Zweibrücken In den Seilen

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Wäre die Stadt Zweibrücken ein Boxer, sie hinge mit zwei zugeschwollenen Augen und etlichen Platzwunden fix und fertig zwischen den Ringseilen – kurz davor, den nächsten harten Schwinger zu kassieren. In den vergangenen Jahren kassierte die Stadt einen wirtschaftlichen Tiefschlag nach dem anderen: Der Flugplatz mit seinen vielen Beschäftigten ist längst Geschichte, in diesem Jahr schlossen das Evangelische Krankenhaus und das Seniorenheim Bickenalb ihre Pforten, und zum Jahresende wurde bekannt, dass der Kranbauer Terex bis zu 500 Stellen streichen will. Die schlechte Nachricht schlug Anfang Dezember ein wie eine Bombe. Der größte Arbeitgeber der Stadt, der Kranbauer Terex, will im nächsten Jahr bis zu 500 Arbeitsplätze abbauen. Keiner der rund 1600 Beschäftigten kann sicher sein, dass es seine Stelle 2017 noch gibt. Das Werk in Bierbach wird gleich ganz geschlossen. Die Verantwortlichen begründen den Schritt mit den schlechten Zahlen beim Kranverkauf. Die Gewerkschaft IG Metall spricht hingegen von Managementfehlern, die den Kranbauer erst in diese Lage gebracht hätten. Eindeutig auf Fehlentscheidungen der Verantwortlichen zurückzuführen ist die Schließung des Evangelischen Krankenhauses Ende September. Es war das bestimmende Thema der Stadt in diesem Jahr. Sehr viele Zweibrücker hatten eine enge emotionale Bindung zu dem Haus, den Ärzten und dem Pflegepersonal. Mit krassen Fehlern seiner Entscheidungsträger – stellvertretend genannt sei an dieser Stelle Pfarrer Rainer Wettreck – trieb der Krankenhausträger, der Landesverein für Innere Mission (LVIM), ein ehemals gesundes Haus in den Ruin. Zuletzt arbeiteten rund 400 Menschen in dem Gebäude. 50 Betten der Inneren Abteilung und rund 80 Mitarbeiter wurden vom Nardini-Klinikum übernommen, weiteren Mitarbeitern wurden laut LVIM Stellen in anderen Einrichtungen des Vereins angeboten. Einige wenige seien in Ruhestand gegangen. Mit dem Evangelischen hat die Stadt auch ihre einzige Geburtshilfe verloren. Gebürtige Zweibrücker werden künftig äußerst selten. Auch das Seniorenheim Bickenalb bei Mittelbach hat der LVIM in diesem Jahr aufgegeben. Die Bewohner wurden auf andere Heime verteilt. Doch anders als beim Krankenhaus gibt’s für das Haus Hoffnung. Der Kinderpflegedienst Karlsruhe plant dort ein Zentrum für ambulante Intensivpflege – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Das Zentrum bietet auch ehemaligen Beschäftigten des Evangelischen Krankenhauses die Hoffnung auf einen neuen Arbeitsplatz. Begonnen hat das Jahr ganz besonders tragisch. Im Homburger Koi-Bad ist am 7. Januar ein vierjähriger Junge ertrunken, der an einem Schwimmkurs teilgenommen hatte. Er wurde leblos in einem Becken entdeckt und starb sechs Tage später in Folge des Sauerstoffmangels im Krankenhaus. Die Polizei ermittelte daraufhin wegen fahrlässiger Tötung und kam zu dem Ergebnis, dass die Schwimmlehrerin ihre Aufsichtspflicht verletzt habe. Die Kursleiterin betreute die Kinder an diesem Tag allein. Auch in Rieschweiler gab es Tote zu beklagen. Ende März starb ein 33-Jähriger bei einem Wohnhausbrand in der Hauptstraße. Der zweite Bewohner des Hauses, ein 77-jähriger Mann, starb später an den Folgen des Brandes. Die Polizei geht davon aus, dass der 33-Jährige das Feuer selbst legte und sich anschließend erschoss. Angesichts dieser Tragödien muten alle anderen Aufreger des Jahres im Nachhinein irgendwie klein an. Sei es die drastische Gebührenerhöhung und die in diesem Zusammenhang fast schon an Verweigerung grenzende Informationspolitik der Sparkasse Südwestpfalz oder der Ärger um die nervigen Dauerbaustellen in der Alten Ixheimer- und Maxstraße oder der Bau von 42 Doppelhäuschen aus Beton für Flüchtlinge auf dem Zweibrücker Flughafen, die dann nur wenige Tage genutzt und Ende Juni aufgegeben wurden. Rund 2,3 Millionen Euro zahlte das Land für die je 14,5 Quadratmeter großen Einfachstunterkünfte. Nun stehen sie leer und kosten weiter Geld – unter anderem, weil sie bewacht werden müssen. Aus wirtschaftlicher Sicht erfreulich ist mit Sicherheit das brummende Outlet auf dem Flughafen. Umsatz und Besucherzahlen stiegen erneut, und die Neinver-Gruppe nutzte wohl die Gunst der Stunde und verkaufte die Style Outlets gewinnbringend an VIA Outlets. Ob das für Stadt und Outlet gut oder schlecht ist, wird sich zeigen. Der neue Investor ist jedoch bekannt dafür, seine Objekte nach dem Kauf zu erweitern und weiterzuentwickeln. Hat er in Zweibrücken ähnliches vor, ist Ärger mit den umliegenden Städten programmiert. Womöglich könnte die Regelung für die zahlreichen verkaufsoffenen Sonntage kippen. Es wird spannend. Gespannt sind wir auch, welche Themen Sie zu Ihren Favoriten wählen. Neben den vorgeschlagenen können Sie auch eigene nennen. Erinnert sei an dieser Stelle beispielsweise an das Urteil gegen die Jugendlichen, die die ehemalige Hauptschule Nord unter Wasser setzten, den Neuanfang des SVN Zweibrücken als Spielgemeinschaft mit Oberauerbach in der C-Klasse, das filmreife Schäferstündchen in der Hilgardstraße oder das monatelange Verkehrs-Chaos auf der Fechinger Talbrücke, von dem auch viele Pendler aus Zweibrücken betroffen waren. Abstimmen und gewinnen Kreuzen Sie Ihre Themen des Jahres an. Unter allen Teilnehmern verlosen wir Preise. Als Hauptpreis winkt eine Mini-Kreuzfahrt in Straßburg für zwei Personen, gestiftet vom Reisebüro Schmid. Darüber hinaus gibt es Bücher, zwei Lautsprecher für Handys und Leselampen zu gewinnen. Machen Sie mit.

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