Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Horrende Spritpreise fliegen Firmen um die Ohren

Auch die Spedition Mayer in Ixheim ist von der aktuellen Entwicklung hart betroffen.
Auch die Spedition Mayer in Ixheim ist von der aktuellen Entwicklung hart betroffen.

Dass die Preise für Diesel und Benzin durch die Decke gehen, belastet die Zweibrücker Firmen enorm. Die Unternehmen legen bei ihren Monatsabrechnungen jetzt kräftig drauf. Und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.

„Ehrlich gesagt, habe ich noch keine richtige Antwort auf die Situation“, sagt Markus Glutting. Er ist Chef der alteingesessenen Zweibrücker Fahrschule Hahn. Umherfahren mit dem Auto: Das ist Tagesgeschäft für ihn und seine Kollegen. Auf einen Schlag muss er jetzt rund 2000 Euro mehr im Monat für Kraftstoff bezahlen. „Und die Tendenz ist steigend“, so Glutting. Seine Autos laufen mit Diesel, bis jetzt war der ja billiger als Benzin. Seit einigen Tagen hat sich dieses Verhältnis umgekehrt.

Mit seinen Fahrschülern schließt Glutting Ausbildungsverträge mit zwölf Monaten Laufzeit ab. Darin sind auch die Preise für die praktischen Fahrstunden festgeschrieben. Die noch laufenden Verträge hatte Glutting mit einem Dieselpreis zwischen 1,60 und 1,70 Euro kalkuliert. „Da liegen wir inzwischen weit drüber.“ Die neuen Verträge hat der Fahrlehrer nun an die hohen Spritpreise angepasst. „Aber aus den alten kommen wir nicht mehr raus.“ Dementsprechend sind seine finanziellen Einbußen. Sollte der Dieselpreis demnächst gar die Drei-Euro-Marke knacken, müsste Markus Glutting bei seinen Fahrstunden sogar drauflegen. „So einen explosionsartigen Anstieg gab es noch nie“, sagt er.

Voller Tank kostet jetzt 20 Euro mehr

Aufs Auto angewiesen ist auch der ambulante Pflegedienst Humanitas in Contwig. „Die Spritpreise sind eine hohe Mehrbelastung“, sagt Geschäftsführer Tim Kube. Vorigen Donnerstag tankte eine Mitarbeiterin den Firmenwagen für 90 Euro voll, vor der Preisexplosion gab's den vollen Tank für 20 Euro weniger.

Mehr Geld von den Patienten könne der Pflegedienst deshalb aber nicht verlangen. Nach Kubes Worten bezahlt die Kranken- und Pflegekasse für die Leistungen. Die Verträge dafür sind fürs laufende Jahr schon gemacht. Für die Zukunft plant Tim Kube, den Fuhrpark des Pflegediensts mit Elektroautos zu ergänzen. „Das ist auch gut für unseren ökologischen Fußabdruck“, sagt er. Eine finanzielle Schmerzgrenze, ab der der Pflegedienst nicht mehr arbeiten kann, mag der Geschäftsführer nicht nennen. „Wir haben gegenüber unseren Kunden auch eine gewisse Verantwortung. Bevor wir drauflegen, muss der Gesetzgeber einschreiten.“

45.000 Euro mehr für Diesel

Die Stadt Zweibrücken bemüht sich nach Aussage ihrer Pressestelle, Dienstfahrten nur dann zu genehmigen, wenn sie sich nicht vermeiden lassen. „Die Verwaltung hat zudem drei E-Fahrzeuge, die in Bereichen mit starker Nutzung im Einsatz sind. Zum Beispiel in der Poststelle“, erläutert Rathaussprecher Jens John. Im Haushalt sei bislang genug Geld eingestellt, um mit den hohen Preisen umgehen zu können. Dass Firmen, die im Rathaus bereits ein Angebot für eine Baustelle im Stadtgebiet abgegeben haben, jetzt wegen der Spritpreise ihre eigenen Preise erhöhen, sei noch nicht vorgekommen. Auch nicht, dass Unternehmen jetzt erst mal überhaupt kein Angebot abgeben.

„Das trifft uns eklatant“, beschreibt Heinz-Joachim Mayer, Geschäftsführer der Ixheimer Spedition Mayer, die Situation. Derzeit verhandelt er mit seinen Kunden über neue Lieferpreise. Zwar sei in den Verträgen festgehalten, dass die Kosten sich je nach Dieselpreis erhöhen oder günstiger werden. Allerdings wurde damals von einem Diesel-Maximalpreis von rund 1,20 Euro ausgegangen. Stand Freitagmorgen, 11. März, kostete der Liter Diesel rund 2,25 Euro. „Im Monat geben wir jetzt rund 45.000 Euro mehr für Kraftstoff aus“, berichtet Mayer. Würde er seine Fahrzeuge noch zu den Preisen auf die Reise schicken, die Ende vorigen Jahres galten, so würde sein Geschäft heute für jede Fuhre drauflegen. „Der Unternehmer, der keine höheren Preise verlangt, wird es nicht mehr lange schaffen“, ist Mayer überzeugt.

Logistikern gehen die Fahrer aus

Zu den hohen Dieselpreisen kommt in der Logistikbranche jetzt noch der Fahrermangel hinzu. Vor allem bei osteuropäischen Logistikern seien viele ukrainische Fahrer angestellt. Wie Mayer berichtet, kehren diese jetzt in großer Zahl in ihr Heimatland zurück, um dort gegen die russische Armee zu kämpfen. Diese Entwicklung, sagt Mayer, könne hierzulande zu Lieferengpässen führen.

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