Zweibrücken Im Pappkartonzug nach Mumbai

„Shelter“ (Zuflucht) heißt das Stück von Maria von Blumencron im Auftrag von Terre des Hommes, das 17 Kinder unter Leitung von Hedi Bender am Sonntag im Pfarrsaal von St. Laurentius in Contwig vor etwa 120 Besuchern aufgeführten.
Die Bühne im Pfarrsaal war ebenso malerisch wie einfach: Große Pappkartons stehen in einer Reihe, die Requisiten sind Alltagsgegenstände. Und doch lassen 17 Kinder hier eine andere Welt lebendig werden – die Welt der Straßenkinder von Mumbai, wie das ehemalige Bombay heute heißt, die in Videoprojektionen mit Originalaufnahmen immer im Hintergrund präsent ist. Im Mittelpunkt stehen die fünf Freunde Rashna (Nina Schreiber), Sheila (Anne Sophie Weidler), Jyiotti (Sarah Gessner), Santosh (Luca Gessner) und Gopal (Timo Schmidt). Aber es ist keine der „Fünf Freunde“-Geschichten, wie man sie von Enid Blyton kennt. Die fünf sind aus einer Teppichknüpferei geflohen, wo sie unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen miserabel bezahlte Kinderarbeit geleistet haben. Sie wollen mit dem Zug nach Mumbai in die Freiheit, in ein besseres Leben. Indische Musik stimmte die Besucher ein, als die Kinder quer durch den Raum auf die Bühne rennen und dort in die aufgereihten Kartons springen – den Zug. Die Enttäuschung über die Realität, die so ganz anders ist, könnte nicht größer sein. Die Kinder landen auf der Straße, müssen sich als Müllsammler und Zeitungsverkäufer durchschlagen. In einem Rap bringen sie ihre Situation auf den Punkt. Santosh und Gopal gesellen sich zu Kiffern und werden drogenabhängig, die zarte Sheila träumt von einer Zukunft als Filmstar und nimmt einen dubiosen Job in einer Bar an. Rashna und Jyiotti bleiben zurück. Eine plötzliche, lebensgefährliche Erkrankung Jyiottis bringt die Wende: Auf der Suche nach Hilfe rennen die Kinder durch den Saal, und eine kleine Bettlerin (Mara Konrad) findet das Shelter-Haus, in dem Jyiotti eine Ärztin und die Kinder ein Zuhause finden. Mit Schulunterricht, Essen, sauberen Kleidern – einem Zuhause und einer Zukunft, wie die Kinder am Schluss des Stückes resümieren. Spaß und Spielfreude in der einfachen, aber fantasievollen Dekoration mit aus Joghurtbechern und Dosen selbst gebauten Rasseln und Originalkostümen aus Indien waren unverkennbar, mühelos wechselten die Kinder zwischen spielerischen und erzählerisch-kommentierenden Szenen. „Sich in die Rolle, in das Leben anderer Leute reinfühlen, das ist toll,“ strahlte die elfjährige Mara Konrad. Die siebenjährige Luisa Pees war ebenfalls begeistert, aber auch sehr aufgeregt. „Wir haben das Stück seit Weihnachten geprobt, aber nur zweimal ganz geschafft.“ Hedi Bender, die Regisseurin, die auch Bühne und Kostüme kindgerecht entworfen hat, war bereits 23-Mal in Indien und hat eine indische Schwiegertochter. „Ich kenne das Shelter in Mumbai, es wird von den Salesianern Don Bosco betrieben. Und das Stück habe ich auch schon lange. Da habe ich gedacht, in Verbindung mit unserem Fastenessen wäre eine Aufführung eine gute Gelegenheit, auf das Misereor-Projekt zugunsten der indischen Straßenkinder aufmerksam zu machen.“