Zweibrücken „Ich morde sehr angenehm“

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Brutal und blutig wurde es am Mittwoch in der Gemeindebücherei in Contwig: Die Marburger Krimiautorin Elisabeth Herrmann unterhielt die 20 Zuhörer mit vier Passagen aus ihrem Buch „Stimme der Toten“.

Die sympathischsten Leute schreiben meist die brutalsten Bücher. So auch Elisabeth Herrmann. „Ich bin jedes Mal ganz von den Socken wenn ich sehe, was ich alles geschrieben habe“, sagt die 59-Jährige schmunzelnd mit Blick auf ihre Werke, die auf dem Tisch neben dem Lesepult stehen. „Seit sechs Jahren kann ich vom Schreiben leben“, erzählt sie. „Vorher habe ich als Journalistin gearbeitet und habe Dokus gedreht.“ Ihr erster Krimi „Das Kindermädchen“ brachte ihr 2005 den Durchbruch: „Das ZDF wurde auf das Buch aufmerksam. Die Fernsehleute meinten, sie bräuchten noch eine Rolle für Jan Josef Liefers. Da meine Hauptperson ein Anwalt war, hat das gut gepasst“, erzählt Herrmann. Inzwischen sind fast all ihre Bücher verfilmt. „Durch die Filme wurden die Leute auf meine Bücher aufmerksam.“ Aus ihrem Krimi „Zeugin der Toten“, dem ersten Band der Judith-Kepler-Reihe , liest sie eine Knaller-Szene. „Aber keine Angst, es gibt noch genug offene Fragen, auch wenn ich den Schluss lese“, meint die in Marburg geborene Autorin. „Ich morde sehr angenehm“, meint sie und beweist jedoch das Gegenteil: Judith Kepler ist Tatortreinigerin und findet sich mitten im Kugelhagel wieder: Angelina Eskimosa, eine britische Spionin, bedroht sie und ermordet ihren Kollegen vor Judiths Augen. Herrmann liest die Worte der britischen Spionin mit authentischem Akzent. Nachdem Eskimosa ihren Kollegen getötet hat, feuert sie wahllos um sich – von der Autorin treffend als „Schüsse wie Champagnerkorken“ beschrieben – und zerschießt auch die Scheiben eines Aquariums, in dessen Wasser ein weißer Fisch schwimmt. Der zappelt hilflos auf dem Trockenen. Eskimosa ist siegessicher, Kepler entreißt der Spionin die Waffe und erschießt sie. „Von ihrem schönen Gesicht war nur noch ein blutiger Klumpen übrig“, liest Elisabeth Herrmann vor. Drei weitere Stellen liest sie noch. Auch wenn sich die dritte – ein Streitgespräch mit der Tatortreinigerin und ihrem Vorgesetzten – ein bisschen in die Länge zieht, gleicht die Autorin das mit der folgenden Stunde aus, in der sie Fragen beantwortet . „Wie kann man so viel Grausames schreiben?“, will eine erschrockene Zuhörerin wissen. Die Autorin antwortet, dass sich das erst beim Schreiben entwickelt. Humor hat sie: Auf die Frage, ob denn alles in ihren Büchern Fantasie ist, sagt sie: „Wissen Sie, ich erschieße ja keine Menschen.“ Es mache einen Autor aus, dass er sich in seine Figuren hineinversetzt, „auch in die Bösen. Aber es gab auch Szenen, die mir zu viel wurden, und die ich mit meiner Lektorin rausgeschmissen habe.“ Die Recherche sei ihr sehr wichtig, das mache einen Krimi glaubwürdig. „Deswegen war ich mal in London auf der Waffenmesse.“ Erfrischend ist, dass Herrmann keinen großen Wert auf ihre Verkaufszahlen legt. „Es sind einige Hunderttausend“, erzählt sie der RHEINPFALZ nach der Lesung. „Wichtig ist mir, dass ich vom Schreiben leben kann.“ Bodenständig wirkt sie, profilieren sich doch die meisten bekannten Autoren mit pingelig genauen Verkaufszahlen ihrer Werke. Wissenswertes über Herrmanns Leserkreis gab’s auch noch: „Die Leute lieben Blut am Anfang.“

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