Zweibrücken Interview: Was macht eigentlich ... Johanna Becker?: „Denke oft, ich bin noch nah dran mit 28 Jahren“
Ich habe mich mega gefreut (lacht). Es war wirklich notwendig, dass die Ferien anfangen. Die Kollegen hatten mich schon vorgewarnt, dass der November und der Dezember außergewöhnlich stressig sind. Wir hatten viele Sonderveranstaltungen wie Elternsprechtage. Und ich hab’ an meiner Schule ja auch eine Klassenleitung in einer achten Klasse ... Schule ist ein gutes Stichwort. Wo arbeiten Sie denn derzeit? Ich bin am Leibniz-Gymnasium in Dormagen und querbeet eingesetzt. Ich habe Klassen in der Mittel- und Oberstufe, aber auch zwei sechste Klassen. Im Moment gebe ich mehr Sport als Mathematik, würde aber gerne mehr Mathe machen. Im Großen und Ganzen geht’s mir sehr gut da. Sie wohnen im Kölner Stadtteil Zollstock. Wie klappt es von dort nach Dormagen mit dem berühmt-berüchtigten Kölner Verkehr? Von Zollstock sind es eigentlich nur 25 Kilometer nach Dormagen. Ich muss aber durch die Stadt. Nach den Herbstferien habe ich für die Strecke immer zwischen 40 und 60 Minuten gebraucht. Das geht einem schon sehr stark auf die Nerven. Ich suche auch schon eine andere Wohnung ... Direkt in Dormagen? Nein, Dormagen ist keine Option. Mein Leben spielt sich seit meinem Studium in Köln ab. Was machen Sie an ihrem ersten Ferientag? Also zunächst telefonieren wir ja gerade miteinander (lacht). Dann muss ich wegen letzter Weihnachtsgeschenke noch in die Stadt. Dann wird gepackt, und es geht ab nach Zweibrücken. Da feiern wir wie immer alle zusammen – Papa, Mama, meine Schwester und mein Opa Paul Geib – bei meinen Eltern Weihnachten. Wie lange ich dann dableibe, weiß ich noch gar nicht. Bei uns geht die Schule erst am 7. Januar weiter. Sie haben viele Jahre bei der VT Zweibrücken geturnt, Mehrkampf gemacht und auch Nachwuchs bei der VTZ trainiert. Wann haben Sie gewusst, dass der Lehrberuf das Richtige für Sie ist? Also, in der Schule noch nicht. Ich war zwar im Sport-Leistungskurs bei Werner Kraft, zusammen mit Schülern vom Hofenfels-Gymnasium. Aber da hat mich mehr der Inhalt interessiert. Was hat dann den Ausschlag für Ihre Entscheidung gegeben? Ich glaube, das kam schon mit der Geburt meiner drei Jahre jüngeren Schwester Paula, mit der ich mich gerne beschäftigt habe. Mit 17 Jahren habe ich dann meinen Trainerschein gemacht und gemerkt, dass es mir Spaß macht, anderen was beizubringen. Sie haben dann an der Deutschen Sportschule in Köln Sport studiert. Da ist ja schon die Eignungsprüfung nicht ganz leicht ... Die ganzen Einzeldisziplinen waren für mich als Allrounder unproblematisch. Das einzige, wovor ich Angst hatte, war der Ausdauerlauf am Ende. Aber ich hatte mich an dem Tag zum Glück mit einer Handballerin angefreundet, die hat mich dann quasi mit ins Ziel gezogen (lacht). Im Studium bin ich dann ganz gut durchgekommen, Mathematik hat ein bisschen länger gedauert. Danach kommt üblicherweise das Referendariat. Für manch angehenden Lehrer ist das ein Praxisschock. Wie war es bei Ihnen? Also ehrlich: Das Referendariat war der Horror. Ich war am Studienseminar Vettweiß, und der Druck, der da von außen auf einen ausgeübt wurde, war riesig. Zusätzlich zu dem, den man sich als gewohnt ehrgeiziger Sportler sowieso selbst macht. Nach dem Referendariat hab’ ich echt gedacht, dass ich doch nicht in den Beruf will ... Warum haben Sie sich doch noch mal umentschieden? Aus zwei Aspekten: Nachdem mein Jahrgang 2018 fertig geworden ist, hab’ ich im Mai und Juni eine Vertretungsstelle an einer Schule in der Kölner Innenstadt bekommen. Da war es dann total anders, das hat wirklich Spaß gemacht. Und dann hat sich der Vorsitzende meiner Prüfungskommission bei mir gemeldet. Der ist Schulleiter an meinem jetzigen Gymnasium, hat mich eingeladen, mir das mal anzuschauen und hat mir dann eine Planstelle angeboten. Jetzt bin ich hier unbefristet angestellt und verbeamtet auf Probe. Wie ist es für Sie im Unterricht? Ich denke ganz oft, dass mit meinen 28 Jahren noch ganz nah dran bin an den Schülern. Im Sportunterricht macht jede Klasse was anderes. Ins Thema Basketball für die Qualifikationsstufe 2 musste ich mich zum Beispiel definitiv noch mal richtig reinlesen. Was macht ihr eigenes Sporttreiben? Ging da überhaupt was während der beruflichen Ausbildung und dem Ankommen im Beruf ? 2011 hab’ ich mich hier im meinem Verein TuS Köln-Ehrenfeld angemeldet. Da betreue ich seit vier, fünf Jahren als Trainerin im Team mit einer Kollegin die Turnminis, die sind jetzt sieben, acht Jahre alt. Die sind hier bei Kölner Wettkämpfen schon extrem erfolgreich, haben zuletzt das ganze Podium besetzt. Für die 9,3 Kilometer zur Trainingshalle muss ich übrigens noch mal mitten durch die Start ... Gehen Sie noch selbst an die Geräte? Ich turne in einem Ligensystem noch selbst für den Klub, gehöre auch nächstes Jahr wieder zur Mannschaft. Erst wenn der Körper sagt: Jetzt ist Ende, höre ich auf. Und der Mehrkampf ist ein Thema, auf das Sie auch immer noch Lust haben? Wenn der Körper mitmacht, war der Plan schon, das noch mal zu machen. Ich trainiere schon seit Juni wieder einmal wöchentlich Leichtathletik. Aber für 2019 hängt die deutsche Meisterschaft in der Schwebe, weil sich noch kein Ausrichter gefunden hat. Im Mehrkampf würde ich auch für die VT Zweibrücken starten, da hängt mein Herz immer noch dran. Das Herz hängt an Zweibrücken. Ist eine komplette Rückkehr in die Pfalz für Sie eine Option? Man soll zwar nie nie sagen. Aber nein, das war bis jetzt nicht relevant. Und ich kann es mir in den nächsten fünf bis zehn Jahren auch nicht vorstellen. Vier-, fünfmal im Jahr bin ich aber bei meiner Familie und treffe mich auch immer mit einer sehr guten Freundin, die ich von der Geburt an kenne. Frau Becker, ich danke Ihnen für das Gespräch. Frohe Weihnachten!