Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel In Zweibrücken und Contwig mangelt es an Bademeistern

Horst Pirmann unterstützt Schwimmmeisterin Jutta Döring in Contwig seit vergangenem Jahr als Rettungsschwimmer. Foto: Moschel
Horst Pirmann unterstützt Schwimmmeisterin Jutta Döring in Contwig seit vergangenem Jahr als Rettungsschwimmer.

Urlaubssperre in den Sommerferien, abends und am Wochenende arbeiten – solche Arbeitsbedingungen passen nicht jedem. Die Freibäder in Zweibrücken und Contwig haben Schwierigkeiten, neue Bademeister zu finden.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza hat es gemacht: Er ist mit einem Köpper ins Schwimmerbecken des Freibads gesprungen. Viele haben es ihm dieses Jahr noch nicht gleichgetan. Das durchwachsene Wetter, allgemein sinkende Lust am Schwimmen und nicht zuletzt ein Mangel an Bademeistern stecken dahinter.

„Es ist ein gesellschaftliches Problem, dass Schwimmbadbesuche und Schwimmen nicht mehr gemacht werden“, meint Steffen Lassler, der Schwimmmeister des Zweibrücker Freibads. Laut einer DLRG-Studie sind 60 Prozent der Grundschüler und 50 Prozent aller Deutschen schlechte Schwimmer oder Nichtschwimmer. Hinzu kommt: „Es will keiner mehr Bademeister werden“, wie Lassler sagt.

Er kam 1991 aus Halle an der Saale nach Zweibrücken. Er machte eine dreijährige Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen und arbeitete zunächst im Hallenbad, bevor er 1995 ins Freibad wechselte. Nach ein paar Gesellenjahren legte er die Meisterprüfung ab und darf seitdem auch ausbilden. Doch das Interesse sei niedrig, Fachangestellter für Bäderbetriebe zu werden. „Das wird noch schlimmer in den kommenden Jahren“, prophezeit der 53-Jährige. Als Gründe vermutet er: „Abends und am Wochenende arbeiten, in einem Beruf, bei dem es in den Ferien Urlaubssperre gibt, dazu gehört Herzblut – und das fehlt meist.“ Angst vor der Verantwortung für Menschenleben sei es nicht. „Man fährt in der Ausbildung ein paar Wochen auf einem Rettungswagen mit und erlebt dabei einiges. Das kann es nicht sein.“

Öffnungszeiten verkürzt

Der Bademeister laufe nicht nur am Beckenrand hin und her und werde dabei braun, betont Lassler. „Die Reinigung der Becken, die Desinfektion der Anlage, die ganze Technik, der Umgang mit Chemikalien – es ist sehr abwechslungsreich.“ Während Lassler dies erzählt, sind gerade zwei Mitarbeiter des Bauamts vor Ort. Ein Aufmaß für die beiden Volleyballplätze wird gemacht, damit diese mit neuem Sand aufgefüllt werden können. Auch solche Dinge gehören zu Lasslers Aufgaben.

Zu den unbeliebten Arbeitszeiten sagt der Zweibrücker Bademeister „Ich habe meine Frau und meine Kinder den ganzen Sommer über gesehen. Sie waren jeden Tag hier im Freibad.“ In der Hochsaison mache er Überstunden, die er in der kalten Jahreszeit abfeiere. Womit auch klar ist, was ein Bademeister im Winter macht. „Urlaub“, sagt Lassler und grinst. „Nein, es ist so, dass man nach der Saison schon viel Urlaub hat und auch zweimal Skifahren gehen kann oder Fernreiseziele in Angriff nimmt.“ Es komme gelegentlich vor, dass er den Hausmeister einer Schule vertritt. Mit den Kollegen des Badeparadieses kooperiere man und helfe sich gegenseitig, wenn Not am Mann ist.

Das Problem des Fachkräftemangels sei ein bundesweites. Lassler blättert in einer Fachzeitschrift, und auf vielen Seiten sind große Anzeigen zu sehen, wo in Deutschland Fachangestellte oder Betriebsleiter für Bäder gesucht werden. Das Zweibrücker Freibad hat wegen des fehlenden Personals – wie bereits im Vorjahr – die Öffnungszeiten auf täglich 10 bis 20 Uhr verkürzt. Ansonsten verstoße man gegen das Arbeitszeitschutzgesetz.

In Contwig kein Nachfolger in Sicht

Auch im Contwiger Freibad, dessen Träger die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land ist, macht sich der Fachkräftemangel seit Jahren bemerkbar. Schwimmmeisterin Jutta Döring verrichtet seit 42 Jahren ihren Dienst unter anderem am Beckenrand, aber nicht nur dort. Technik wie die Chloranlage oder die Wärmepumpe, mit der das Wasser geheizt wird, gehört ebenso zum Berufsbild. In einigen Jahren hat Döring das Ruhestandsalter erreicht, und noch ist kein Nachfolger in Sicht. „Wir suchen“, sagt sie. Und das nicht erst seit heute.

Das Contwiger Freibad war in den vergangenen Jahren von etlichen Personalwechseln betroffen. Ein junger Mann überlegte es sich nach einer Saison anders. Dann kam ein ausgebildeter Mitarbeiter von einem anderen Bad, der ebenfalls bald wieder weg war. Die Arbeitszeiten schmecken nicht jedem. Früher hatten die Bediensteten bis zu 15-Stunden-Tage, „und danach hat auch keiner gefragt“, sagt Döring. Jetzt dürfen Bedienstete nach dem Arbeitszeitschutzgesetz maximal zehn Stunden am Tag arbeiten, haben also bei einem freien Tag wöchentlich eine 60-Stunden-Woche.

Ab dieser Saison öffnet „es Cuntwicher“ morgens eine Stunde später – erst um 9 Uhr. „Wir müssen die Öffnungszeiten auch dem Personalstand anpassen“, gibt Döring zu. Sie ist derzeit die einzige Fachkraft im Freibad. „Aber wir haben dieses Jahr sehr viele Rettungsschwimmer für den Beckendienst.“ Die Aufsicht sei somit abgedeckt, zudem kümmere sich eine externe Firma um die Technik, wenn Jutta Döring ihren freien Tag hat. „Wir suchen einen Nachfolger für mich. Wer Spaß an dem Beruf hat, soll sich melden.“

Vom Buchhändler zum Rettungsschwimmer

Ein Grund für die gute Personalsituation am Beckenrand ist Horst Pirmann. Er ist seit vergangenem Jahr fest angestellter Rettungsschwimmer. Er hat sich beruflich neu orientiert, hat den Rettungsschwimmschein gemacht und sich beworben. Pirmann hat ursprünglich Buchhändler gelernt. „Sport und Schwimmen waren schon immer mein Ding. Ich hätte aber nie gedacht, dass es mir mal möglich ist, Rettungsschwimmer zu werden“, sagt der 59-Jährige. Neben Aufsichtsdienst mache er alles außer Technik – Rasenmähen und Heckenschneiden inklusive.

„Dazu gehört Herzblut“, sagt Bademeister Steffen Lassler vom Zweibrücker Bad über seinen Beruf. Foto: Moschel
»Dazu gehört Herzblut«, sagt Bademeister Steffen Lassler vom Zweibrücker Bad über seinen Beruf.
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