Zweibrücken „In der ersten Runde sind wir immer Favorit“

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Hauenstein. In der ersten DFB-Pokalrunde gastiert Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen morgen, Sonntag (15.30 Uhr), im Pirmasenser Stadion Husterhöhe und trifft auf den Fußball-Oberligisten SC Hauenstein. Bayer-Sportdirektor Rudi Völler will ins Pokalfinale – und dann am 27. Mai 2017 möglichst auch den Cup nach Leverkusen holen.

Herr Völler, ganz ehrlich, kannten Sie Hauenstein schon vor der DFB-Pokalauslosung?

Nein, eigentlich nicht. Aber man verfolgt ja schon, wo ehemalige Mitspieler und Kollegen sind. Da Jürgen Kohler letzte Saison Trainer in Hauenstein war und die Mannschaft dann auch den Verbandspokal gewonnen hat, bin ich darauf aufmerksam geworden. Ich habe dann auch einige Ausschnitte im Fernsehen gesehen. Schade, dass es mit dem Aufstieg nicht geklappt hat. Sie haben ja in den vergangenen Jahren stets gesagt, dass die deutsche Meisterschaft angesichts der Dominanz des FC Bayern München ein utopisches Ziel für Bayer Leverkusen ist, aber der Gewinn des DFB-Pokals ein realistisches … Wenn man mit Bayern München in einer Liga ist, ist es nahezu unmöglich, ganz nach oben zu kommen. Im Pokal kann man die Bayern aber einmal schlagen. Wir waren vor zwei Jahren im Halbfinale nah dran, haben dann im Elfmeterschießen aber verloren. In der ersten Runde geht’s am Sonntag in Pirmasens gegen Oberligist SC Hauenstein. Bayer hat den SCH sicher mal gesehen, beobachtet? Wie gehen Sie so ein Spiel an, wo ein Sieg für Bayer 04 natürlich Pflicht ist? In der ersten Runde sind wir als Bayer 04 Favorit – egal, gegen wen wir spielen. Da müssen wir, bei allem Respekt vor Hauenstein, einfach eine Runde weiterkommen. Wir überlassen da auch nichts dem Zufall, kommen deshalb auch schon einen Tag vorher in die Pfalz. Und natürlich haben wir Hauenstein beobachtet. Wir wissen, dass es nicht nur einen neuen Trainer gibt, sondern auch ein großer Umbruch in der Mannschaft stattgefunden hat. Viele Spieler sind gegangen, viele neue sind gekommen. Herr Völler, Sie haben Jonas Boldt nach dem Abschied von Michael Reschke zu den Bayern zum Manager gemacht. Er genießt ja eine klasse Ruf in der Liga. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung? Jonas, jetzt Mitte 30, hat eine ganz typische Bayer-Entwicklung genommen. Er hat als kleiner Junge mit seinem Vater auf der Tribüne gesessen, als ich noch gespielt habe. Dann Abi, ein Studium, Praktikum bei Bayer, in der Jugendabteilung, dann Scout, dann Chefscout bei Michael Reschke. Dann kam das Vorfühlen von Michael Reschke, als die Anfrage von Bayern kam. Ich hab’ ihm gesagt, wenn Du so ein Angebot hast, dann musst Du das machen. Ich hatte aber auch – ehrlich gesagt – den Plan mit Jonas bereits im Hinterkopf, wusste, dass er das Zeug dazu hat, diese Aufgabe zu meistern. So gesehen war das eine einfache Entwicklung. Wir sind jetzt fast jeden Tag zusammen, besprechen alles. Das passt! Ich kann jetzt schon sagen: Er wird sehr, sehr lange bei uns bleiben. Ich habe ihm schon öfter im Spaß gesagt: Irgendwann, wenn ich aufhöre und auf der Tribüne sitze, meinen Kaffee trinke, werde ich derjenige sein, der dann über die Spieler meckert, die er geholt hat ... Bayer hat in den letzten Jahren eine junge, spielstarke Mannschaft aufgebaut, die erfrischend Fußball spielt. Spieler wie Julian Brandt, Jonathan Tah, Karim Bellarabi oder Hakan Calhanoglu sind ja noch längst nicht fertig. Dazu Kevin Kampl, Wendell, Sven Bender und Chicharito, immer noch Stefan Kießling, mit Bernd Leno ein toller Torwart – wohin führt der Weg von Bayer 04? Ja, wir sind auch optimistisch in Bezug auf die neue Saison. Wir waren in den letzten sechs Jahren fünfmal für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. Das ist nicht selbstverständlich. Wir haben gute wirtschaftliche Voraussetzungen, aber andere – nicht nur die Bayern – haben bessere. Wir wollen den Abstand zur Spitze verkürzen, näher an Dortmund heranrücken. Aber Bayern spielt trotzdem in einer anderen Liga. Bayern ist für mich zusammen mit Barcelona die beste Mannschaft in Europa. Die Champions League ist ja nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen eine tolle Sache. Auch unsere Fans fiebern der Auslosung entgegen. Da werden ja jedes Jahr ein, zwei Top-Vereine in der Gruppe zugelost. Dort dabei zu sein hilft uns auch, talentierte Spieler nach Leverkusen zu lotsen. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. | Interview: Horst Konzok

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