Zweibrücken Im Tierheim haben sie kaum noch Platz für Neue

Diese Süße sollte doch möglichst bald ein neues Zuhause finden. Oder?
Diese Süße sollte doch möglichst bald ein neues Zuhause finden. Oder?

Anfang August wurden 60 Meerschweinchen im Rhein-Pfalz-Kreis aus zweifelhaften Verhältnissen herausgeholt. 19 davon haben eine Bleibe im Zweibrücker Tierheim gefunden.

Dass die Zweibrücker jetzt für Tiere aus der Vorderpfalz sorgen müssen, sei „kein Einzelfall“, berichtet Katja Bösel, die Leiterin des Tierheims in der Ernstweilerstraße 97. Es passiere immer öfter, dass sich auch auswärtige Kreisverwaltungen, die für das Zweibrücker Tierheim gar nicht zuständig sind, mit Anfragen melden. Seit etwa drei Jahren habe die Anzahl an sogenannten Sicherstellungen von Tieren so stark zugenommen, dass viele Tierheime keinen Platz mehr hätten, um weitere Schützlinge aufzunehmen.

„Wir haben aktuell Tiere, die uns die Kreisverwaltungen in Pirmasens, aber auch Kusel und Bad Dürkheim geschickt haben.“ Bevor eine Sicherstellung über die Bühne gegangen ist, könne man nie genau sagen, welche Tiere aufgenommen werden müssen. Eine exakte Auskunft zu Art und Anzahl könne erst gemacht werden, wenn das Veterinäramt vor Ort sei. Sind die Schützlinge im Tierheim angekommen, würden ihr Aussehen, Gewicht, Gesundheits- und Ernährungszustand dokumentiert, Verletzungen erfasst und die Tiere medizinisch behandelt.

Der Haustiermarkt ist derzeit gesättigt

Erst wenn diese aufgepäppelt und freigegeben worden sind, könne man sie vermitteln, sagt Bösel. Das werde aber immer schwieriger. „Im Moment ist es so, dass sich durch Corona unheimlich viele Leute Tiere angeschafft haben. Deshalb muss man sagen, dass der Markt derzeit gesättigt ist“, schildert die Leiterin. Und immer mehr Tiere seien verhaltensauffällig – oft auch solche, die von ihren Haltern abgegeben wurden und gar nicht aus Sicherstellungen kommen. Laut Katja Bösel liegt das daran, dass viele Besitzer nicht mehr bereit seien, mit ihren Tieren genug zu arbeiten.

Der Zweibrücker Einrichtung geht es kaum anders als anderen Heimen: Viele Tiere werden abgegeben, und es gibt wenig bis keinen Platz mehr. Zurzeit finden 26 Hunde, 33 Katzen und 36 Kleintiere wie Kaninchen, Ratten und Meerschweinchen in Zweibrücken Unterschlupf beim Tierschutzverein.

Soziale Medien helfen

Immer weniger Tiere können vermittelt werden. Hatte ein Hund früher schon nach vier bis fünf Monaten ein geeignetes neues Zuhause gefunden, könne dies mittlerweile schon bis zu einem Jahr dauern.

Mit der Suche nach neuen Herrchen oder Frauchen beschränke man sich längst nicht mehr auf umliegende Regionen, sondern bemühe sich deutschlandweit um Vermittlung. „Wir hatten auch schon Österreicher und Schweizer, die nach Zweibrücken gekommen sind und Tiere adoptiert haben“, erzählt die Tierheim-Chefin. Eine große Hilfe seien die Sozialen Medien, die das Vernetzen mit anderen Heimen erleichterten.

Tierheimfest am 4. September

Klischees über Tierheim-Vorschriften – also Sprüche wie„Man muss Geld haben, darf aber nicht arbeiten gehen und muss immer zuhause sein“ oder „man darf nicht älter als 50 sein“, um ein Tier aufnehmen zu dürfen, seien Unsinn. Viel wichtiger sei es, so Katja Bösel, individuell zu entscheiden, ob ein Haushalt die Anforderungen des jeweiligen Tiers erfüllen kann. Dieses müsse zum Leben des Menschen passen. Bösels Wunsch: „Dass die Tiere alle gesund sind und bleiben – und dass sie ein ganz, ganz tolles Zuhause finden.“

Unterstützen kann man das Zweibrücker Tierheim in der Ernstweilertalstraße 97 mit Futter- und Geldspenden. Außerdem werden „Gassigeher“ für die Hunde gesucht – vor allem unter der Woche.

Für Sonntag, 4. September, 11 bis 17 Uhr, wird zum Tierheimfest eingeladen.

Eine größere Gruppe Meerschweinchen ist aus der Vorderpfalz in das Tierheim in Ernstweiler gekommen.
Eine größere Gruppe Meerschweinchen ist aus der Vorderpfalz in das Tierheim in Ernstweiler gekommen.
Ein ganz Lieber.
Ein ganz Lieber.
Auch Kaninchen sind im Zweibrücker Tierheim untergebracht.
Auch Kaninchen sind im Zweibrücker Tierheim untergebracht.
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