Zweibrücken
Innenstadtentwicklung (1): Hochschule verjüngt die Bevölkerung
Die Planungsbüros Kokonsult (Offenbach) und Tobe-Stadt (Frankfurt) haben im Auftrag der Stadtverwaltung ein Entwicklungskonzept für die Innenstadt erarbeitet. Es dient als Grundlage, um für verschiedene Projekte Fördergelder bei Bund und Land zu beantragen. Es geht dabei um bis zu zwölf Millionen Euro.
In ihrer Analyse haben die beiden Büros mitunter unerwartete Erkenntnisse gewonnen. Nach einem deutlichen Bevölkerungsrückgang zwischen 1995 und 2010 hat sich die Einwohnerzahl zuletzt bei rund 34.000 stabilisiert. Während in Deutschland die Anzahl der Rentner zwischen 65 und 75 Jahren steigt, nimmt in Zweibrücken in dieser Altersgruppe die Anzahl ab. Als mögliche Ursache nennen die Planer eine geringe Attraktivität Zweibrückens für Menschen nach Ende ihres Berufslebens. Dass sich die Stadt bei der Anzahl der 18- bis 30-Jährigen positiv vom rückläufigen Bundestrend abhebt, überrascht weniger. Hierfür dürfte der Erfolg des Hochschulstandorts verantwortlich sein, an dem über 2600 jüngere Menschen studieren. Diese besser ins Stadtleben zu integrieren und an die Stadt zu binden, ist für die Planer ein erstrebenswertes Ziel.
Früheres Terex und Parkbrauerei nicht im Plangebiet
Kokonsult und Tobe-Stadt haben sich auch die Wohnbau-Entwicklung angeschaut und festgestellt, dass die Stadt ihren Fokus auf Einfamilienhäuser legt, die eher am gering verdichteten Stadtrand entstehen. Das könne bedeuten, dass ein Bevölkerungszuwachs abgekoppelt von der Zentrumsentwicklung stattfindet. Um das innerstädtische Wohnen als Gegenentwurf zum Einfamilienhaus zu stärken, schlagen die Planer deshalb vor, die Qualität der Innenstadt zu verbessern.
Ursprünglich wollte die Stadt auch das damalige Terex-Werksgelände mit dem Verwaltungsgebäude an der Dinglerstraße ins Untersuchungsgebiet mit einbeziehen. Nach dem Verkauf des Kranherstellers an Tadano wurde dieser Bereich aus dem Planungsgebiet herausgelöst, weil Tadano wieder Teile des Werks nutzen möchte. Da mit Manfred Schenk ein Käufer und Nachnutzer für das alte Parkbrauereigelände gefunden wurde – er will dort ein Hotel sowie ein Pflegeheim, betreutes Wohnen sowie Privatwohnungen bauen – liegt auch diese Fläche nicht im Plangebiet. Dafür aber die Fruchtmarktstraße, die einen Teil des zentralen Versorgungsbereichs bildet und stark lärmbelastet ist. Als wichtigen Bestandteil der Stadtmitte jenseits eines Konsumzentrums sehen die Planungsbüros die Grünachse mit Landgestüt und Kleinem Exe. Den westlichen Rand des Untersuchungsgebietes bildet die Kaiserstraße.
Der Einzelhandel ballt sich in der Kernlage
Den Analysten ist der unterschiedliche Charakter der Straßenzüge in Fruchtmarkt- und Hauptstraße aufgefallen. Und während sich der Einzelhandel in der Kernlage ballt, nimmt die Dichte in den Seitenstraßen schnell ab. Bei der Nahversorgung sei die Innenstadt mit dem neuen Netto-Markt neben dem ehemaligen City-Outlet gut abgedeckt. Negativ falle die hohe Leerstandsquote im Zentrum auf, die höher sei als durch die übliche Fluktuation zu erklären ist. Ladenlokale mit kleiner Verkaufsfläche seien besonders von Leerstand betroffen. Viele Leerstände gebe es in der südlichen Fruchtmarktstraße. Einzelne Leerstände gab es im Sommer 2020 an Alexander- und Schlossplatz, in der Karlstraße, am Ende der oberen Hauptstraße sowie einen Teilleerstand in der Hallplatz-Galerie und dem früheren City-Outlet, das lediglich gastronomisch und als Sportstudio genutzt wurde. Baulücken sind den Planern am westlichen Rand der Innenstadt aufgefallen.
Die Bausubstanz weist nur in wenigen Fällen gravierende Mängel auf, urteilen die Planer von Kokonsult und Tobe-Stadt. Sie verweisen darauf, dass viele bauliche Missstände bereits durch die Stadtsanierung behoben wurden. Geringen bis mittleren Modernisierungsbedarf sehen sie an Gebäuden in Innenstadt-Randlage. In schlechterem Zustand seien zudem Wohn- und Nebengebäude in Innenhoflage. Die Planer weisen darauf hin, dass die Datenerhebung nicht den Zustand von Wohnbereichen in Obergeschossen erfasst hat.
Lücken im Radwegenetz
Mit Blick auf den Verkehr loben die Planungsbüros die gute Parksituation um die Kernstadt. Stark lärmbelastet seien aber die Fruchtmarktstraße, die auch eine wichtige Versorgungsfunktion erfülle, und die Hofenfelsstraße. Bei Letzterer sei der Straßenbelag sanierungsbedürftig. Der Hofenfelsstraße mangele es zudem an Fußgängerüberwegen, etwa einer Querungsmöglichkeit in Höhe der Herzogstraße.
Lückenhaft sei das Radwegenetz. Die Analysten vermissen einen Radweg auf der Fruchtmarktstraße ebenso wie an Kaiser-, Dingler- und Hofenfelsstraße. Letztere beiden Straßen seien in Nord-Süd-Richtung zudem eine Barriere für den Fuß- und Radverkehr zur Hochschule. In der Allee am Schwarzbach müsse der Straßenbelag erneuert werden. Beim Busverkehr halten Kokonsult und Tobe-Stadt den Stundentakt zur Hochschule an den Kreuzberg für nicht ausreichend.
Einladende Uferbereiche des Bleicherbachs
Während die Planer die neugestalteten Uferbereiche des Bleicherbachs als hochwertig und sehr einladend loben, seien die Sportanlagen zur Rosengartenstraße in die Jahre gekommen und zum Teil nicht mehr nutzbar. Im Westen der Kernstadt seien keine öffentlichen Grünflächen ausgewiesen. Die Flächen und Straßenzüge zwischen Haupt- und Kaiserstraße seien wie die städtischen Parkflächen versiegelt. Trotz hoher Wohnnutzung gebe es dort auch keine Spielplätze. Problematisch finden die Planer die Abtrennung der Vertiefung des Alexanderplatzes zum Klinikum hin.