekommt, verfolgt seinen eigenen Plan.
Diskussion rund um „Haschgift“
„Ich hätt’ gern Schaumwein unn Lachweck bestellt“, spricht Thaler ins Telefon, als er mit der Hotelrezeption redet. „Welcher Jahrgang? Ei frische Lachsweck“, sagt er, ohne eine Miene zu verziehen. Einer von sehr vielen lustigen Momenten des fast dreistündigen Stücks, wobei Mimik und schauspielerische Leistung die Witzigkeit der Dialoge in den Schatten stellen. Es geht im Rathaus um die politische Diskussion rund um „Haschgift“, in den Hotelzimmern um die Größe des neuen roten Schlüppers von Julia Glöckler-Genscher. Und darum, dass die Ixheimer Kaltluftschneise besser für die Gesundheit von Dr. Christopher Genscher sei, den „blonden Siegfried der Zweibrücker Christdemokratie“. Und als Genscher von seinem Parteisklaven Thaler verlangt, dass dieser für zweienhalb Stunden sexuell geprägter Auszeit mit der Rosenkönigin ein weiteres Doppelzimmer im Hotel reserviert, antwortet der entsetzt: „Aber Dr. Genscher, ich hann gedenkt, sie hätte mit denne Spielcher uffgeheert.“
Das Publikum hatte viel zu lachen. Immer wieder Anspielungen auf Charaktereigenschaften, reale Namen und echte Begebenheiten machen das Theaterstück zu einem Meisterwerk, das man gesehen haben sollte.