Handball
Jürgen Kroner ist beim SV 64 Zweibrücken der Herr der Spielplan-Tabelle
Jürgen Kroner, Abteilungsleiter der Handballer des SV 64 Zweibrücken, erstellt vor jeder neuen Saison den Spielplan für alle Mannschaften des Vereins. In diesem Jahr sind das 19 Teams, in der vergangenen Saison war es sogar die Rekordzahl von 21 Mannschaften. „Das sind von der ersten Herrenmannschaft bis zur F-Jugend dann 400 bis 500 Spiele pro Saison, die zu planen sind. Ich hab’ sie aber nie gezählt“, verdeutlicht Kroner lachend. Wie bekommt man die alle unter einen Hut?
Das ist sein ganz spezielles Sommervergnügen: Anfang, Mitte Juni geht es los mit der Planung, bis Mitte August will er damit durch sein. Klar, Anfang September geht ja auch schon die neue Runde los. Wenn die Sommerferien ungünstig liegen, hatte er seinen Laptop, der für diese Arbeit unentbehrlich ist, auch schon im Urlaub dabei.
Auf glühenden Kohlen
Seit 2017 ist Jürgen Kroner Abteilungsleiter der SV-Handballer. Er hat den Job damals von Christian Gauf übernommen, als der Bürgermeister wurde. „Ich bin über die Kinder dazu gekommen, hab’ quasi als Zeitnehmer angefangen“, erzählt er. Maximilian spielt inzwischen im ersten Jahr in der A-Jugend und macht die Vorbereitung der ersten Mannschaft mit, der jüngere Vincent jagt im ersten C-Jugend-Jahr dem Ball hinterher. Für die Fahrdienste ist meist Mama Isabelle zuständig. Jürgen Kroner selbst hat früher Fußball und Tennis gespielt. Normalerweise hält sich Kroner, der als Maschinenbau-Ingenieur für eine Prüfinstitution in Saarbrücken arbeitet, mit Laufen fit. Derzeit setzt ihn aber eine Knieoperation aus dem Januar noch außer Gefecht.
In der vorletzten Juliwoche sitzt Kroner ein bisschen auf glühenden Kohlen. „Die Raster der RPS-Oberliga für die Spiele der ersten Herren- und Frauenmannschaft sowie die der Jugend sind da. Aber die vom Handball-Verband Saar für die Jugend fehlen noch“, erklärt Kroner, was ihm gerade Schwierigkeiten bereitet. Denn damit kennt er zwar die vorgegebenen Spieltermine in der Oberliga, das allein nützt ihm noch nicht so viel. Auf der Internetseite „Handball4All“ terminiert er über seinen Planungszugang mit der Kennziffer des SV 64 die einzelnen Oberliga-Spiele, ändert Uhrzeit und die Halle oder tauscht das Heimrecht.
Papier im Saarland
Vom Handball-Verband Saar kommt das Raster immer noch klassisch auf Papier, der Deutsche Handball-Bund nutzt für die Dritte Liga oder die A-Jugend-Bundesliga wieder ein anderes Portal. Bei „Handball4All“ kann Kroner, der auch Pässe beantragt und wechselwillige Spieler abmeldet, schon jetzt jeden einzelnen Spieler für die neue Saison eintragen. Die Trainer müssen dann vor einem Spiel nur noch den aktuellen Kader der Altersklasse anklicken.
Ein richtiges Programm für die Spielplangestaltung gibt es indes nach seiner Aussage nicht. Ohne seine eigene, wichtige Excel-Tabelle für die Spielplangestaltung läuft daher gar nichts. „Ohne die wäre ich echt aufgeschmissen. Die brauche ich unbedingt, weil ich da alles auf einen Blick habe“, gibt er unumwunden zu. Marcel de Gruisborne, der Tausendsassa in Sachen IT beim SV 64, hatte die Datei mal für Christian Gauf aufgebaut, „ich habe sie dann verfeinert“, sagt Kroner.
Puzzlerei mit Totensonntag
In besagter Excel-Tabelle legt er SV-Heimspiele in grüner Schrift an, die Partien auswärts in Rot. Spiele in der Westpfalzhalle sind grün unterlegt, die in der Ignaz-Roth-Halle blau. Und dann geht die Puzzlerei oder das Sudoku los. Denn es gibt ja Durchführungsbestimmungen, die einzuhalten sind: Jugend-Teams in der Oberliga dürfen nicht vor 14 und nicht nach 18 Uhr spielen, außer die A-Jugend. Die Halle muss zu einem bestimmten Zeitraum vor dem Spiel frei sein. „Da gibt es genaue Zeitfenster, die kenne ich inzwischen aber auswendig“, sagt Kroner. Und es gibt Tage wie den 21. November des vergangenen Jahres (Totensonntag), da darf vor 13 Uhr gar kein Sport getrieben werden.
Dazu kommt eine weitere Schwierigkeit neben angestammten Heimspielterminen der Herren 1 samstags um 18 Uhr oder der Frauen 1 sonntags um 16 Uhr. „Wir haben Jugendtrainer, die auch aktiv spielen wie zum Beispiel Annalena Frank, die unsere weibliche A-Jugend trainiert. Da kann die A-Jugend nicht gleichzeitig auswärts spielen, wenn unsere erste Mannschaft zu Hause spielt“, erläutert Kroner. Genauso war es vergangene Saison mit der dritten und der ersten Damen-Mannschaft, weil da ganz viele Spielerinnen doppelt im Einsatz waren. „Und da reden wir noch gar nicht von den Wünschen nach bestimmten Spielterminen, mit denen die einzelnen Mannschaften an mich herantreten“, sagt er schmunzelnd.
Auf zum Sportamt
Das sei das Spannungsfeld, in dem er sich jeden Sommer bewege, „und jedes einzelne Spiel muss ich in meiner Excel-Tabelle mindestens einmal anpacken“. Aber er fuchst sich gerne rein in diese Ausgabe. „Es ist ein Prozess, man muss ja auch warten, bis die Gegner geplant haben. Das spitzt sich zu bis zum letzten möglichen Tag, da wird auch mal taktiert“, weiß er.
Wenn Kroner endlich alle Termine zusammenhat, trifft er sich mit Pascal Wenzel aus dem Vorstand der VTZ Saarpfalz auf dem Sportamt der Stadt mit Mitarbeiterin Steffi Baumann. „Dann sprechen wir darüber, wer welche Hallentermine bekommt“, sagt Kroner. Denn es gibt ja auch noch andere Sportler wie die Turner, die Fechter oder die Fußballer, die für größere Veranstaltungen mal eine der beiden großen städtischen Hallen brauchen.
Nachfolger im Aufbau
Jürgen Kroner hat den Job als Abteilungsleiter damals von Christian Gauf übernommen. „Im ersten Jahr habe ich den Spielplan noch mit Christian gemeinsam gemacht.“ Bei der Planung jetzt sitzt der junge Tim Warmbein schon häufig neben dem Abteilungsleiter und wird in die Materie eingearbeitet. „Damit einer Bescheid weiß, falls ich mal ausfalle“, baut Kroner so klug vor.