Zweibrücken Ja, ist denn schon Weihnachten?
Es weihnachtete im Contwiger Rathaus. Am Samstagabend fand eine szenische Lesung statt, die weihnachtlicher nicht sein könnte. Neben Waltraud E. Geist und Alexandra Hanke, die auch am Buch mitgewirkt haben, lasen die Zweibrückerin Barbara Danner-Schmidt, Nadine Lang aus Contwig und die Herausgeberin Marion Bischoff aus Clausen aus ihrem gemeinsamen Buch „Lichter im Advent“ (wir berichteten am 17 Oktober).
Heidrun Hiller, die Leiterin der Contwiger Bücherei, hat sich wieder viel Mühe gemacht: Plätzchen stehen auf den Tischen, für Getränke hat sie auch gesorgt. Eine weihnachtliche Atmosphäre liegt über dem Raum, und das nicht nur des Adventsbuchs wegen. Für musikalische Untermalung sorgen Isabelle Wernicke und Charlotte Freyler. Die jungen Frauen engagieren sich auch ehrenamtlich in der Bücherei. Vor der eigentlichen Lesung singen sie im harmonischen Duett eine moderne Version von „Jingle Bells“. Mit Flöte und Gitarre sorgen sie dafür, dass es den Gästen in der Pause nicht langweilig wird. Aber zuvor ist die Bühne frei für die Autorinnen, die zusammenkamen, als Marion Bischoff einen literarischen Adventskalender schaffen wollte. „Ich hatte die Idee letztes Jahr im Herbst. Da hatte ich mich an 29 Autorinnen gewandt, mit denen ich in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet habe“, erklärt die Autorin aus Clausen. „Ich dachte, wenn sich 24 Personen zurückmelden, können wir 24 Geschichten daraus machen. Aber es hat keine abgesagt. So kam es, dass wir 25 Adventsgeschichten hatten – eine Bonusgeschichte vom Weihnachtsmann an Heiligabend – und zusätzlich noch vier Geschichten zum Vorlesen für Kinder ins Buch genommen haben. Die Geschichten sind in den unterschiedlichsten Genres geschrieben. Ob sie zum Lachen sind oder nachdenklich machen sollen – am Ende steht immer die Hoffnung, wie Sie zum Schluss merken werden. Und der Adventskalender ist garantiert kalorienfrei!“ Es ist eine schöne Idee, die Marion Bischoff in die Tat umgesetzt hat. Das Buch strotzt nur so von schönen Geschichten, die gerade in der heutigen Zeit aktueller denn je sind. Die fünf Autorinnen lesen über elementare Themen wie Zusammenhalt, Liebe und Fürsorge. „Ich habe lange überlegt, ob ich eine Geschichte über den Barbaratag schreiben soll“, erzählt Barbara Danner-Schmidt. „Ich habe zu meinem Jahrestag – dem Barbaratag – immer was geschenkt bekommen. Aber einmal hat meine Oma mir mal einen viel zu großen Mantel in Jagdgrün geschenkt. Ihr Kommentar: Do wachscht du noch rinn.“ Viele Lacher begleiten die Zweibrückerin. Sie liest aus ihrer Geschichte „Mutproben“, die von Julia und ihrem Onkel Hubert erzählt. Der hat seit dem Tod seiner Frau keine Lebensfreude mehr. Aber seine Nichte hat heimlich etwas arrangiert. Danner-Schmidt liest ihre Geschichte sehr atmosphärisch. Sie ist witzig, bringt einen aber gleichzeitig auch zum Nachdenken. Nicht nur humoristische Geschichten sammelt das Buch, sondern auch nachdenkliche über das Leben und seinen Sinn. So zeichnet Waltraud E. Geist in ihrer Geschichte „Der Wunschbriefkasten“ Charaktere, die mit Verlust, Trauer und Ängsten zu kämpfen haben. So auch die Figur des jungen Hendrik, der, wie sich noch herausstellt, Wunden auf der Seele hat, die tiefer gehen, als jeder sehen kann. Eine Frau, die hinter vorgehaltener Hand als Hexe bezeichnet wird, weil sie genau weiß, was jeder braucht, spielt eine wichtige Rolle. Sie betreibt einen Laden, für den der einsame Hendrik arbeitet. Sie gibt ihm die Anweisung, einen Wunschbriefkasten einzurichten. „Jeder Wunsch wird in Erfüllung gehen, wenn du den Briefkasten an jedem Adventssonntag unter den echten Briefkasten vor dem Laden klemmst und die Briefe am Weihnachtstag verbrennst“, liest die Autorin akzentuiert. Nicht nur wegen der Plätzchen, die auf den Tischen stehen, sondern auch von den Geschichten her hat man das Gefühl, es stünde schon Weihnachten vor der Tür. Denn die Geschichte nimmt einen unerwarteten Verlauf, als der einsame Hendrik die von Trauer geplagte Samira kennenlernt. Sie, so sagt man, sei schwer misshandelt worden. Da Hendrik selbst einen Wunsch eingeworfen hat, will er die Briefe im Wunschbriefkasten schon vor Weihnachten verbrennen. Mitten in den Flammen, die die Wünsche vertilgen, sieht er Samira. Die beiden sehen einander an, und sie spüren beide die Einsamkeit im Herzen des anderen. Während die Flammen an den Briefen züngeln, sehen sie sich wortlos an. Die fünf Autorinnen gestalten den Abend sehr unterhaltsam. Alexandra Hankes Geschichte des „Krippengesprächs“ lesen sie im Quintett, was für viel Abwechslung sorgt. Die sympathischen Autorinnen haben ein Werk der Gemeinsamkeit geschaffen. Die Lesung hat gezeigt, dass es in der Adventszeit nicht nur lustiger Geschichten bedarf, sondern auch Geschichten, die tiefgründig und nachdenklich daherkommen. Geht es doch an Weihnachten vor allem um eines: Liebe, Zusammenhalt und füreinander da sein.