Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Ideen für günstigeren Führerschein: Fahrlehrer zweifeln, ob das klappt

In Zweibrücken kostet der Autoführerschein im Schnitt 2500 bis 3000 Euro, sagt Markus Glutting.
In Zweibrücken kostet der Autoführerschein im Schnitt 2500 bis 3000 Euro, sagt Markus Glutting.

Der Führerschein ist zu teuer. Das meint das Verkehrsministerium und nennt Vorschläge, wie man die Fahrlizenz günstiger machen könnte. Was sagen Zweibrücker Fahrschulen dazu?

Weniger Theoriefragen, Abschaffung der Pflicht zum Präsenzunterricht in der Theorie, mehr Fahrstunden am Simulator, weniger Sonderfahrten und eine verkürzte praktische Prüfung: Mit solchen Ideen will das Bundesverkehrsministerium den Führerschein günstiger machen. „Mobilität darf kein Privileg sein“, sagt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und bekräftigt damit seine Ideen zur Kostenbremse beim Führerschein. Laut Ministerium kostet der Autoführerschein derzeit im Schnitt 3400 Euro. Der Weg zum Führerschein soll laut Schneider mit den Ideen einfacher und bezahlbarer werden.

In Zweibrücken sei der Führerschein mit 2500 bis 3000 Euro vergleichsweise günstig, sagt Markus Glutting, Inhaber der Fahrschule Hahn. Weniger Theoriefragen − der aktuelle Fragenkatalog umfasst 1169 Fragen − würde er gut finden. „Da kann man einige alte und verstaubte Fragen ruhig rausschmeißen.“ Die Präsenzpflicht beim Theorieunterricht zu streichen − das Verkehrsministerium schlägt vor, den Theorieunterricht über digitale Wege und Apps abzuhalten −, hält Glutting hingegen für keine gute Idee. „Der Präsenzunterricht ist für mich enorm wichtig. Allein schon wegen der Bindung zwischen den Lehrern und Schülern“, sagt er. Simulatorstunden gibt es seit einigen Jahren bei der Fahrschule Hahn. Sie sind laut Glutting eine sinnvolle Ergänzung zum Praxisunterricht. Fahrsimulatoren sind für Fahrschulen allerdings keine günstige Investition. „Wir haben jetzt einen neuen Simulator gekauft. Der hat einen fünfstelligen Betrag mit einer Drei vorne gekostet.“

Zweibrücker Autobahn ist kein Frankfurter Kreuz

Die Anzahl der Sonderfahrten zu verringern, sei ebenfalls nur bedingt eine gute Idee, so Glutting. Hier gehe es für die Fahrschüler auch um Sicherheit, wenn sie irgendwann mal alleine unterwegs sind. „Hier bei uns ist das auf der Autobahn noch entspannt. Aber was ist, wenn die dann mal im Ruhrpott oder am Frankfurter Kreuz unterwegs sind?“ Die kürzere Prüfung gab es schon einmal. Früher war die Fahrtzeit 25 Minuten, die Prüfung dauerte insgesamt 45 Minuten. Eine längere Prüfung kann für Fahrschüler, die vielleicht nicht allzu gut abschneiden, aber auch von Vorteil sein, weiß Glutting. So könnten sie Fehler mal noch ausbügeln und müssten nicht in die Nachprüfung. Ob der Führerschein dank solcher Vorwürfe wirklich günstiger wird, bezweifelt Glutting. Er hat andere Vorschläge: „Wie wäre es, mal die Mehrwertsteuer zu streichen?“

Opp: Subventionen für Fahrschul-Sprit

Jens Opp, Chef der gleichnamigen Fahrschule, die auch eine Filiale in Zweibrücken betreibt, bezweifelt ebenfalls, dass die Vorschläge des Verkehrsministeriums den Führerschein wirklich günstiger machen. Im Gegenteil: „Die Ideen hören sich gut an, ich glaube aber, dass sie eher zu höheren Preisen führen.“ Opp glaubt, dass ein Streichen der Präsenzpflicht in den Theoriestunden zu mehr praktischen Fahrstunden führt. „In der Theorie vermitteln wir jede Menge Wissen, das im praktischen Unterricht angewendet wird.“ Simulatorstunden gibt es auch bei ihm. Jedoch sieht er die Fahrstunde im Simulator vielmehr als Ergänzung zu den Praxisstunden im richtigen Auto. Gleicher Meinung wie Glutting ist Opp, wenn es um den theoretischen Fragenkatalog geht.

Um den Führerschein günstiger zu machen, könnte sich Opp vorstellen, dass Fahrschulen subventioniert werden − etwa mit günstigeren Leasing-Konditionen oder beim Sprit für die Schulfahrzeuge. Zudem schlägt er eine Art Führerschein-BAföG vor, damit auch finanziell schlechter gestellte Menschen einen Führerschein erwerben können.

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