Fussball
Ian Blackburn: „Umzug nach Deutschland beste Entscheidung meines Lebens“
Im Wembley-Stadion, in dem Geoffrey Hurst im Jahr 1966 das sagenumwobene Wembley-Tor erzielte, über das seit Jahrzehnten (War er drin oder nicht?) gestritten wird, und das den Engländern den bisher einzigen großen Titel, die Weltmeisterschaft eingebracht hatte, wird am frühen Abend ein deutliches englisches Fan-Übergewicht herrschen. Denn deutsche Schlachtenbummler durften corona-bedingt nicht einreisen. Aber auch in Contwig heißt es England gegen Deutschland. Dort wohnt Ian Blackburn, der als Golflehrer beim Ersten Golfclub Westpfalz (EGW) in Rieschweiler-Mühlbach arbeitet.
Seit 2008 am Hitscherhof
Der 48-Jährige wohnt seit dem Jahr 2000 mit einer dreijährigen Unterbrechung in der Westpfalz. Zuvor war Blackburn als Golfspieler unterwegs. Um aber auf Profi-Niveau ganz vorne mitspielen zu können, reichte es bei Blackburn nach eigenen Worten „doch nicht ganz“. „Es gibt einfach zu viele gute Golfer. Ich habe es dann realistisch gesehen und wollte lieber Golflehrer werden“, erzählt er. Zuerst war er beim Golfclub Barbarossa in Mackenbach tätig, wechselte dann 2008 auf den Hitscherhof. „Ich habe zu Beginn viele Amerikaner unterrichtet. Das hat natürlich Sinn gemacht“, sagt Blackburn über seine Anfänge in Deutschland.
Blackburn war zum Jahrtausendwechsel aus Manchester nach Deutschland gekommen. „Die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt der Fan von Manchester United, der ab 2014 noch mal für drei Jahre in seiner Heimat im Nordwesten Englands als Golflehrer arbeitete. „Ich schaue mir heute noch die Ergebnisse von der Premiere League an“, erläutert Blackburn seinen Spaß am Fußball. Er spricht sehr gutes Deutsch, unterlegt mit einem nicht zu verkennenden englischen Akzent. Früher sei er auch bei etlichen Spielen von Manchester United im Old Trafford, dem Stadion des englischen Top-Klubs, gewesen.
Freuen kann sich Blackburn auch für die deutsche Nationalmannschaft, wenn sie gewinnt. Am Dienstag ab 18 Uhr ruht diese Freundschaft jedoch für mindestens 90 Minuten im Hause Blackburn. Mit seiner deutschen Freundin und auch ein paar Freunden will er sich den Fußball-Klassiker zusammen ansehen. „Meine Freundin ist aber nicht der ganz große Fußballfan“, sagt der Golflehrer, der sich gerne seine Three Lions, das englische Nationalteam, anschaut. „Ich hoffe schon, dass England gewinnt. Ich bin jetzt schon sehr lange in Deutschland, aber es ist trotzdem ein komisches Gefühl, dass die beiden nun gegeneinander spielen“, meint der beim EGW beliebte Golflehrer. Er wurde auch schon in seiner Nachbarschaft auf die Partie angesprochen. „Eine ältere Dame hat mich auf dem Trainingsplatz auf die EM angesprochen und meinte, dass die Engländer ja gut drauf sind“, erzählt Blackburn lachend. „Die Hoffnung auf den Titel stirbt zuletzt“, fügt der 48-Jährige mit Blick auf die lange Titel-Durststrecke der Engländer an.
Golf ist seine Nummer eins
Fußball ist für den Golflehrer aber bei weitem nicht die Nummer eins. „Golf ist einfach meine Leidenschaft. Ich schaue mir Golf auch gerne im Fernsehen an. Man muss als Golflehrer immer up to date sein“, findet der Engländer, der dennoch ein Fußballtrikot der Elf von Nationaltrainer Gareth Southgate im Kleiderschrank hat. Eines jedoch würde sich Blackburn fast mehr wünschen als einen englischen Sieg. „In einem Pub in England so ein Spiel zu schauen – das ist schon etwas Besonderes. Ein tolles Gefühl, überhaupt in einem Pub Sport zu schauen“, erzählt er. Ab und an treffe er sich heute noch in England mit seinen Freunden früherer Tage im Pub, um ein Pint (0,5683 Liter) Bier zu trinken.
Neben der fehlenden Pub-Atmosphäre gibt es noch eine Befürchtung. „Wenn es nach 90 Minuten 0:0 heißt, und es auch nach 120 Minuten immer noch Unentschieden steht, dann geht es wieder ins Elfmeterschießen gegen Deutschland. Und das gewinnen die sowieso“, meint Blackburn lachend. Einen Vorteil sieht er dann jedoch: „Wenn die Deutschen gewinnen, dann könnte Jogi doch noch ein bisschen weitermachen“, findet der England-Fan und würde es dem deutschen Nationaltrainer Joachim Löw durchaus gönnen, wenn er sein DFB-Team noch ein paar Tage länger betreuen würde.

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