Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Ich sag’s mal so: Wenn man kein Glück hat und dann auch noch Pech dazu kommt

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Es läuft manchmal nicht so recht rund am Tag. Unsere Kolumnisten Melanie Müller von Klingspor berichtet von einem Unfall, Eiseskälte, Regen und einem Schlüsselfiasko.

„Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ Gesagt hat das Jürgen Wegmann. Der war Mittelstürmer in der Bundesliga. Ein guter Fußballer. Er wurde „die Kobra“ genannt, weil er über sich selbst gesagt hatte, er sei vor dem Tor „giftiger als die giftigste Schlange“. Aus diesem Satz kann man jetzt nicht unbedingt ein Bonmot destillieren. Dem anderen Satz – das muss man neidlos anerkennen – kann man durchaus philosophische Qualitäten zusprechen. Manchmal hat man Pech, und dann gleich doppelt.

Mir ist zum Beispiel vor vier Wochen jemand in Speyer an mein am Straßenrand geparktes Auto gefahren. Wann, kann ich nicht genau sagen, denn ich hatte das Auto zwei Tage lang nicht genutzt. Ich habe den Schaden erst gesehen, als ich am Nachmittag nach Hause fahren wollte. Scheinwerfer und Stoßstange am hinteren Teil des Wagens waren zerbrochen, alles war verbeult. Pech. Aber: Der Unfallverursacher hatte seine Handynummer unter den Scheinwerfer geklemmt. Etwas Glück im Pech. Ich habe trotzdem die Polizei gerufen. Die Frau am Telefon sagte, es dauere etwas und ich solle am Auto warten. Ausgerechnet zu der Zeit, als es knackig-kalt war. Ich stand da eine halbe Stunde in einem dünnen Mantel und fror wie ein Schneider. Und nochmal Pech: Ich war abends zum Essen verabredet und würde deshalb die Verabredung nicht einhalten können.

Micky-Maus hält den Regen ab

Nach 40 Minuten rief die Polizistin an. Ich solle in der Wohnung warten, da es noch eine Weile dauern würde. Ich solle aber mein Handy griffbereit haben, damit ich sofort zum Auto kommen könne, wenn die Kollegen vor Ort seien. Dankbar hab’ ich mich aufgewärmt. Irgendwann klingelte mein Handy. Ein Polizist sagte, sie seien jetzt da, ich solle mich beeilen, sie hätten nicht viel Zeit. Ich sprang auf und eilte zu meinem Auto. Die beiden Polizisten waren ausgesprochen nett. Einer nahm alle Daten auf. Der andere rief die Nummer an, die unter dem Scheibenwischer geklemmt hatte. Das Gespräch erwies sich als kompliziert. Der Unfallverursacher sprach nicht gut deutsch. Er verstand auch gar nicht, wer am Telefon war. Der Polizist rief immer wieder in den Hörer: „Hier ist die Polizei! Die Po-li-zei! Neiiiin, ich! Ich bin die Poooliiiizeiiiii! Jaa, die Polizei! Sie haben sich unerlaubt vom Unfallort entfernt…! Das dürfen Sie nicht!“ Ich fand den letzten Satz kühn in Anbetracht der Tatsache, dass sich am anderen Ende der Leitung jemand befand, der nicht verstand, wer da überhaupt angerufen hat.

Derweil begann es, zu regnen wie aus Kübeln. Dem einen Polizisten tropfte der Regen vom Schirm seiner Mütze, dem anderen unablässig von der Nasenspitze. Ich hatte ein ausgesprochen schlechtes Gewissen, dass ich die Männer in eine derart unkomfortable Lage gebracht hatte. Ich holte einen Schirm aus meinem Auto. Einen Micky-Maus-Schirm. Den hatte eine Freundin dort vergessen. Und so standen wir da: der bemützte Beamte führte ein absurd anmutendes Telefonat, der andere wurde beschirmt von Micky und Minnie Maus. Andererseits dachte ich aber auch, was für ein Glück (!), dass ich das Malheur noch vor dem Regen entdeckt hatte, denn eine Stunde später wäre der Zettel unter dem Scheinwerfer nur noch ein trauriger Klumpen gewesen.

Scheckkarte versus Türschloss

Irgendwie konnte dann doch das Wesentliche geklärt werden und ich wollte zurück ins Haus. Da explodierte ein heißer Ball in meinem Bauch: Die Schlüssel für die Haus- und Wohnungstüren in Speyer und in Zweibrücken waren noch in der Wohnung. Um die Polizisten nicht warten zu lassen, war ich kopflos aufgesprungen, und hatte beide Türen hinter mir zugezogen. Ich hatte genau drei Dinge dabei: mein Handy, meinen Autoschlüssel und den Micky-Maus-Schirm. So stand ich ratlos und überfordert vor der Tür. Hatte mich aus zwei Wohnungen ausgesperrt. Und fror.

Zum Glück – und so gibt es ja auch immer Glück im Pech – kam irgendwann die Nachbarin aus dem Erdgeschoss nach Hause. So war ich schon mal im Haus. Wir versuchten gemeinsam, mit einer Scheckkarte die Wohnungstür zu öffnen. Aber das funktioniert nur im Fernsehen. Ich wollte aufgeben und einen teuren Schlüsseldienst rufen, da stand die Vermieterin im Hausflur und meinte, sie habe vielleicht doch noch irgendwo einen Wohnungsschlüssel. Den hatte sie dann tatsächlich. So hatte ich zwar insgesamt Pech gehabt, aber letztlich kam noch etwas Glück hinzu. Und wieder Pech: Denn mein Auto ist jetzt ein Totalschaden.

Bei Jürgen Wegmann kam übrigens insgesamt viel Pech dazu. Obwohl „die Kobra“ durchaus ein erfolgreicher Fußballer war, lebte er später einige Jahre von Hartz IV, arbeitete dann als Sicherheitsmann im Fanartikelshop des FC Bayern München und lebt heute von einer Berufsunfähigkeitsrente.

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